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CD-Besprechung

Domenico Scarlatti

18 Keyboard Sonatas • Yevgeny Sudbin

Domenico Scarlatti

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 05.07.16

Klassik Heute
Empfehlung

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BIS 2138

1 CD/SACD stereo/surround • 75min • 2014, 2015

Yevgeni Sudbin hat die wunderbare Eigenschaft, uns mit jeder neuen Einspielung auf das Grandioseste zu überraschen. Das audiophile schwedische Label BIS hat mit ihm nicht nur sein pianistisches Aushängeschild, sondern zweifellos einen der großartigsten Pianisten und Musiker unserer Zeit als Exklusivkünstler zur Hand. Sudbins allererste Aufnahme für BIS war einst eine Zusammenstellung von Sonaten Domenico Scarlattis, und aus diesem unerschöpflichen Fundus präsentiert er uns nun eine weitere Sammlung von 18 Juwelen, unter denen sich auch drei der bekanntesten finden: die C-Dur-Sonate K 159 und die beiden d-moll-Sonaten K 9 und K 141. Dass die anderen Sonaten weniger bekannt sind, muss als purer historischer Zufall gelten. Sie sind ausnahmslos höchstkarätig, vollendet bis ins minutiöseste Detail und als Gesamtform so spannungsvoll wie aus einem Guss, dabei von einem weltenumspannenden Ausdrucksspektrum, nie erlahmender Inspiration, immerwährender binnenstruktureller Vielfalt und Abwechslung, bezwingendem harmonischen Reiz und: dankbarer Virtuosität, die gelegentlich ins Extrem gesteigert ist wie in D-Dur K 29, g-moll K 373 oder – jedenfalls in dem Höllentempo, das Sudbin vorlegt – K 141 mit den obsessiven Tonwiederholungen. Was so bezaubernd an Sudbins Spiel ist? Zuvorderst möchte ich – neben aller pianistischen Makellosigkeit, Brillanz und Schönheit der Tongebung – die durchweg improvisatorisch anmutende Freiheit nennen, die stets natürlich wirkt, sei es im Draufgängerischen, Verspielten, Verträumten, Abgründigen, Bizarren, Anmutigen, würdevoll Stolzen, Kontrastscharfen oder das motivisch Charakteristische plastisch Herausmeißelnden. So vieles, was er macht, steht nicht in den Noten – dynamisch, agogisch, die kleinteilige Artikulation und den großformalen Bogen betreffend. Wer hier nichts macht, hat auch nichts zu bieten. Man mag einiges vielleicht auch etwas übertrieben finden, doch es ist nicht nur stets erfrischend, freudig, vital und auch zumeist von einer untergründigen „Logik“ (also Folgerichtigkeit) getragen, sondern schließlich auch eine Frage der individuellen Veranlagung, solange die Struktur, der energetische Verlauf der Form nicht zerstört wird. Das ist keine Geschmackssache! Es lässt sich auf Schritt und Tritt nachweisen, und doch schränkt es die innere Freiheit nicht ein, sondern lediglich die Willkür einer prätentiösen Orientierungslosigkeit, mit der Sudbin nichts „am Hut“ hat. Hier spielt ein Meister und ergötzt Kenner und Liebhaber gleichermaßen. Sudbin hat auch den Booklettext verfasst, in welchem er neben sehr aufschlussreichen Einlassungen zur Historie, den einzelnen Nummern usw. nicht nur plausibel für die Darbietung auf dem modernen Flügel argumentiert, sondern auch das Folgende zu sagen hat:

„Letzten Endes ist die Instrumentenfrage eine eher akademische – und wie bei vielen akademischen Fragen bringt uns die eigentliche Suche weiter als die Fixierung auf eine endgültige Antwort. Weit interessanter ist es, in die Gedanken des Komponisten und den Geist der Musik vorzudringen (und zwar auf eine nicht nur informierte, sondern auch intuitive Weise), und nach Hinweisen zu suchen, die Absichten des Komponisten zu kommunizieren […]“

Ja, das macht er, und er verfügt über eine ausgezeichnete Intuition – ein Begriff, mit dem unkünstlerische akademische Holzköpfe natürlich nichts anzufangen wissen. Denn die fordern Beweise, das trockene Brot der Korrektheit, am besten angereichert mit dem wabernden Unsinn, der als „Leidenschaft und Emotion“ bezeichnet wird. Ist die Musik leidenschaftlich komponiert, so hat das Spiel dies auch auszudrücken. Leidenschaft ist kein Sahnehäubchen über dem staubigen Tortenboden der Philologie. Sudbins Aufführungen sind tönender Beleg dieser unumstößlichen Wahrheit. Auch die Gesamtabfolge ist wunderbar als zusammenhängende Form angelegt: ein Album in d-moll, mit sinnstiftenden harmonischen Kontrasten, als wäre es ein symphonischer Modulationsgang. Eine sehr gelungene Einspielung auf einem zu feinsten Nuancen fähigen Flügel in der ausgezeichneten Akustik von St. George’s Bristol, die auch tontechnisch geradezu optimal realisiert ist. Nun würde mich auch sehr ein Mozart-Album von Sudbin interessieren.

Christoph Schlüren [05.07.2016]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 D. Scarlatti Klaviersonate d-Moll K 417 00:03:37
2 Sonate A-Dur K 208 L 238 00:03:53
3 Sonate C-Dur K 159 00:02:29
4 Klaviersonate c-Moll K 56 L 356 00:03:36
5 Sonate d-Moll K 213 00:07:11
6 Sonate G-Dur K 125 00:02:12
7 Klaviersonate g-Moll K 373 L 98 – Presto e fugato 00:02:12
8 Sonate D-Dur K 119 – Allegro 00:05:16
9 Klaviersonate f-Moll K 69 L 382 00:05:09
10 Klaviersonate G-Dur K 425 00:02:46
11 Sonate D-Dur K 29 00:05:03
12 Klaviersonate c-Moll K 99 L 317 P 135 00:07:02
13 Sonate g-Moll K 12 00:03:05
14 Sonate D-Dur K 479 L S16 – Allegrissimo 00:04:32
15 Sonate d-Moll K 9 00:02:43
16 Klaviersonate Fis-Dur K 318 00:06:06
17 Sonate d-Moll K 141 L 422 00:03:08
18 Sonate K 32 – Aria 00:02:29

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Yevgeny Sudbin Klavier
 
2138;7318599921389

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