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CD-Besprechung

Max Bruch Complete Works for Violin & Orchestra Vol. 1

cpo 777 833-2

1 CD • 70min • 2013

28.07.2014

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Es war schon seit längerem Zeit für neue Bruch-Initiativen. Das Œuvre des konservativen Romantikers, der immerhin bis 1920 lebte, aber schon zu Lebzeiten als ein Fossil angesehen wurde, ist auch jenseits des populären ersten Violinkonzertes zu interessant, um es ganz auszublenden, auch wenn der Komponist es dem Hörer bisweilen mit manchen Längen „nicht leicht“ macht; so formuliert es Eckhardt van den Hoogen in dem exzellenten, ausführlichen und reflektierten Begleittext dieser Produktion treffend. Dieser Beginn einer Gesamteinspielung von Max Bruchs Werken für Violine und Orchester, von cpo gewohnt sorgfältig produziert, gerät denn auch vielversprechend, nicht nur, weil die Musik so gut ist.

Vor allem ist Antje Weithaas für die solistische Besetzung dieser Werke ein Glücksfall. Mit höchster Konzentration, präziser Artikulation und sinnreicher Phrasierung erfüllt sie die Solopartien mit Leben. Besonders aber hat sie die Sinnlichkeit, die nötig ist, um die Bruch´schen Melodien wirklich zum Aussingen zu bringen. Sie hat die Kraft, den ausgedehnten Adagio-Satz, mit dem das zweite Violinkonzert d-Moll op. 44 unorthodoxerweise beginnt, wirklich unter einem einzigen Bogen zu konzentrieren, gleichsam mit einem großen Atem zu nehmen. In den zupackenden Passagen etwa des Finales des zweiten Konzertes oder auch des Adagio appassionato f-Moll op. 57 bleibt ihr Spiel immer fein und geschmackvoll. Das Hauptereignis jedoch ist die tonliche Süße ihres Spiels, die etwa die Sextenketten des Finales unwiderstehlich macht – und damit auf anschauliche Weise daran erinnert, dass dieses Konzert immerhin für Pablo de Sarasate geschrieben wurde.

Bei allen Stücken fällt auf, welchen großen Wert die Solistin wie auch Hermann Bäumer am Pult der NDR Radiophilharmonie auf die dynamische Kultur legen; stets nehmen sie sich Zeit, in zurückgenommenen Momenten gleichsam nach innen zu hören. Dass hierbei das Orchester ab und an ein wenig zu verschwinden droht, ist das einzige, allerdings zu vernachlässigende Manko dieser Aufnahme. Es gelingt es Bäumer nicht immer, einen sehr leisen Orchesterklang wie etwa im Kopfsatz des Konzertes, aber auch etwa im „Andante sostenuto“ der Schottischen Phantasie, so zu halten, dass er ein sicheres Fundament bereitstellt; da verliert sich, auch im langsamen Satz, mancher Klang im Ungefähren, möglicherweise auch bedingt durch eine gewisse modische Scheu vor einem raumfüllenden Vibratospiel – dabei zeigt doch Antje Weithaas eigentlich, wie man ein echtes Pianissimo auf substanzvolle Weise realisiert. Auch das Holzbläserwerk ist in den Tutti nicht ganz ausgeglichen präsent. Bäumer, der über zehn Jahre lang Posaunist der Berliner Philharmoniker war, sollte einen direkteren, mehr dirigentischen Zugriff auf den Orchesterklang erzielen, auch und gerade bei langsamen Tempi: Generell ist in den Finali das Orchester plastischer durchgeformt als in den anderen Sätzen.

Dr. Michael B. Weiß [28.07.2014]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Max Bruch
1Konzert Nr. 2 op. 44 für Violine und Orchester 00:27:10
4Schottische Fantasie Es-Dur op. 46 für Violine und Orchester 00:31:53
9Adagio appassionato op. 57 00:10:51

Interpreten der Einspielung

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