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CD-Besprechung

Claude Debussy

Orchestral Works

Claude Debussy

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 03.06.14

SWRmusic 93.315

1 CD • 67min • 2012

Das vorliegende Programm ist insofern klug zusammengestellt, als die Images mit scharf kontrastierend anhängendem Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns das Zentrum bilden – eine Reihenfolge, die daher besonders gut funktioniert, weil Holliger die Abfolge der Images umstellte, indem nach dem Vorbild eines Konzertes von André Caplet die abschließenden Gigues an den Anfang gestellt sind, gefolgt von den Rondes du printemps und der Iberia-Suite. Den Rahmen um die Images und das berühmte Prélude bilden als Eingang die Rhapsodie für Klarinette und Orchester (funktioniert gut) und als Abschluss die von Debussy nicht in Partitur vollendete Rhapsodie für Altsaxophon und Orchester (funktioniert weniger gut, wirkt wie ein Anhang). Die Saxophon-Rhapsodie wurde nach der 2010 erschienenen Particell-Urtextausgabe von Henle eingerichtet; wer die Partitur erstellte, wird nicht erwähnt – die Einrichtung ist textgetreu mit unmittelbar einleuchtenden Erweiterungen vorgenommen, wobei weitere Verfeinerung künftigen Bearbeitern vorbehalten sein mag. Solisten sind der ausgezeichnete Klarinettist Dirk Altmann und Altsaxophonist Daniel Gauthier.

Das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart stellt sich als ausgezeichnetes Orchester auf den Einzelpositionen vor, mit wenig einander angepassten Blechbläsern und einem Streicherkörper, der wieder eine eigene Identität entwickeln dürfte, wenn man sich erst von der vibratolos-zölibatären Ära Norrington einigermaßen erholt hat.

Holliger kennt die Partituren natürlich mit der Präzision des in der post-Debussyschen Moderne erfahrenen Routiniers, doch ist einiges einzuwenden: der Mangel an linearer Durchhörbarkeit, sobald bei anwachsender Lautstärke die von Natur aus stärkeren Instrumente dominieren – da wird einiges Wesentliche der Holzbläser schlicht verdeckt, was vielleicht entweder auf zu knappe Einstudierungszeit oder auf die unkontrollierte Lust am Muskelspiel des großen Apparats (oder beides) zurückzuführen ist. Auch sind zumal die Hörner im Forte und Fortissimo als Gruppe recht inhomogen, überhaupt wird zu oft zu schnell ein zu massiver Klang erzielt. Ähnliches gilt für die Agogik, wo Beschleunigungen oft zu schnell an Fahrt gewinnen, um tatsächlich bis zum Zielpunkt der Entwicklung beschleunigend disponiert werden zu können.

Generell ist auch ein ziemlich konventioneller Rubatogebrauch zu konstatieren, die Ritenuti werden gelegentlich zu weit gedehnt, wo zumindest der Auftakt dann schon wieder a tempo sein sollte, um nicht ins Stocken zu geraten. Hier wäre mehr Eleganz und Sinn für die zusammenhangstiftende Wirkung des Tempo rubato zu wünschen, wie überhaupt mehr jederzeit verfügbares, subtil verfeinertes, unmerkliches Rubato vielen Strecken zugute käme, wo Debussy keine Tempomodifikationen vorgeschrieben hat, der idiomatische Ausdruck von Harmonik und Melos dies jedoch nahelegte, insofern es, wie gesagt, unmerklich bleibt – dann atmete die Partitur noch flexibler, es könnten noch weiter tragende Bögen entstehen, und zugleich bewegte man sich dann natürlich auch stets auf Messers Schneide.

So ist eine sehr solide, kompetente Einspielung entstanden, der die Experten Werktreue bescheinigen dürften (mit Ausnahme der Umstellung der Images-Sätze). Die klangliche Abbildung ist sehr gut, viele Balance-Mankos konnte die Tontechnik jedoch nicht ausgleichen, was man aber auch nicht erwarten kann. Eckhardt van den Hoogen lieferte einen launig informierenden Bookletessay, Holliger selbst Kommentare zur Rolle André Caplets in Debussys Orchesterschaffen und seiner Umstellung der Images-Sätze.

Christoph Schlüren [03.06.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 C. Debussy Première Rapsodie für Klarinette und Orchester 00:08:15
2 Rondes de printemps (aus Images) 00:08:29
3 Gigues (aus Images) 00:08:38
4 Ibéria (aus Images) 00:19:48
7 Prélude à l'après-midi d'un faune für Orchester (Nach einem Gedicht von Stéphane Mallarmé, 1892/1894) 00:11:35
8 Rhapsodie für Saxophon und Orchester 00:09:45

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Dirk Altmann Klarinette
Daniel Gauthier Saxophon
Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR Orchester
Heinz Holliger Dirigent
 
93.315;4010276026839

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