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CD-Besprechung

Hindemith • Schönberg

Trio Zimmermann

Hindemith • Schönberg

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 07.09.17

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BIS 2207

1 CD/SACD stereo/surround • 60min • 2016, 2015

Was die atemberaubende technische Fertigkeit und die rhythmische Synchronisation des Zusammenspiels betrifft, haben wir hier eine phänomenale Einspielung vorliegen: Frank Peter Zimmermann, Antoine Tamestit und Christian Poltéra haben die beiden Streichtrios von Paul Hindemith (von 1924 und 1933) und das späte, erratische Streichtrio op. 45 (von 1946) von Arnold Schönberg sinnträchtig nebeneinander gestellt, und wie sie sich in Höchstgeschwindigkeit abstimmen und jeder auch in Höchstgeschwindigkeit seinen Part souverän meistert und dabei weitgehend auch noch die dynamischen Vorgaben umsetzt, das nötigt äußersten Respekt ab. Natürlich sei angemerkt, dass die Tempi im Zweifelsfall stets eher an der Ober- als an einer Untergrenze, auch bezüglich der Metronomisierung, gewählt sind. Doch bleibt zugleich gerade bei Hindemith so einiges auf der Strecke: So klar die kontrapunktischen Strukturen und damit verbunden die motivischen Details zum Vorschein kommen, so wenig ist es gelungen, die sehr komplexe und eigentümliche harmonische Sprache sinnfällig zum Ausdruck zu bringen – da geht es dann eben einfach über Stock und Stein! In den langsameren Sätzen und Abschnitten ist mehr Zeit, das Geflecht auch in dieser Weise etwas besser durchzuhören, und prompt werden auch die harmonischen Spannungs- und Entspannungsbezüge offenkundiger oder sind zumindest eher zu erahnen. Da hätte es dann wohl doch einige Wunder bewirken können, wenn man auf Kosten des zirzensischen Effekts Tempi genommen hätte (oft nur um ein Geringes gemessener), die allen Dimensionen des Tonsatzes gerecht werden können!

Auf einen weiteren Punkt seien die drei Virtuosen – vor allem Zimmermann – aufmerksam gemacht, der einen heute aufgrund der verbreiteten Methoden der sogenannten historischen Aufführungspraxis generellen Mangel betrifft: das zu kurze Aushalten der Phrasen-Schlussnoten, und überhaupt gerade in schnellen Tempi häufiges Zu-Kurz-Spielen der Noten, vor allem dann, wenn es etwas heftiger zugeht. Davon insgesamt am wenigsten betroffen ist übrigens Tamestits Spiel. Mag man bei älterer Musik darüber diskutieren können, so ist doch bei einem Hindemith zu bemerken, dass der genau wusste, was er vorschreiben will und kann, und wenn er kürzere Notenwerte gewollt hätte, wären ihm stets Pausenzeichen zur Verfügung gestanden, sei es in punktierten Werten, bei längeren oder auch kürzeren Tönen. Wenn er Staccato oder Spiccato will, schreibt er das auch. Und darunter leidet dann auch unter anderem die melodische Artikulation, also das potenziell Gesangliche in der Musik, wodurch manche Passagen eben jenen dissonant zopfigen Ausdruck erhalten, der Hindemith so oft vorgeworfen wird, auch bei ihm selbst als Ausführendem gelegentlich im Eifer des Gefechts durchschlug und sich doch nicht notwendigerweise einstellen müsste. Freilich sind das sehr hohe Forderungen, aber an wen, wenn nicht an solche instrumentalen Könner? Es ist also ein schwindelerregend virtuos gespielter Hindemith, aber ohne die Tiefendimension, die erst eine wirklich ausgeformte, innerlich zusammenhängende Gestaltung zutage gefördert hätte.

Bei Schönberg wird all dies nicht so deutlich, denn hier sind die harmonischen Verhältnisse so kaleidoskopisch überkomplex, dass es ohnehin kaum möglich ist, in dieser Hinsicht einen erlebbaren Faden zu erhaschen, und hier sind außerdem die klangfarblichen und dynamischen Überraschungen so fortwährend präsent, dass man von den unablässig expressiv wechselnden Momenten vollkommen gefordert und gefesselt ist. Irgendwie erscheint es nicht verwunderlich, dass der Komponist über der Entstehung dieses rastlos irrlichternden Werkes einen Herzinfarkt bekam – wenn man sich wirklich auf diese Musik einlässt, kann man in einen sehr herausfordernden Zustand geraten. In diesen wild versprengten Aggregatszuständen ist das Trio sehr zuhause, sozusagen in der immerwährenden Fremde einer Tonwelt, die ihren Zusammenhang aus einem künstlich generierten System bezieht, welches während der Aufführung en detail erfassen zu können eine Utopie bleiben muss. Ein Faszinosum ohne Auflösung, von drei instrumentalen Überfliegern fulminant in Szene gesetzt.

Der Booklettext von Horst A. Scholz informiert solide, die Aufnahmetechnik, die von ausgezeichneten akustischen Ausgangsbedingungen in Zürich und Neumarkt in der Oberpfalz profitiert, ist herausragend.

Christoph Schlüren [07.09.2017]

Bechstein Konzert

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 P. Hindemith Streichtrio Nr. 1 op. 34 00:19:15
5 Streichtrio Nr. 2 00:19:15
8 A. Schönberg Streichtrio op. 45 00:18:01

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Trio Zimmermann Ensemble
 
2207;7318599922072

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