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CD-Besprechung

Edwin H. Lemare

Organ Works Vol. 3

Edwin H. Lemare

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 16.01.17

Klassik Heute
Empfehlung

CDKlassisk-DK CDK1163

1 CD • 48min • 2015

Dies ist die dritte und letzte Folge der vorbildlichen Reihe mit Orgelmusik von Edwin H. Lemare, die Lars Rosenlund Norremark im dänischen Aarhus eingespielt hat. Wenn man diesem Projekt etwas vorwerfen wollte, dann nur, dass es nun endet. Denn das Œuvre von Lemare (1865–1934), der einer der großen englischen Virtuosen seiner Zeit und ein Orgelsymphoniker von beträchtlicher Statur war, hat noch weitere Stücke aufzuweisen, die beim Durchblättern zumindest sehr interessant aussehen. Doch diese drei sorgfältig produzierten CDs, interpretatorisch, aber auch klangtechnisch herausragend, sind schon eine gewaltige Leistung für sich. Durchgängig konnte der dänische Organist Lars Norremark das herrliche Instrument, die Frobenius-Orgel von 1928 in der Kathedrale zu Aarhus, übrigens die größte Kirchenorgel Dänemarks, voll zur Geltung bringen, dabei aber auch spielerisch seine Begeisterung für Lemares lange vergessene und auch heute im Katalog noch kaum vertretene Kunst vermitteln.

Neben unzähligen Details bleibt als einer der Haupteindrücke im Gedächtnis, wie ungemein vielfältig Lemare die Orgel als weltliches Instrument einsetzt, wie nahe er dabei dem Orchester kommt und wie frappierend modern sich selbst die älteren, spätviktorianischen seiner Stücke ausnehmen. Dass die Musik so offen zum modernen Hörer spricht, liegt aber nicht zuletzt am tiefen Verständnis Norremarks, den man nun wohl endgültig als weltweit führenden Lemare-Spezialisten bezeichnen muss. Er hat zunächst einmal keine Scheu vor dem monumentalen, überwältigenden Effekt. In der Schlussentwicklung der Toccata und Fuge d-Moll op. 98, die standesgemäß ein Zitat aus dem entsprechenden Werk Johann Sebastian Bachs aufweist, bringt das volle Werk mit einem sensationellen Tiefbass den Kirchenraum (und den heimischen Boden) zum Vibrieren. Das spektakulärste Werk auf dieser Folge ist die Konzerttoccata d-Moll op. 59 von 1909 mit ihren dramatisch gleißenden Kaskaden auf den Manualen und ihrem grimmigen Hauptthema im Pedal. Zurückhaltender geben sich die Variations Sérieuses, die sich mehr am späten Johannes Brahms orientieren und in sanfter Registrierung einen Ruhepunkt in diesem Programm setzen.

Ganz besonders sympathisch wirkt Lemare, wenn, wie schon in den vorangegangenen Folgen, auf einmal die – wohlgemerkt geschmackssichere! – Unterhaltungsmusik seiner Zeit auftaucht. Norremark artikuliert etwa das Trio des nur im ersten Teil ein bisschen wagnernden Marche Moderne mit kleinen Hängern und Drückern so reizvoll, dass die Musik auf einmal wie die einer Kinoorgel klingt – die 1884, gut zehn Jahre vor der Geburtsstunde des Films, noch nicht erfunden war! Ähnlich das Allegretto h-Moll von 1896, dessen gepflegt melancholische harmonische Sequenzen in der sentimentalen Filmmusik von heute weiterleben.

Nicht nur eingefleischten Orgelfreunden ist zu empfehlen, dieses vielschichtige Orgelwerk kennenzulernen und damit einen der interessanten Seitenwege des späten und frühen 20. Jahrhunderts. Diese Reihe hat nicht weniger geleistet, als einen bislang weitgehend vergessenen Orgelmeister quasi im Alleingang zu entdecken und damit dem Publikum zu schenken. Nicht berücksichtigt hat Lars Norremark neben einigen Einzelwerken die Bearbeitungen Lemares, die dieser etwa von Werken Wagners, Humperdincks und Tschaikowskys anfertigte. Vielleicht folgt ja doch noch einmal eine Fortsetzung dieses schönen Projekts? Sie würde freudig begrüßt werden.

Direktbezug über www.larsnorremark.de

Dr. Michael B. Weiß [16.01.2017]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 E.H. Lemare Marche Moderne op. 2 00:07:28
2 Allegretto 00:07:12
3 Toccata und Fuge d-Moll op. 98 00:08:41
5 Variations Sérieuses op. 96 00:06:51
6 Tocata di Concerto op. 59 00:08:07
7 Irish Air (aus "County Derry") 00:03:27
8 Grand Cortège op. 67 (Finale) 00:05:19

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Lars Rosenlund Nørremark Orgel
 
CDK1163;0663993551630

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