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CD-Besprechung

Bach & Weiss

Johannes Pramsohler • Jadran Duncumb

Bach & Weiss

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 23.01.18

Klassik Heute
Empfehlung

Audax Records ADX 13706

1 CD • 78min • [P] 2017

Musizieren unter Freunden und Gleichgesinnten – so wird es aus dem Jahr 1739 anlässlich eines Besuches des Dresdner Hoflautenisten Silvius Leopold Weiss (1686-1750) bei Johann Sebastian Bach in Leipzig berichtet: Die beiden nahezu gleichaltrigen Künstler sollen einander bei dieser Gelegenheit lustvolle Improvisationswettstreite geliefert haben. Selbst wenn Bach dabei auch Cembalo gespielt haben mag, ist es alles andere als unwahrscheinlich, dass er angesichts des akkordischen Instruments, das Weiss ja bereits spielte, nicht auch zur Violine gegriffen hätte. Er liebte sie nicht nur besonders, sondern beherrschte sie auch mit großer Meisterschaft: „rein und durchdringend“ habe sein Vater die Violine „bis ins hohe Alter“ gespielt, so das Zeugnis seines Sohnes Philipp Emmanuel.

Als erstes Stück ihrer CD haben Johannes Pramsohler und Jadran Duncumb eine Weiss-Bearbeitung J. S. Bachs ausgesucht: die Suite in A-Dur für Violine und Cembalo BWV 1025. Angesichts der komplizierten Überlieferungslage sowohl der Vorlage wie auch von Bachs Version haben die Künstler eine Forschungsreise zu den Quellen beider Stücke unternommen und eine eigene Fassung von BWV 1025 angefertigt; danach haben sie in verschiedenen Aufführungen des Werks im Konzert zu einer Balance zwischen der eher stark klingenden Violine und der zarten Laute gefunden. So präsentieren sie hier ihre bereits im Konzertsaal gereifte Interpretation des ansprechenden Kammermusikwerks, die durch perfekte Partnerschaft zweier hochkarätiger Musiker besticht und unmittelbaren Hörgenuss bereitet.

Der Rest der CD gehört den Künstlern als Solisten: Zunächst ist Jadran Duncumb zu hören mit der Suite in a-Moll für Laute solo von Silvius Leopold Weiss. Der Dresdner Hoflautenist hat ein kleines, aber bedeutendes Œuvre für sein Instrument hinterlassen, das er mit raffinierten Wendungen und Harmonien würzte. Duncumb, Gitarrist und Lautenist mit kroatischen und englischen Wurzeln, studierte bei Jacob Lindberg und Rolf Lislevand und gewann 2015 den ersten Preis beim Lautenwettbewerb „Murizio Pratola“ in L'Aquila. Er zeigt sich bei diesem Stück eines der bedeutendsten Komponisten von spätbarocker Lautenmusik als berufener und überaus feinfühliger Interpret: Lustvoll, doch ohne jede manieristische Übertreibung kostet er diese raffinierte Musik aus.

Seinen Höhepunkt erreicht das Programm dieser CD mit Johannes Pramsohlers Interpretation von Bachs berühmter Partita Nr. 2 in d-Moll BWV 1004 für Violine solo. Auf der 1713 von Pietro Giacomo Rogeri verfertigten Violine, die er nach der Auflösung von Musica Antiqua Köln von seinem Lehrer und Mentor Reinhard Goebel erhielt, legt er eine überaus persönliche Darstellung dieses wohl berühmtesten Werks der Barockmusik für Violine solo vor. Die makellose Intonation überhaupt zu erwähnen, kann nur der Vollständigkeit halber geschehen, marginalisiert dieser eigentlich selbstverständliche Umstand doch fast die übrigen Qualitäten von Pramsohlers großartiger Ausdeutung der Partita. Trotz durchwegs straffen (in der Giga geradezu halsbrecherisch schnellen) Tempos kommt keine Sekunde Unruhe auf, in perfekter Phrasierung tritt die Form jedes einzelnen Satzes klar hervor, die melodischen Linien werden liebevoll ausgesungen ohne je geschmäcklerisch ausgekostet zu werden. Die abschließende Ciaccona ist mit etwas über 11 Minuten Dauer vier Minuten kürzer als Christian Tetzlaffs 2016 eingespielte Version. In der Gestaltung allerdings erzeugen beide Künstler die Atmosphäre einer tiefen Ruhe, ebenbürtig, doch von unterschiedlichem Charakter: Bei Tetzlaff ist sie von Innigkeit und sinnender Eindringlichkeit geprägt – Pramsohler seinerseits stimmt einen nahezu jubelnden Lobgesang an, der in den in herrlichem Diminuendo verklingenden Schlusston mündet.

Vergleichseinspielung: BWV 1004: Christian Tetzlaff, ODE 1299-2D (AD: 2016).

Detmar Huchting [23.01.2018]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.S. Bach Suite A-Dur BWV 1025 (nach Silvius Leopold Weiss) 00:30:28
8 S.L. Weiss Suite a-Moll für Laute 00:21:36
13 J.S. Bach Partita Nr. 2 d-Moll BWV 1004 für Violine solo 00:25:18

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Johannes Pramsohler Violine
Jadran Duncumb Laute
 
ADX 13706;3770004137060

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