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CD-Besprechung

Johann Sebastian Bach

Goldberg-Variationen

Palaion 103

1 CD • 46min • 2017

10.03.2018

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Über Johann Sebastian Bachs sog. Goldberg-Variationen ist viel geschrieben und noch viel mehr spekuliert worden. Der erste Bach-Biograph Johann Nikolaus Forkel berichtet davon, dass Bach das Werk im Auftrag seines Dresdner Gönners, des kurländischen, unter schwerer Insomnia leidenden Grafen Keyserlingk geschrieben hätte. Dessen Haus-Cembalist Johann Gottlieb Goldberg (einer der begabtesten Schüler Bachs und später selbst ein herausragender Komponist) sollte ihm also fürderhin mit Stücken, die so sanften und etwas muntern Charakters wären, die tristen Stunden nächtlicher Schlaflosigkeit aufhellen.

Ob nun der damals gerade erst vierzehnjährige Knabe im Stande war, Bachs technisch wie musikalisch überaus anspruchsvolles Opus zu bewältigen, sei einmal dahingestellt. Um mit Giordano Bruno zu sprechen: Se non è vero, è ben trovato (Wenn es nicht wahr ist, so ist es doch gut erfunden).

An Aufnahmen der Goldberg-Variationen (sowohl auf dem Cembalo als auch auf dem modernen Flügel) mangelt es nicht, doch beflügelt offenbar Bachs so vielgestaltiges und herausforderndes Werk immer wieder neue Generationen von Spielern, sich damit intensiv auseinanderzusetzen.

Auf dem Label Palaion legt der Münchner Cembalist Oliver Andreas Frank nun eine interessante, in manchem Aspekt durchaus neue Sichtweise der Partitur vor, die in ihrer Konsequenz mit manchen Hörgewohnheiten bricht: Frank bezieht die Tempi aller Stücke auf einen gemeinsamen Grundpuls (ein Prinzip, das bereits zuvor jahrhundertelang als „tactus“ die sog. Mensuralnotation geprägt hatte). In der Folge ergibt sich eine stimmige Fassung, die auch auf der Tempo-Ebene Bachs überragendes architektonisches Geschick widerspiegelt.

Im exzellenten Beiheft erläutert und begründet Oliver Andreas Frank überzeugend seine Version, präsentiert sie aber keineswegs als unumstößliche Wahrheit, sondern stellt sie gewissermaßen zur Diskussion.

Im Allgemeinen lässt Bachs Musik mit ihrer stets souveränen Faktur viele verschiedene Interpretationsansätze zu. Franks Sicht der Goldberg-Variationen, gespielt übrigens auf einem hell timbrierten zweimanualigen Cembalo des legendären Remy Gug, zielt mit ihrem „sprechenden“ Ansatz eher auf persönliche Innenschau als auf äußeren Effekt, nicht ohne jedoch auf virtuose Glanzlichter zu verzichten.

Klanglich überzeugt die Aufnahme durch natürliche Präsenz und Räumlichkeit, und nicht zuletzt rundet das schlichte, edle Design des CD-Covers diese gelungene Einspielung ab. Für alle Bach-Liebhaber und Freunde der Claviermusik eine hörenswerte Neuaufnahme, die in ihrer Gesamtkonzeption mit mancherlei Detail neues Licht auf ein (scheinbar) altbekanntes Werk wirft.

Heinz Braun [10.03.2018]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Goldberg-Variationen BWV 988 00:46:20

Interpreten der Einspielung

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