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CD-Besprechung

Dora Pejačević

The Complete Piano Works • Nataša Veljković

cpo 555 003-2

2 CD • 2h 37min • 2014

14.03.2016

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Was für ein Abschluss! Mit der Veröffentlichung des gesamten Klavierwerks der dem kroatisch-ungarischen Adel entstammenden Gräfin Dora Pejačević (1885-1923) hat sich cpo vielleicht den Höhepunkt der Dora-Pejačević-Reihe bis zuletzt aufgespart. Das Klavier stand eindeutig im Zentrum der in Zagreb, Dresden und München ausgebildeten und mit 38 Jahren schon früh verstorbenen Geigerin, Pianistin und Komponistin. Bei dieser Doppel-CD handelt es sich also um nichts weniger, als um das Abbild eines – wie man so schön sagt – musikalischen Reifeprozesses: von Kinder- und Jugendwerken über die Miniaturzyklen einer mittleren bis zu den – teilweise vom Zeitgeschehen (1. Weltkrieg) beeinflussten – Schöpfungen der sogenannten „reifen“ Schaffensphase.

Doch was heißt im Falle Dora Pejačevićs eigentlich Reifeprozess? Das allmähliche Loslösen von Salonhaftem sowie von ihren Vorbildern Mendelssohn, Grieg und Schumann unter Beibehaltung eines unverkennbar slawischen Einschlags? Die permanente Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten? Oder der Schritt von einer elegischen, schwelgerischen bis schwärmerischen (Spät-) Romantik hin zu einem immer herberen, bisweilen sperrigen, ja sogar sarkastischen bis grotesken Tonfall im Rahmen einer behutsam erweiterten Tonalität? Etwa die Hinwendung von einem sehr filigranen zu einem machtvoll expressiven Klaviersatz? Auch ist von Vergleichen mit Fanny Mendelssohn und Clara Schuman zu lesen; sogar Rachmaninow und Debussy werden als mögliche Einflüsse genannt. All das mag seine Berechtigung haben, wenn man sich auf rein sprachlich-rationaler Ebene dem Phänomen Dora Pejačević zu nähern versucht. Es sagt aber kaum etwas über das Besondere der eben nicht kategorisierbaren Klaviermusik Dora Pejačevićs aus, geschweige denn über ihren künstlerischen Rang, den man so gerne nur anhand von Einflüssen und Vergleichen mit Vorbildern und/oder Zeitgenossen zu bestimmen trachtet. Wagt man es aber, sich möglichst unvoreingenommen dieser Musik hinzugeben, so erschließt sich eine ständig von neuem aufblühende poetische Bilderwelt, die sich nicht nur einer klaren Einordnung widersetzt, sondern die von der intimen und erhabenen Schlichtheit der Frühwerke über romantisch-impressionistische Tonmalereien, über das bis zur Karikatur reichende Kokettieren mit dem Wiener Walzer bis hin zur herben und monumentalen, an kühnen Modulationen reichen letzten Klavierkomposition, der Fantasie-Sonate op. 57 (1921) von meiner Meinung nach zwei sich zu einem unverkennbaren Personalstil verbindenden Konstanten durchzogen ist: Spontaneität und nie versiegende inspiratorische Kraft anstelle von schulmäßiger Architektur sowie eine vitale Klangrede, innerhalb der fantasievollen Stimmungsmalereien mehr Bedeutung zukommt, als einer Beifall heischenden Virtuosität.

Man möge es mir verzeihen, dass ich nicht konkret auf einzelne Werke eingehe. Doch käme das wahrscheinlich einem meinerseits zum Scheitern verurteilten Versuch gleich, einer Musik gerecht zu werden, die in ihrer melodischen und harmonischen Schönheit einen Zustand des Schwebens vermittelt, dabei aber nie ihre Bodenhaftung verliert. Wie gut, dass die in Wien lebende Pianistin Nataša Veljković sich nicht vordrängt, nie den Blick auf diese attraktive und ohrwurmreiche Musik verstellt, ihr nichts Unnötiges überstülpt. Völlig unprätentiös, mit einem vollendeten Fingerspitzengefühl und einer erlesenen Phrasierung liest die gebürtige Belgraderin zwischen den Zeilen und versteht es, mit instinktsicherem Farben- und Gestenspiel den poetischen Zauber zwischen den Klängen hörbar zu machen – immer beredt, aber nie geschwätzig, hingebungsvoll, aber nie rührselig oder pathetisch. Soll heißen, wie die Klaviermusik Dora Pejačevićs, so die großartige Gestaltungskunst Nataša Veljkovićs: voller einnehmender Fantasie.

Christof Jetzschke [14.03.2016]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Dora Pejačević
1Schneeglöckchen op. 19 Nr. 1 00:01:57
2Veilchen op. 19 Nr. 2 00:02:34
3Maiglöckchen op. 19 Nr. 3 00:01:23
4Vergißmeinnicht op. 19 Nr. 4 00:01:37
5Rose op. 19 Nr. 5 00:02:31
6Rote Nelken op. 19 Nr. 6 00:03:04
7Lilien op. 19 Nr. 7 00:02:23
8Chrysanthemen op. 19 Nr. 8 00:03:40
9Sonate As-Dur op. 57 00:11:48
10Sehnsucht op. 17 Nr. 1 00:03:55
11Leid op. 17 Nr. 2 00:01:43
12Frage op. 17 Nr. 3 00:01:29
13Klage op. 17 Nr. 4 00:04:14
14Bitte op. 17 Nr. 5 00:01:05
15Wahn op. 17 Nr. 6 00:02:14
16Blütenwirbel op. 45 00:02:17
17Nocturne op. 50 Nr. 1 00:03:26
18Nocturne op. 50 Nr. 2 00:02:57
19Libelle op. 32a 00:02:04
20Papillon op. 32a 00:01:50
21Abendgedanke op. 32a 00:06:23
22Impromptu op. 32b 00:06:18
23Valse de concert op. 21 00:04:14
24Erinnerung op. 24 00:03:46
CD/SACD 2
1Moderato op. 28 Nr. 1 00:01:06
2Grazioso op. 28 Nr. 2 00:01:27
3Im Ländler-Tempo op. 28 Nr. 3 00:01:31
4Wiegend op. 28 Nr. 4 00:01:09
5Lento op. 28 Nr. 5 00:01:17
6Tempo giusto op. 28 Nr. 6 00:01:42
7Allegretto op. 28 Nr. 7 00:01:34
8Grazioso, allegramente op. 28 Nr. 8 00:00:49
9Moderato op. 28 Nr. 9 00:01:39
10Berceuse op. 20 00:02:56
11Sonate b-Moll op. 36 00:24:07
14Capriccio op. 47 00:03:33
15An Dich! op. 44 Nr. 1 00:02:52
16Vor deinem Bild op. 44 Nr. 2 00:02:24
17Intermezzo op. 38 Nr. 1 00:02:03
18Intermezzo op. 38 Nr. 2 00:02:45
19Berceuse op. 2 00:02:34
20Gondellied op. 4 00:01:06
21Chanson sans paroles op. 5 00:01:27
22Papillon op. 6 00:01:31
23Menuett op. 7 00:01:09
24Impromptu op. 9a 00:01:17
25Chanson sans paroles op. 10 00:01:42
26Trauermarsch op. 14 00:01:34
27Humoreske op. 54a 00:00:49
28Caprice op. 54b 00:01:39

Interpreten der Einspielung

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