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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Flaminis Aura

works by Tommie Haglund

BIS 2025

1 CD/SACD stereo/surround • 84min • 2012, 2015

03.08.2017

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Das recht überschaubare Werk des Schweden Tommie Haglund (Jahrgang 1959) ist in seinem Heimatland bereits mit zahlreichen Preisen gewürdigt worden, aber in Deutschland noch fast unbekannt. Vier wichtige Werke der letzten 16 Jahre vereinigt nun das Label BIS auf einer randvollen – knapp 84 Min. (!) – Hybrid-SACD.

Es fällt schwer, den Komponisten stilistisch genau zu verorten, und es erscheint fast müßig, ihn – wie so viele – einfach der sogenannten musikalischen Postmoderne zuzuordnen, was eh‘ mehr ein Passepartout-Begriff ist als ein Substrat klar zugrundeliegender Eigenschaften. Im Falle Haglunds ist solches Schubladendenken aber auch unnötig, denn seine Musik verfügt über reichlich höchst individuelle Merkmale, die seinem Schöpfer dadurch ganz selbstverständlich eigenes Gewicht verleihen.

Da wären einmal ganz charakteristische melodische Motive, die Haglunds gesamtes Schaffen durchziehen, und die, obwohl ständig flexibel zahlreichen Metamorphosen unterworfen, tatsächlich für den Hörer als solche ihre Identität behalten. Ähnliches findet sich ja etwa bei Penderecki, wobei dort mittlerweile alles viel zu durchschaubar und – über die Jahre – auch etwas langweilig geworden ist. Über die Melodik transportiert Haglund ein Großteil seiner emotionalen Energie, die facettenreich das menschliche Innenleben erkundet. Alle Werke haben immer auch eine starke harmonische Basis, die stellenweise fast tonal wirkt – besonders natürlich da, wo Haglund an historische Vorbilder anknüpft. In Wirklichkeit etabliert diese Harmonik aber lediglich Zentraltöne und ist doch ganz zeitgenössisch; gut zu hören in Sollievo (Track 3). Des Weiteren bevorzugt der Komponist große, einsätzige Formen in langsamen Grundtempi; dies trifft auf alle vier hier vorgelegten Stücke zu.

Der oben erwähnten Innerlichkeit widmen sich drei Werke für Streichinstrumente: Sollievo (2013) für Streichtrio, das Streichquartett Il regno degli spiriti (2001) und Serenata per Diotima (2015) für Streichorchester. In der Streicherbehandlung erweist sich Haglund als versierter Komponist, der offensichtlich alle klanglichen Möglichkeiten auszukosten imstande ist und die musikalische Spannung über die ja doch recht umfangreichen Sätze immer aufrechterhält.

Mit dem großformatigen Cellokonzert Flaminis aura (2001/04) legte Haglund sein erstes Werk für großes Orchester vor. Gleichzeitig findet hier ein Perspektivwechsel statt: Das Stück ist gewissermaßen eine Art Lied von der Erde – so gibt es hier auch eine Tonbandeinspielung der NASA, wo versucht wurde, elektromagnetische Strahlung im Kosmos hörbar zu machen. Diese Außensicht, vertreten durch das Orchester, tritt in Dialog mit dem dies reflektierenden Solocello – so entsteht eine interessante Wechselwirkung. Der Solopart, glänzend gespielt von Ernst Simon Glaser, ist extrem dankbar und kantabel. Schlagzeug und Bläser werden stellenweise grandios eingesetzt, was aber episodenhaft bleibt. Als emotionales Transportmittel dominiert, gerade gegen Schluss, wieder vor allem der Streicherklang.

Die Interpretationen sind durchgehend auf höchstem Niveau, absolut überzeugend das Trio Zilliacus, Persson, Raitinen. Zudem ist Flaminis aura eine der erst wenigen Aufnahmen mit dem dirigentischen Nachwuchstalent David Afkham. Technisch sind die Einspielungen ebenfalls erstklassig, obwohl der Rezensent die 5-Kanal-Version nicht ausprobieren konnte. Abgerundet wird der gute Gesamteindruck dieser lohnenswerten Entdeckungsreise durch ein äußerst informatives Booklet.

Martin Blaumeiser [03.08.2017]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Tommie Haglund
1Flaminis Aura 00:35:28
2Il regno degli spiriti 00:19:14
3Sollievo (dopo la tempestà) 00:14:06
4Serenata per Diotima 00:13:39

Interpreten der Einspielung

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