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CD-Besprechung

Moritz Landgraf von Hessen

Geistliche & Weltliche Werke

Moritz Landgraf von Hessen

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 02.05.14

cpo 777 661-2

1 CD • 71min • 2010

Moritz von Hessen-Kassel (1572-1632) regierte die Landgrafschaft von 1592 bis 1627 – infolge politisch unglücklichen Agierens geriet er zunehmend in Konflikt mit seinen Landständen und wurde 1627 zur Abdankung gezwungen. Kulturell ist er freilich bedeutend gewesen: Aufgrund einer umfassenden humanistischen Bildung erhielt Moritz den Titel „der Gelehrte“: So soll er acht Sprachen beherrscht haben; doch zeichnete er sich auch in der Musik durch überdurchschnittliche Kenntnisse aus, hatte er noch als Erbprinz Unterricht bei dem Kasseler Hofkapellmeister Georg Otto genommen, der am Collegium Mauritianum wohl auch zu den Lehrern des jugendlichen Heinrich Schütz gezählt haben dürfte.

Moritz von Hessen-Kassel wurde zum großen Förderer von Heinrich Schütz, dessen Eltern ein Wirtshaus in Weißenfels führten, das der Landgraf 1598 aufsuchte. Begeistert vom Gesang des 13-jährigen Sohnes der Wirtsleute, nahm ihn der Landgraf in die kürzlich gegründete Eliteschule seines Landes, das Collegium Mauritianum zu Kassel auf und finanzierte ihm später ein mehrjähriges Studium bei Giovanni Gabrieli in Venedig, dem Musikerpapst der damaligen Zeit. 1613 nahm er den frisch aus Venedig zurückgekehrten Schütz als Juwel seiner Hofkapelle zu einem Besuch am kurfürstlichen Hof nach Dresden mit. Augenblicklich schnappte Johann Georg I. von Sachsen seinem hessischen Kollegen den Ausnahmemusiker weg, es entspann sich ein jahrelanger Streit der beiden Fürsten um Schütz, in dem der Landgraf dem höherrangigen Kurfürsten schließlich unterlag.

Die Früchte der musikalischen Ausbildung von Moritz von Hessen-Kassel präsentiert Manfred Cordes mit seinem Ensemble Weser-Renaissance Bremen auf der vorliegenden CD; sie bietet ein breites Spektrum geistlicher und weltlicher Werke in deutscher, lateinischer und italienischer Sprache aus der fürstlichen Feder. Moritz zeigt eine ausgesprochene Vorliebe für Mehrchörigkeit, was bei mehrstrophigen Chorälen eine willkommene Abwechslung in der Besetzung ermöglicht. So verhindert ein immer wieder variiertes Klangbild das Aufkommen des Eindrucks von Eintönigkeit: Als Komponist hat Moritz der Gelehrte zweifellos nicht das Format seines Protégés Schütz oder könnte in den Madrigalen gar mit Claudio Monteverdi konkurrieren. Vergleicht man indes mit einem anderen Fürsten, Friedrich dem Großen, der sich anderthalb Jahrhunderte später zu seiner Entspannung als Komponist betätigte, so schneidet der Landgraf im Vergleich zu seinen Zeitgenossen an der Grenze zwischen Renaissance und Barock bedeutend besser ab als der dilettierende Preußenkönig im Umfeld der galanten Musik seiner Epoche.

So ist dieses musikalische Zeitbild aus Deutschland zu Beginn des 17. Jahrhunderts mit Applaus zu begrüßen: Manfred Cordes und seine vorzüglichen Musikern bestechen einmal wieder durch die Vereinigung von stilistischer Kompetenz auf höchstem Niveau mit liebevoller Einfühlung, die ihre Programme immer wieder zu einem außerordentlichen Hörvergnügen macht. So entfaltet sich hier ein Panorama des mannigfaltigen musikalischen Alltags an einem kulturell außerordentlich ambitionierten Fürstenhof des frühen Barock.

Detmar Huchting [02.05.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 M.v. Moritz Landgraf von Hessen Ich ruffe zu dem Herren (à 12) 00:03:53
2 In dich hab ich gehoffet, Herr (à 5) 00:04:51
3 Kom heyliger Geist Herre Gott (à 4) 00:03:40
4 Caecus is est (à 6) 00:01:43
5 Concussam ventis (à 6) 00:01:50
6 Ut lanis ovium (à 6) 00:01:58
7 Cantate Domino 00:02:24
8 Discipulis tribus (à 6) 00:02:01
9 Affectus cordis vitiosi (à 6) 00:01:41
10 Andreas simplex piscator (à 5) 00:02:11
11 Eia age, laetemur (à 8) 00:03:05
12 Zu Gott dem Herren (à 4) 00:03:22
13 Sey Lob, Ehr, Preiß und Herrligkeit (à 4) 00:02:03
14 Unser Vatter (à 4) 00:01:59
15 Quam bona, quam suavis (à 8) 00:02:36
16 Pavana della Signora Elisabetha d'Hassia (à 5) 00:01:21
17 Una candida cerba (à 4) 00:02:02
18 Ballet 00:01:05
19 Benedetto sia 'l giorno (à 4) 00:02:11
20 Pavana Malinconia (à 5) 00:01:48
21 Se 'l pensier che mi strugge (à 4) 00:02:24
22 Landtgraves Alman 00:01:05
23 Perch`al viso d'amor (à 4) 00:02:35
24 Fuga in a (à 4) 00:01:54
25 Amor ed io si pien di meraviglia (à 4) 00:02:59
26 Courrente de Mad. la premiere fille d'Hessen 00:01:12
27 Aventuroso si più d'altro terreno (à 4) 00:02:45
28 Paduana del molto valeroso Sigr. Gasparo Widemarchero - Gagliarda del Sopradetto 00:03:20
29 Lobe den Herren (à 12) 00:05:03

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Weser-Renaissance Ensemble
 
777 661-2;7612037661213

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