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CD-Besprechung

Alexandre Tansman

Ballet Music

cpo 777 987-2

1 CD • 55min • 2014, 2002

23.03.2017

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Das Label cpo veröffentlichte eine CD, die sich zwei Balletten des französisch-polnischen Komponisten Alexandre Tansman nach Libretti von Alexandre Arnoux widmet. Tansman (1897-1986) begann seine musikalischen Studien noch in seiner Heimatstadt Łódź. Nachdem er 1919 gleich für drei anonym eingereichte Werke polnische Kompositionspreise erhalten hatte, ihm jedoch das Musikleben in seiner Heimat zu konservativ erschien, zog er nach Paris. Dort kam seine schon früh polytonale Musik gut an, er entwickelte sich unter dem Einfluss von Ravel und Strawinsky schnell weiter. Eine Einladung Honeggers und Milhauds, die Groupe des Six zu erweitern, lehnte er aber ab, um sich seine Unabhängigkeit zu bewahren. Dennoch gilt er vor allem als Vertreter des Neoklassizismus. Auch als Pianist mit weltweiten Tourneen erfolgreich, wurden seine Kompositionen in den 1920er und 1930er Jahren von den berühmtesten Interpreten – Solisten wie Dirigenten – aufgeführt. Tansman floh 1941 vor den Nazis in die USA, kehrte jedoch bereits 1946 wieder nach Paris zurück. Er schuf über 300 Werke.

Liegen bereits maßstabsetzende Aufnahmen der Symphonien, sowie der wichtigsten Klavier- und Kammermusikwerke vor, sind Tansmans Bühnenwerke – immerhin 7 Opern und 11 Ballette – diskographisch noch kaum erschlossen. Das erste hier vorliegende, sofort auf internationalen Bühnen erfolgreiche Ballett Sextuor (1923) ist wohl eine CD-Premiere. Der missverständliche und daher später mehrfach geänderte Titel bezieht sich nicht etwa auf die musikalische Besetzung; vielmehr sind die handelnden ‚Personen‘ des Balletts Musikinstrumente. Das 18-minütige Stück, das oft mit Ostinati arbeitet und polytonal à la Strawinsky daherkommt, ist zwar farbig instrumentiert, ohne Bühne aber trotz klarer Formsprache als reines „Konzertstück“ eher ungeeignet.

Das umfangreichere, dreiteilige Handlungsballett Bric à brac (1935) kam erst 1958 in Lyon zur Uraufführung, da sich eine geplante Pariser Inszenierung durch den Kriegsausbruch zerschlagen hatte. Das Werk besteht aus 14 ‚Nummern‘ – leider ist der einzelne Track auf der CD nicht weiter indiziert. Die Musik ist eingängiger als Sextuor, mit zumeist klarer Tonalität und eindeutig zuzuordnenden Themen. Die Orchestrierung erscheint noch reicher; so gibt es etwa einen großen, obligaten Klavierpart. Vor allem aber finden sich hier, keineswegs selbstverständlich für Tansman, über weite Strecken auch Elemente des amerikanischen Jazz – das Vorbild Gershwin, an dem sich der Komponist offensichtlich orientiert, ist unüberhörbar. Ein faszinierendes Stück voller Esprit, ganz auf der Höhe der Zeit und etwa den Ballettmusiken von Roussel zumindest ebenbürtig.

Die beiden Einspielungen entstammen den Tansman-Festivals 2014 bzw. 2002 in Łódź und sind vorzüglich – das gilt auch für die Aufnahmetechnik. Das Radio-Sinfonieorchester Warschau ist in den Händen von Łukasz Borowicz bzw. Wojciech Michniewski bestens aufgehoben. Beide sind mit dieser Musik blendend vertraut und bringen wohldurchdachte, detailreiche, präzise, aber auch äußerst dynamische Aufführungen zustande, denen man gerne zuhört. Langeweile kommt bei dieser abwechslungsreichen Musik zu keinem Zeitpunkt auf; die vielleicht erfreulichste Aufnahme dieses Orchesters seit dessen Einspielung der Panufnik-Symphonien. Den Appetit auf Tansmans Ballettmusiken auch bei einem größeren Publikum zu wecken, sollte diese gelungene CD jedenfalls in der Lage sein.

Martin Blaumeiser [23.03.2017]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Alexandre Tansman
1Sextuor (Ballet-bouffe) 00:18:23
2Bric à brac (Ballet en 3 tableaux) 00:36:39

Interpreten der Einspielung

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