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CD-Besprechung

Leo Fall

Brüderlein fein

cpo 777 796-2

1 CD • 56min • 2012

30.06.2017

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Hochachtung vor cpo, WDR und den vielen hilfreichen Geistern, die sich so hingebungsvoll um den historischen Operettenfundus Österreich-Ungarns und Deutschlands kümmern. Wie viele Erst-Einspielungen haben wir dieser Initiative schon zu verdanken! Dass bei so eifriger Grabungsarbeit nicht immer Gold und Silber gefunden wird, dürfte wohl jedermann begreifen. Das kleine Singspiel Brüderlein fein von Leo Fall, 1909 im Souterrain des Theaters an der Wien uraufgeführt, gehört in die Kategorie jener Biedermeier- und Alt-Wien-Operetten, wie sie am Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden sind und bald darauf wieder in Vergessenheit gerieten. Nur eine davon wurde ein Welterfolg: Das Dreimäderlhaus von Heinrich Berté, anno 1916.

Leo Falls Singspiel wird kaum jemals wieder auf einer Bühne erscheinen, zu simpel ist die Handlung, zu hanebüchen der Text. Drei Rollen, alle im Seniorenalter – allein das ist schon von Haus aus unmöglich. Zur Hauptpartie wurde der Wiener Theaterkapellmeister und spätere Kirchenmusiker Joseph Drechsler (1782-1852) erkoren, der die Bühnenmusik zu Ferdinand Raimunds Theaterstück Das Mädchen aus der Feenwelt oder Der Bauer als Millionär komponiert hat – und nicht für Raimunds Der Verschwender, wie der sonst so gründliche Kommentator Stefan Frey im Beiheft behauptet. Das Ehepaar Drechler feiert seinen vierzigsten Hochzeitstag und erinnert sich vergangener Tage, an die Raimundzeit. Die alte Bedienerin Gertrud verwandelt sich für einige Momente singend in „Die Jugend“. Ein solenner Guglhupf spielt ebenfalls eine tragende Rolle.

Leo Falls Musik zu Brüderlein fein ist durch und durch „leichte Ware“, mit der Routine eines versierten Musikers und Operettenkönigs (Die Dollarprinzessin) geschrieben. Keine Höhepunkte, aber auch keine schwache Nummer. Tenor (Michael Roider), Sopran und Alt (Anke Krabbe, Andrea Bönig) geben ihr Bestes, was allerdings nicht immer Gutes bedeutet. Die Stimme von Anke Krabbe klingt angestrengt und müde. Wenn damit ein bewusster Hinweis auf Betagtheit gemeint sein soll, könnte die Absolution erfolgen, sonst aber nicht. Für das famose WDR Rundfunkorchester, den Rundfunkchor und den Dirigenten Axel Kober möge das in der Operette vorkommende „Hoch soll’n sie leben!“ gelten.

Clemens Höslinger [30.06.2017]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Leo Fall
1Brüderlein fein (Alrwiener Singspiel in einem Akt von Julius Wilhelm)

Interpreten der Einspielung

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