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CD-Besprechung

Duo Imaginaire

Japanes Echoes

Duo Imaginaire

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 07.03.18

TYXart TXA17099

1 CD • 57min • 2016

Für diese „japanischen Echos“ ließen sich sechs Komponisten aus Japan – drei Damen und drei Herren der Jahrgänge zwischen 1954 und 1970 – durch ein von ihnen ausgewähltes Prélude Claude Debussys 2015 jeweils für ein Stück für das Duo Imaginaire – Klarinette plus Harfe – inspirieren, quasi als Waka (Antwortgedicht). Auf der CD wird das originale Prélude – freilich in Transkription des obigen Duos für seine Besetzung – immer der zugehörigen Hommage gegenübergestellt.

Der Klavierklang von Debussys Préludes scheint sich allerdings gerade gegen eine solche Transkription einigermaßen zu sträuben. So sind hier die Ergebnisse von John Corbett und Simone Seiler nicht ganz unproblematisch. Gelingt die Umsetzung des komplexen La danse de Puck (I/11) erstaunlich überzeugend, irritiert die Aufteilung der Partitur auf die beiden Instrumente, etwa in De pas sur la neige (I/6), stellenweise erheblich. Brouillards (II/1) erscheint weichgespült und vor allem fehlt der Harfe der Resonanzraum, um geschickt Harmonien ineinander zu mischen, wie dies mittels Pedal auf dem Konzertflügel sehr gut möglich ist („Les sons et les parfums tournent dans l’air du soir“); dafür verhallt der Klang einfach zu schnell. Auch sind die dynamischen Möglichkeiten im Vergleich stark reduziert.

Die – zumeist deutlich längeren – Neukompositionen, dem Duo schließlich von vornherein auf den Leib geschrieben, leiden nicht unter solchen Defiziten. Obwohl man unter den hier vorgestellten Komponisten vergeblich einige japanische Stars der Neue-Musik-Szene sucht, stellen ihre Hommagen allesamt äußerst intelligente Reaktionen gerade auf solche Elemente in Debussys Musik dar, die ihrerseits bereits fernöstlich beeinflusst erscheinen und sich absichtsvoll dem kompakten Klang des Post-Wagnerianismus entgegenstellen wollten. Sie nutzen zeitgemäße technisch-musikalische Möglichkeiten – etwa Mikrotonalität (Fujii) oder multiple Klänge (Omura, Rai) in der Klarinette – voll aus und sind keineswegs Paraphrasierungen oder „komponierte Interpretationen“ im Sinne Hans Zenders, sondern ganz eigenständig in Form und Ausdruck. Die konkreten Anknüpfungspunkte an das zu Grunde liegende Prélude bleiben aber durchaus, teilweise augenzwinkernd, erkennbar – schon in den Titeln.

Die beiden Interpreten verstehen es bestens, die enorme Konzentriertheit der ihnen anvertrauten Werke adäquat herüberzubringen. Gerade bei ausgedünnten, manchmal zudem noch extrem leisen Passagen, halten sie die Spannung aufrecht und artikulieren jedes Detail mit aufs präziseste abgestimmter Dynamik und vortrefflicher Klangvorstellung. Die exotischeren Spielweisen kommen unaufdringlich und ganz natürlich daher, wirken nie aufgesetzt. Dieser über weite Strecken bezaubernden, oft meditativen Musik mag man gerne folgen – eine gelungene interkulturelle Hör- und Zeitreise.

Martin Blaumeiser [07.03.2018]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 C. Debussy La danse de Puck (aus: 12 Préludes (Livre I)) – Capricieux et léger 00:03:04
2 S. Minami Soundprint No. 4 00:04:15
3 C. Debussy Des pas sur la neige (aus: 12 Préludes (Livre I)) 00:04:35
4 Y. Yamaguchi Die Entdeckung der Freude im Schnee 00:06:24
5 C. Debussy Canope (aus: Préludes (Livre II)) 00:02:44
6 T. Fujii Annotation on a Japanese Lullaby 00:04:50
7 C. Debussy Brouillards (aus: Préludes (Livre II)) 00:02:47
8 K. Omura À travers le brouillard 00:07:22
9 C. Debussy Feuilles mortes (aus: Préludes (Livre II)) 00:03:22
10 T. Rai Misty Stillness 00:04:28
11 C. Debussy Les sons et les parfums tournent dans l'air du soir (aus: 12 Préludes (Livre I)) 00:03:49
12 A. Miyaki The garden of afterimage II - butterfly pattern 00:09:48

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
John Corbett Klarinette
Simone Seiler Harfe
 
TXA17099;4250702800996

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