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CD-Besprechung

Six Sonatas

for Violin and Keyboard

Six Sonatas

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 01.07.16

Klassik Heute
Empfehlung

Marquis 81521

2 CD • 1h 33min • 2014, 2015

Johann Sebastian Bach schrieb Musik, die ihrer Zeit voraus war. So weisen etwa die Sonaten für Violine und Tasteninstrumente BWV 1016 bis 1019 bereits in die Zukunft von Frühklassik und Rokoko. Circa 50 Jahre nach ihrem Entstehen attestiert Sohn Carl Philipp Emanuel Bach einigen Sätzen daraus, dass sie der aktuellen zeitgenössischen Mode kaum besser entsprechen würden.

Für die Geigerin Nancy Dahn und den Pianisten Timothy Steeves ist die Beschäftigung mit dieser frühen Kammermusik ein langfristiges, kontinuierlich reifendes Projekt. Bach zu musizieren, hat für die beiden Kanadier ohnehin eine einzigartige Dimension: Während die Interpretation von Beethovens Meisterwerken immer die Auseinandersetzung mit einem Genie ist, dem gegenüber man als Interpret immer irgendwo außen vor bleibt, markiert Bach nach eigenem Bekunden umso mehr eine Reise ins Innere.

Eine solche, tief verinnerlichende Haltung ist bei Nancy Dahn und Timothy Steeves, die sich zusammen „Duo Concertante“ nennen, künstlerisches Programm: Auf Anhieb entführt das Spiel der beiden in andere Dimensionen hinein. Beide verzahnen ihr Spiel eng miteinander und kreieren einen organisch geerdeten, zugleich höchst lebendigen Spielfluss, der in jedem Moment ein Höchstmaß an Nähe erzeugt.

Entstanden zwischen 1717 und 1723 fallen die sechs vielgestaltigen Sonaten in die Zeit von Bachs großen Instrumentalkompositionen. Man hat diese Sonaten auch schon als Trios bezeichnet wegen ihrer de facto vorherrschenden Dreistimmigkeit – also Violinstimme plus linke Hand und rechte Hand auf dem Tasteninstrument. Letztere agierte bis dahin über einem festen Generalbass auch durchaus improvisatorisch.

Ebenso improvisatorisch, weil so unmittelbar aus dem Moment kommend, zielt das Spiel des kanadischen Interpreten-Duos auf eine solche Arbeitsteilung ab. Weder Effekthascherei und noch weniger Vereinnahmung spielen hier eine Rolle, dafür umso mehr eine unprätentiöse und immer hellwache Klangrede.

Fast alle Sonaten eröffnen – vom Vorbild der Kirchensonaten im Stil Corellis ausgehend – mit einem langsamen Adagio-Satz. Ein Zauberwort scheint im Spiel des kanadischen Duos über allem zu stehen: Artikulation.

Überwältigend ist so manche Wirkung, die allein aus Bachs genialem Kombinieren von Tönen erwächst. Nancy Dahns kraftvolles Violinspiel atmet und saugt die Töne nur so ein. Oft wird jeder Ton für sich zum Ereignis, wenn jeder für sich ein aufloderndes Crescendo erfährt. Extrem zupackend, präzise und rhythmisch schwungvoll klinkt sich Timothy Steeves Pianistik in diese Mechanik ein – impulsiv und durchdacht in jedem Moment.

Die beiden setzen auf ein „historisch-informiertes“ Musizieren, in dem zugleich der Originalklang-Bewegung eine Absage erteilt wird. Denn so verdienstvoll auch die Annäherung an frühere Klangideale mittels historischer Instrumente sein mag: Bach als Erneuerer und Schöpfer zeitloser Musik hätte sich selbst wohl auch nie dem Fortschritt in der Instrumentenbaukunst verweigert. Wenn man mit den Ohren von heute hört, darf man auch klingende Potenziale von heute, also moderne Konzertflügel und moderne Geigenbögen nutzen – dieses Credo setzt das Duo Concertante auf dieser CD jedenfalls plausibel um.

Stefan Pieper [01.07.2016]

Komponisten und Werke der Einspielung

CD 1
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.S. Bach Sonate Nr. 3 E-Dur BWV 1016 für Violine und Klavier 00:16:20
5 Sonate Nr. 5 f-Moll BWV 1018 für Violine und Klavier 00:17:00
9 Sonate Nr. 1 h-Moll BWV 1014 für Violine und Klavier 00:13:16
CD 2
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Sonate Nr. 2 A-Dur BWV 1015 für Violine und Klavier 00:13:50
5 Sonate Nr. 4 c-Moll BWV 1017 für Violine und Klavier 00:17:11
9 Sonate Nr. 6 G-Dur BWV 1019 für Violine und Klavier 00:15:06

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Duo Concertante Duo
 
81521;0774718152121

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