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CD-Besprechung

Viola Appassionata

Italienische Virtuosenmusik des 16./17. Jh. für Viola da gamba und Harfe

Querstand VKJK 1710

1 CD • 61min • 2017

25.12.2017

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Was für ein intensiv betörender Klang! Man möchte ihn einfangen, festhalten. Seidig und transparent entfaltet Juliane Laakes Spiel auf der Diskant- sowie Bassgambe eine besondere Haptik - und geht trotzdem in jedem Moment in einem Ensembleklang auf, der feinnervig wie selten ist. Sensibel verwoben ist Juliane Laakes Kunst des gestrichenen, komplett vibratolosen Spiels mit den Figuren, Arpeggien und manch rezitativischer Einlage, die Maximilian Ehrhardt seiner Barockharfe entlockt. Wenn nötig, kommt noch das Barockcello-Spiel von Johannes Oelmüller-Rasch unterstützend hinzu. Und last but noch least: Eine wirklich vorbildliche Aufnahmetechnik lässt all dies in bester Manier im Raum stehen, ja erblühen.

Man ist beim Hören dieser neuen CD „Viola Appassionata“ also zunächst so überwältigt vom reinen Klang, dass man sich erst im nächsten Schritt das nicht minder bemerkenswerte „Material“ vergegenwärtigt: Canzone, Follia, Toccata oder Recercada nennen sich die präsentierten Kompositionen aus dem 16. und 17. Jahrhundert, außerdem verschaffen sich hier etliche frei betitelte Liedformen Gehör. Sie kommen aus der Feder zum Beispiel von Diego Ortiz, Adam Jarzebsy, Girolamo Frescobaldi oder Giovanni Bassano, also von Tonschöpfern, die selbst innerhalb der Alten Musik nicht gerade zum „Standard-Repertoire“ gehören und dennoch für eine spannende Entwicklung stehen, nämlich für die Emanzipation weltlicher Musikgattungen, in der auch manch individueller Personal- und teilweise auch Nationalstil auflebt.

Auf jeden Fall werden hier begierig neue Freiräume erschlossen: In weltlichen Madrigalen und zahllosen Liedern wird vor allem die Liebe in allen Facetten beschrieben, reflektiert und gepriesen. Und die Komponisten fühlen sich frei genug, alle formalen Zwangsläufigkeiten seitens der sakralen Musik fröhlich hinter sich zu lassen und eine frische, junge Musik mit neuen, sinnlichen Affekten aufzuladen.

Und diese Aufbruchsstimmung wird auf dieser CD im filigran-einfühlsamen Spiel von Juliane Laake, Maximilian Ehrhardt und Johannes Oelmüller-Rasch spürbar. Die im Booklet abgedruckten Texte beschreiben die Liebe in all ihren Höhen und Tiefen. Um Hingabe, Scham, Verführung, Abschied, Glück und Schönheit geht es. Die hier aufspielenden Musiker legen so viel beflügelnde Leichtigkeit und innige Einfühlungsgabe an den Tag, dass die Botschaft auch ohne Worte rüberkommt. Die Melodien berühren durch ihre zarte Direktheit, entrücken in ihrer leichtfüßigen Verklärtheit und sprühen manchmal vor tänzerischem Gestus, dass schon fast so etwas wie Folk aufkommt. Die dadurch frei werdende Gefühlspalette ist auf jeden Fall immens. Abgesehen von der ganzen hier erfahrbaren Spielfreude kann jene Forschungsarbeit nicht hoch genug gewürdigt werden, die solchen Repertoireentdeckungen zugrunde liegt.

Stefan Pieper [25.12.2017]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Bernardo Pasquini
1Follia 00:03:08
Girolamo Dalla Casa
2Qual è più grand' o Amore 00:02:49
Diego Ortiz
3O felici occhi miei 00:01:58
Andrea Falconieri
4La Suave Melodia 00:03:25
Girolamo Frescobaldi
5Toccata major 00:05:27
6Canzona prima (La Bonuisia) 00:03:03
Diego Ortiz
7Recercada segunda 00:01:39
Cypriano de Rore
8Ancor che col partire 00:02:34
Riccardo Rognoni Taeggio
9Ancor che col partire 00:05:32
Diego Ortiz
10Recercada terza 00:01:34
Adam Jarzebsky
11Cantate Domino 00:09:00
Girolamo Frescobaldi
13Se l'aura spira tutta vezzosa 00:01:14
Andrea Falconieri
14Brando dicho el Melo 00:01:09
Giovanni Maria Trabaci
15Ancidetemi pur 00:06:56
Giovanni Bassano
16Susanne ung jour 00:04:11
Adam Jarzebsky
17Susanna videns 00:05:00

Interpreten der Einspielung

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