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CD-Besprechung

Christoph Graupner

Das Leiden Jesu

Christoph Graupner

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 04.05.17

Klassik Heute
Empfehlung

cpo 555 071-2

1 CD • 69min • 2016

In Anlehnung an J. S. Bachs „Weihnachtsoratorium“ betitelte Kantatensammlung könnte man die zehn Kantaten von Christoph Graupner (1683-1760), die für die Passionszeit 1741 entstanden sind, ein Passionsoratorium nennen. Ihre Einspielung beginnt mit dieser CD: Sie enthält die Kantaten für die beiden ersten Sonntage der Passionszeit und für den Palmsonntag. Die Ausführenden sind Florian Heyerick mit seinem Vokalensemble Ex Tempore und der ebenfalls von ihm gegründeten Mannheimer Hofkapelle.

Graupner war Cembalist im Hamburger Opernorchester, als Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt den 26-Jährigen 1709 vom Fleck weg an seinen Hof engagierte und schon zwei Jahre später zum Hofkapellmeister ernannte. Eine besonders von Telemann geförderte Berufung als Leipziger Thomaskantor musste er 1722 ablehnen, denn Ernst Ludwig ließ seinen Lieblingsmusiker nicht gehen, und Johann Sebastian Bach bekam den Posten an der Thomaskirche. So blieb Graupner Darmstadt für den Rest seines Lebens treu und diente auch Ernst Ludwigs Nachfolger Ludwig VIII., der 1739 die Regierung der Landgrafschaft antrat. Durch diese Ortsfestigkeit trat der Glücksfall ein, dass große Teile von Graupners Œuvre sich heute in der Darmstädter Universitäts- und Landesbibliothek befinden. Seit einigen Jahren ist glücklicherweise das Interesse an seiner höchst originellen Musik erwacht – besonders das Label cpo hat sich vielfach und verdienstvoll mit Einspielungen an der Graupner-Renaissance beteiligt.

Die Texte zu den Kantaten stammen aus der Feder von Johann Conrad Lichtenberg (1689-1751), und von ihrem für heutige Augen etwas schwülstigem Duktus dürfen wir uns ebenso wenig täuschen lassen wie von den Libretti der Bachschen Passionsmusik: Lichtenberg war der lutherischen Orthodoxie ebenso verpflichtet wie Bach in Leipzig – von pietistischer expressiver Frömmigkeit kann in beiden Fällen keine Rede sein; man hat damals eben in geistlichen Dichtungen den Mund immer etwas voller genommen als man es heute täte – Evangelisierungsveranstaltungen in Zirkuszelten vielleicht ausgenommen.

Graupner wartet mit höchst kunstsinniger Musik auf, die – im Gegensatz zu J. S. Bach – weniger vom Horizont der Gelehrtheit bestimmt ist. Doch dürften Graupners Töne seinem – vermutlich höfischem – Auditorium ohne Zweifel ins gläubige Herz getroffen haben, bedient er sich doch aller melodischen, satztechnischen und affektiven Finessen der zeitgenössischen Kompositionswissenschaft, diesen „Endzweck“ (im Ausdruck seiner Zeit formuliert) seiner Musik zu erreichen.

Bachs Musik begeistert und inspiriert seit ihrer Wiederentdeckung zu Beginn des 19. Jahrhunderts zunächst in einer romantischen Auffassung und seit dem historisch informierten Musizieransatz seit einem halben Jahrhundert in noch breiterer Rezeption ein weltweites Publikum; diese zweifellos in seiner außerordentlichen Qualität wohlbegründete Bedeutung dieses Lebenswerks sollte uns nicht daran hindern, uns die hochqualifizierten Leistungen seiner Generationsgenossen, die zu Lebzeiten teilweise mehr Popularität genossen haben, heute einmal wieder vor Ohren zu führen und in ihrer Qualität und ihrem Wert schätzen zu lernen.

Genießen kann man sie allemal – besonders, wenn sie in einer Form präsentiert werden wie in dieser Aufnahme: Makellose vokale Leistungen und ein Orchester, das alle Farbnuancen von Graupners durchdachter Instrumentierung auskostet, machen diese drei Passionskantaten zu einem Ohrenschmaus. Es ist zu hoffen, dass Florian Heyerick und seine Mitstreiter nicht aufhören, bis die zehn Kantaten dieses Zyklus eingespielt sind!

Detmar Huchting [04.05.2017]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Chr. Graupner Erzittre, toll und freche Welt GWV 1120/41 (Kantate zum Sonntag Invocavit) 00:23:17
12 Christus, der uns selig macht GWV 1121/41 (Kantate zum Sonntag Reminiscere) 00:22:05
19 Fürwahr, er trug unsere Krankheit (Kantate zum Palmsonntag) 00:23:04

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Solistenensemble Ex Tempore Chor
Barockorchester Mannheimer Hofkapelle Orchester
Florian Heyerick Dirigent
 
555 071-2;0761203507122

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