Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

CD-Besprechung

Max Reger

Organ Works Vol. 2

Max Reger

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 11.08.15

Klassik Heute
Empfehlung

cpo 777 718-2

2 CD • 2h 12min • 2011

Lange Zeit kam der Freund des zyklopischen Œuvres Max Regers nicht an Rosalinde Haas' Gesamteinspielung der Orgelwerke vorbei, die sie in den 1980er Jahren auf 12 CDs bei MDG vorgelegt hatte. Derzeit wird diese zu Recht als Meilenstein bezeichnete Totale, die wegen ihrer Transparenz und klaren Disposition weiterhin ihre Meriten behält, sukzessive ergänzt durch gleich mehrere in Arbeit befindliche Projekte. Einen besonderen Vorzug etwa weist Gerhard Weinbergers Version für cpo auf, da er die Werke auf hervorragend ausgewählten Orgeln spielt, die für Reger zeitgenössisch waren – Frau Haas hatte alle Werke auf der seinerzeit nagelneuen Albiez-Orgel in Niederrad bei Frankfurt/M. aufgenommen.

Auf dieser randvollen 2. Folge des Weinberger-Projektes kommen auf zwei CDs zwei wunderbare einhundert Jahre alte Instrumente voll zur Geltung, die Domorgel der Firma Furtwängler & Hammer im niedersächsischen Verden a. d. Aller (1916) sowie die Stahlhut-Orgel in der Eglise Saint Martin im luxemburgischem Dudelange (1912). Gerhard Weinberger läßt in dieser so überaus reich wuchernden Musik eine begeisternde technische Virtuosität hören, etwa in den brillanten Läufen der Fantasie und Fuge d-Moll op. 135b, dem letzten Orgelwerk Regers (dieses Stück von 1915/16, das so gänzlich unstraussisch klingt, ist „dem Meister Richard Strauß [sic] in besonderer Verehrung“ zugeeignet, eine Tatsache, die der ansonsten ausführliche und informierte Beihefttext Paul Thissens taktvoll unterschlägt). Auch hat Weinberger Sinn für überwältigende Monumentalität, etwa in der Schlußfuge zu diesem letzten Werk, welche noch einmal den ganzen Kosmos der Reger´schen Welt zusammenfaßt, oder auch in Finalapotheose der Schlußfuge aus den Neun Stücken op. 129.

Doch diese nach Außen strebenden Wirkungen würden für sich genommen kaum die schier unendliche Möglichkeiten dieses spätromantischen Verdener Instrumentes ausschöpfen. Vielmehr hat Weinberger auch Mut zu gemessenen, manchmal breiten Tempi, welche etwa Passagen wie den Übergang zur Schlußfuge in der Choralphantasie „Wie schön leucht´t der Morgenstern“ aus op. 40/1 geradezu mystisch aufladen oder sich in den Einleitungspassagen in einem sanften Weben des Pedals äußern. Gerade die Charakterstücke der Neun Stücke op. 129 entwerfen phantastische Welten zwischen stiller Expressivität (Basso ostinato g-Moll) und phantastischen Gesichten in stimmungsvollen, gruseligen Registrierungen (Präludium h-Moll).

Die in Dudelange aufgenommenen Stücke loten, besonders in der Phantasie zu „Freu dich sehr, o meine Seele!“ op. 30, die geradezu dramatischen dynamischen Kontraste aus sowie das triumphale Strahlen der Phantasie über „Ein´ feste Burg ist unser Gott“ op. 27, die schön ergänzt werden mit drei weiteren verstreuten Vorspielen über den gleichen Choral. Das Schwesterwerk zur Morgenstern-Phantasie op. 40/1, „Straf mich nicht in deinem Zorn“ op. 40/2, kehrt schließlich die Bandbreite des Luxemburger Instrumentes zwischen zarten Choralklängen und kühnen Gewaltausbrüchen hervor und ermöglicht dem Hörer einen Vergleich der beiden Instrumente innerhalb zweier Werke einer Opus-Ziffer. Auf die weiteren Folgen dieser Gesamteinspielung Gerhard Weinbergers kann man gespannt sein und ihr schon bescheinigen, dass sie für einen Reger-Anfänger vorzüglich als erste Einführung in dessen organistischen Kosmos geeignet ist.

Dr. Michael B. Weiß [11.08.2015]

Komponisten und Werke der Einspielung

CD 1
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 M. Reger Fantasie über den Choral "Wie schön leucht' uns der Morgenstern" op. 40 Nr. 1 00:19:18
3 Toccata d-Moll op. 129 Nr. 1 00:02:43
4 Fuge d-Moll op. 129 Nr. 2 00:06:12
5 Kanon e-Moll op. 129 Nr. 3 00:03:30
6 Melodia B-Dur op. 129 Nr. 4 00:03:43
7 Capriccio g-Moll op. 129 Nr. 5 00:02:11
8 Basso ostinato g-Moll op. 129 Nr. 6 00:03:15
9 Intermezzo f-Moll op. 129 Nr. 7 00:04:31
10 Präludium h-Moll op. 129 Nr. 8 00:02:26
11 Fuge h-Moll op. 129 Nr. 9 00:04:28
12 Fantasie und Fuge d-Moll op. 135b 00:17:31
CD 2
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Fantasie über den Choral "Ein' feste Burg ist unser Gott" op. 27 (Seinem lieben Freunde Karl Straube) 00:14:33
2 Ein' feste Burg ist unser Gott op. 135a (Choralvorspiel) 00:01:25
3 Ein' feste Burg ist unser Gott op. 79b (Choralvorspiel)
4 Ein' feste Burg ist unser Gott op. 67 Nr. 6 (Choralvorspiel) 00:02:21
5 Phantasie über den Choral "Freu dich sehr, o meine Seele" op. 30 (Seinem lieben Freunde Karl Straube) 00:20:56
6 Freu dich sehr, o meine Seele op. 135a Nr. 9 (Choralvorspiel) 00:01:57
7 Straf mich nicht in deinem Zorn op. 67 Nr. 37 (Choralvorspiel) 00:02:32
8 Fantasie über den Choral "Straf mich nicht in deinem Zorn" op. 40 Nr. 2 00:17:02

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Gerhard Weinberger Orgel
 
777 718-2;0761203771820

Bestellen bei jpc

 

Das könnte Sie auch interessieren:

 

⇑ nach oben

AGBs Impressum Kontakt Mediadaten Sitemap Datenschutz

© Klassik Heute

jpc