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CD-Besprechung

Violeta Dinescu

Flutes Play

gutingi 254

1 CD • 70min • [P] 2015

19.03.2015

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Die rumänische Komponistin Violeta Dinescu wurde durch die Situation in ihrem Heimatland in zwiespältiger Weise geprägt: 1982 kehrte sie von einem Deutschland-Aufenthalt nicht mehr nach Rumänien zurück, da die Gegebenheiten durch die Ceaucescu-Diktatur unerträglich geworden waren. Eine profunde künstlerische Ausbildung hatte sie aber dennoch am Konservatorium von Bukarest erhalten. Ihr Studium schloss Feldforschungen der archaischen Volksmusik in entlegenen Karpatendörfern ebenso ein – wie Begegnungen mit dem charismatischen Sergiu Celibidace. Von diesem erhielt Violeta Dinescu maßgebliche Impulse, um an der Verfeinerung des Klangs immer weiter zu arbeiten. Heute fließen solche Erfahrungen in ein sehr individuelles und wagemutiges zeitgenössisches Musikideom ein, wie es in ihren vielgestaltigen, sehr unterschiedlich besetzten Werken lebt.

Eine Reise in das eigene Innere stellt ihre aktuelle Arbeit für Flöten dar. „Flutes Play“ lautet der Titel und man könnte das Wörtchen „Play“ zutreffend mit Theaterstück übersetzen – denn tatsächlich scheinen hier viele erstaunliche (Klang-) Charaktere eine imaginäre Bühne zu betreten. Die Bühne ist der weite Raum der psychischen Erfahrungswelt dieser Komponistin, denn nach eigenem Bekunden soll dieser aktuelle Kompositionszyklus die Gesamtheit von Violeta Dinescus Lebenserfahrungen ästhetisch widerspiegeln. Und bei einem solchen Unterfangen sind natürlich ganz viele verschiedenen Rollen, Charaktere, Gesten und Stimmungen im Spiel. Dies alles bündelt sich auf dieser Aufnahme eindrücklich im deklamatorischen Flötenspiel von Ion Bogdan Stefanescu. Er gehört zu den berufendsten rumänischen Flötisten – und er ist auch international, nicht zuletzt durch die Zusammenarbeiten mit James Galway, hoch geschätzt.

Heraus kommt eine Hör-Erfahrung im wörtlichen Sinne: Die Luftstöße des Flötisten werden zu physischer Energie, einem Wind gleichkommend, der die Umgebung in unruhige Aufruhr versetzt. Oder einen getriebenen Menschen assoziieren lassen, dessen Emotionen sich in bebendem Atem niederschlagen. Glissandi suggerieren, dass es kaum Halt, aber viel Unruhe gibt. Nichts muss, alles kann. Phrasen, Gedankensplitter und skizzenhafte Momente stehen einerseits wie in einem Universum für sich – vor allem wenn sie innehalten und im nächsten Moment wieder aufbrausen. Aber sie bilden auch Entwicklungen und gehen verschlungene Wege, wie sie von einem bewegten Leben vorgegeben werden. Die Zeitmaße sind frei beweglich ohne ein ordnendes Metrum, um dem assoziierenden Fluss alle Freiheit zu geben. Um die ganze Komplexität eines bewegten Lebens (-Raumes) zu durchmessen, verfielfältigt sich Bogdan Stefanescus Flötenspiel manchmal bis hin zu achtfacher Mehrstimmigkeit. Overdub macht es möglich.

Man kann, ja muss sich wie in einer Art Zen-Meditation in diese Klangwelt hinein fallen lassen. Risikofreudig und gezielt bearbeitet Stefanescu den Flötenklang, erzeugt mikrotonale Schwebungen und fast schon perkussiv wirkende Sforzati, zieht auch die eigene Stimme hinzu, wenn er während des Anblasens zuweilen ins Instrument „hinein singt.“ Und er bildet das gesamte Tonspektrum von einer solistischen Piccoloflöte bis hin zur Bassflöte in diesem Spiel ab.

Kompositorisch betrachtet liegt hier ein Prozess der Aufspaltung vor. Das deklamatorische Spiel mit Gesten und motivischen Entwicklungen kommt einer imaginären Sprache, einer Rede ohne festgefügte Bedeutung gleich. Diese in der eigenen Gedankenwelt herzustellen, bleibt Sache des fantasiebegabten Hörers.

Stefan Pieper [19.03.2015]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Violeta Dinescu
1Flutes Play III 00:10:54
2Flutes Play V 00:08:27
3Walk among 00:04:07
4Flutes Play I 00:12:05
5Walk about 00:01:11
6Flutes Play IV 00:05:14
7Walk away 00:02:07
8Flutes Play II 00:10:47
9Walk against 00:02:35
10Flutes Play VI 00:12:35

Interpreten der Einspielung

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