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CD-Besprechung

Hans Pfitzner

Die Rose vom Liebesgarten

Hans Pfitzner

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 22.05.17

cpo 777 500-2

3 CD • 2h 45min • 2009

Spät, aber nicht zu spät wird diese schon vor acht Jahren aufgezeichnete Produktion des Chemnitzer Opernhauses auf CD veröffentlicht. Sie macht den Hörer mit einer der faszinierendsten Opern des Fin-de-siècle bekannt und wirft ein neues Licht auf ihren Komponisten Hans Pfitzner, der in jungen Jahren noch kein konservativ-nationalistischer Sektierer war, sondern in vieler Hinsicht ein Avantgardist, von den Kollegen der Neuen Wiener Schule, aber vor allem von Gustav Mahler gar nicht so weit entfernt. Mahler war es denn auch, der nach anfänglichem Zögern die bereits 1901 in Elberfeld uraufgeführte Rose vom Liebesgarten vier Jahre später an der Wiener Hofoper herausbrachte und zu einem beinahe triumphalen Erfolg führte.

Über das Libretto von Pfitzners Freund James Grun, das von Bildern Hans Thomas inspiriert war, mag man heute schmunzeln, zu einfältig kommen da die Wagnereien daher, vom einleitenden „Eia hilaia“ des Mädchenchores bis zu Namen (Siegnot, Minneleide, Nacht-Wunderer) und Konstellationen des singenden Personals. Die Handlung symbolisiert einen Kampf quasi zwischen Himmel und Hölle. Siegnot, der erwählte Wächter des paradiesischen Frühlingsreichs, verliebt sich in die liebevolle, aber an irdischem Tand hängende Waldkönigin Minneleide, die von dem dämonischen Nacht-Wunderer und seinem Zwergenheer unterdrückt wird. In den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Welten kommen beide zu Tode, erleben aber durch das Wunder der Rose ihre Auferstehung im Frühlings-Paradies.

Dieser Plot ist nicht mehr als Märchen oder Mythos zu definieren, sondern am ehesten mit dem heutigen Begriff „Fantasy“ zu umschreiben, und in dieser Richtung orientierte sich – den vorliegenden Rezensionen zufolge - auch der Regisseur der Chemnitzer Ausgrabung, Jürgen R. Weber.

Die Partitur leugnet die Tradition Wagners nicht, aber Pfitzner ist darin zugleich ein entscheidender Schritt der Emanzipation vom großen Vorbild gelungen, indem er im musikalischen Farbenspektrum Elemente moderner Strömungen, insbesondere des Impressionismus aufnimmt. Erstaunliche, beinahe überirdische Klänge sind da im Orchester zu vernehmen (gleich beim Blütenwunder der erwachenden Natur im Vorspiel), während die Gesangspartien sich von markanter Deklamation immer wieder zu langen, gefühlvollen (und eingängigen!) Kantilenen aufschwingen. So ist insbesondere bei den Duetten zwischen Siegnot und Minneleide Gustav Mahlers bewundernder Ausruf nachzuvollziehen: „Seit der Walküre, erster Akt, ist etwas ähnlich Großartiges nicht geschrieben worden!“

Die Chemnitzer Aufnahme darf als Ersteinspielung der Oper bezeichnet werden, da die auf dem Grauen Markt kursierende Produktion des BR unter Robert Heger (1953, mit Bernd Aldenhoff und Trude Eipperle) das Werk nur in einer verstümmelten Version präsentiert und eine Stuttgarter Einspielung mit Wolfgang Windgassen und Lore Wissmann (1950) im Archiv des Süddeutschen Rundfunks ruht. Bei der jetzt vorgelegten cpo-Publikation handelt es sich im übrigen nicht um den Premierenmitschnitt des MDR vom 29. November 2008, sondern um eine sieben Monate später unter Studiobedingungen im Chemnitzer Theater aufgenommene Reprise, bei der GMD Frank Beermann am Pult stand, der bei der Premiere verhindert war. Was er – bei nicht allzu breiten Tempi - mit den Musikern der Robert-Schumann-Philharmonie an oszillierenden Klängen aus der Partitur zaubert, ist bewundernswert und hat wahrlich weltstädtisches Niveau. Gleiches gilt für die Leistung des mittlerweile als Tristan vielgefragten Tenors Erin Caves, dessen Stimme etwas an James King erinnert und der bei vorzüglicher Diktion markanten Ausdruck mit geschmeidigem Legato verbindet. Astrid Weber verzeichnet die liebessüchtige und etwas kapriziös oberflächliche Minneleide mit harter und in den Höhen zu scharfer Stimme in Richtung Kundry. Das übrige Chemnitzer Ensemble liefert vokal solide Rollenprofile.

Ekkehard Pluta [22.05.2017]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 H. Pfitzner Die Rose vom Liebesgarten 02:05:08

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Erin Caves Siegnot - Tenor
Kouta Räsänen Der Waffenmeister - Baß
Andreas Kindschuh Der Sangesmeister - Bariton
Astrid Weber Minneleide - Sopran
Jana Büchner Schwarzhilde - Sopran
Tiina Penttinen Rotelse - Mezzosopran
André Riemer Der Moormann - Tenor
Kinderchor der Oper Chemnitz Chor
Chor der Oper Chemnitz Chor
Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz Orchester
Frank Beermann Dirigent
 
777 500-2;0761203750023

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