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CD-Besprechung

Heinrich Ignaz Franz Biber
Sonaten über die Mysterien des Rosenkranzes

Heinrich Ignaz Franz Biber<br />Sonaten über die Mysterien des Rosenkranzes

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 06.06.14

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Ondine ODE 1243-2D

2 CD • 2h 05min • 2013

Eduard Melkus hat Heinrich Ignaz Franz Bibers (1644-1704) Rosenkranzsonaten mit seiner bahnbrechenden Einspielung 1967 zu neuem Leben erweckt; in dem halben Jahrhundert, das seither nahezu verflossen ist, haben sich die ebenso virtuosen wie durch meditative Stimmung bestechenden Stücke ihren festen Platz in den Diskografien ambitionierter Barockgeiger erobert.

Sirkka-Liisa Kaakinen-Pilch stellt sich mit ihrer Neuaufnahme einer gewaltigen Konkurrenz, wie die Auswahl von Vergleichsaufnahmen zeigt, die in den letzten 25 Jahren entstanden sind. Die finnische Künstlerin hat lange in Orchestern unter Frans Brüggen und Philippe Herreweghe musiziert, so war sie 10 Jahre lang Konzertmeisterin des Collegium Vocale. Überdies war sie Professorin an den Musikhochschulen von Stavanger, Kopenhagen und Bremen, sie lehrt gegenwärtig an der Sibelius Akademie in Helsinki. Auch als Solistin genießt die Künstlerin internationalen Ruhm.

Die Rosenkranzsonaten sind – im Unterschied zu Bibers übrigem, durch zeitgenössische Drucke gut belegtem Schaffen – lediglich in einer in der Münchner Staatsbibliothek aufbewahrten prachtvollen Handschrift überliefert. Ihr Widmungsträger, der Salzburger Fürsterzbischof Maximilian Gandolph Graf von Kuenburg, war Bibers Dienstherr und ein glühender Anhänger der Marienfrömmigkeit. Die Stücke sind vermutlich zwischen 1684 (Ernennung Bibers zum Salzburger Hofkapellmeister) und 1687 (Tod des Fürsterzbischofs) entstanden; sie gehören also dem reiferen Werk des Komponisten an, folgt man den Thesen des Musikwissenschaftlers Peter Wollny zur Entstehungszeit der vorher meist dem Frühwerk Bibers zugeordneten Sonaten.

Mit ihrer hohen technischen Schwierigkeit und der aufwendigen Skordatur (Umstimmung einzelner Saiten der Violine, um dem Ausdruck einzelner Stücke angemessene Klangfarben des Instruments zu erzeugen) erfordert diese Musik von ihren Interpreten höchstes technisches Können; dieses sollte allerdings mit einem Gestaltungsvermögen gepaart sein, das dem meditativen, oft intimen Charakter der Musik gewachsen ist: Sie gilt schließlich einem Gebet, das in einem besonders innigen Geist die Geheimnisse zwischen der Gottesmutter und ihrem himmlischen Sohn betrachtet. Die Anforderung an den Solisten ist also eine doppelte und durchaus heikle: Er soll alles können, das aber nicht vordergründig vorführen.

Bezüglich der Ausgestaltung des Continuos zeigen die angeführten Vergleichsaufnahmen ein breites Spektrum: Seit der ersten Einspielung durch Eduard Melkus ist es üblich geworden, die Rosenkranzsonaten mit einer reich besetzten Continuogruppe aufzuführen: Bis zu fünf weitere Musiker umgeben die Solostimme mit einem Mantel aus Klangfarben. In dieser Tradition standen die Aufnahmen von John Holloway, Gunar Letzbor und Annegret Siedel; bei Alice Piérot entsteht durch den Abwechslungsreichtum der verwendeten Instrumente gelegentlich ein fast schon orchestrales Element, das in ihre sonst vorzügliche Einspielung zuweilen eine gewisse Unruhe bringt. Reinhard Goebel, Daniel Sepec und Sirkka-Liisa Kaakinen-Pilch verzichteten auf instrumentale Farbigkeit, Orgel, Cembalo, Theorbe und Streichbass sind die auch sonst übliche Generalbassbesetzung. In der Überzeugung, Biber selbst habe nur zwei Ausführende für seine Rosenkranzsonaten vorgesehen, hat sich Andrew Manze 2003 dazu entschieden, den Zyklus so aufzuführen und in Richard Egarr an Orgel oder Cembalo einen idealen Partner gefunden: Die Vorstellung, dass hier gewissermaßen zwei andächtige Seelen vor dem Gnadenbild knien, erzeugt in dieser Version eine geradezu intime Atmosphäre meditativer Versenkung.

Dass eine Geigerin des Formats von Sirkka-Liisa Kaakinen-Pilch sämtliche technischen Schwierigkeiten dieser anspruchsvollen Musik souverän meistert, käme besonders herausgehoben einer malignen Schmeichelei gleich, dennoch bleiben bei ihrer Version der Rosenkranzsonaten Wünsche offen, die in anderen Aufnahmen bereits erfüllt waren: Im Vergleich mit Manzes, Holloways und Letzbors ausdrucksreicher Tongebung, die auch vor fahlen Klangfarben nicht zurückschrecken, bevorzugt Kaakinen-Pilch einen bei aller erstrebter Differenziertheit kräftigeren Strich, da bleibt – hält man diese emotional überaus facettenreichen Aufnahmen dagegen – die Gestaltung der Affekte gelegentlich auf der Strecke.

Vergleichseinspielungen: John Holloway, Davitt Moroney, Ensemble Tragicomedia (AD: 1989; Virgin Classics 5620622); Reinhard Goebel, Musica Antiqua Köln (AD: 1990; in DG 4791957); Gunar Letzbor, Wolfgang Zerer, Wolfgang Glüxam, Axel Wolf (AD: 1996; Arcana A 401, vergriffen); Alice Piérot, Les Veilleurs de Nuit, (AD: 2002; Alpha 038, vergriffen); Andrew Manze, Richard Egarr (AD: 2003; HMU 907321-2); Daniel Sepec, Hille Perl, Lee Santana, Michael Behringer (AD: 2009; COV 21008); Annegret Siedel, Bell’Arte Salzburg (AD: 2011; 0300531BC)

Detmar Huchting [06.06.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 H.I.F.  Biber Die Rosenkranzsonaten

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Sirkka-Liisa Kaakinen-Pilch Violine
Battalia Ensemble Ensemble
 
ODE 1243-2D;0761195124321

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