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CD-Besprechung

Vincent Larderet
Ravel - Orchestra & Virtuoso Piano

Vincent Larderet<br />Ravel - Orchestra & Virtuoso Piano

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 25.04.14

Ars Produktion ARS 38 146

1 CD/SACD stereo/surround • 70min • 2013

Der Titel dieses Ravel-Rezitals von Vincent Larderet: „Orchestral & Virtuoso Piano“ ist sehr treffend: Die fünf hier versammelten Werke spüren der Nähe von Klavier und Orchester nach, die sich manchmal nah, manchmal fern sind, immer aber in eine gewisse Beziehung treten: Die berühmte Pavane wurde vom Komponisten selbst für Orchester gesetzt, La Valse hingegen nachträglich auf das Klavier reduziert. In dem magischen Hauptwerk dieses Programms, Gaspard de la nuit, wird das Klavier so eingesetzt, als ob es ein Orchester sei, und die drei Stücke aus dem Ballett Daphnis et Chloe, die Ravel selbst für Klavier arrangiert hatte und auf die Vincent Larderet noch einmal ein Auge geworfen hat, zeigen sogar die Mängel der Bearbeitung auf, weil das Klavier an manchen Stellen das Orchester nicht ersetzen kann.

Man sieht: Hinsichtlich der Frage „Orchester oder Klavier“ driften die Stücke sämtlich in verschiedene Richtungen. Larderet hat jedoch auch nicht in erster Linie ein Konzeptalbum im Sinn gehabt. Letztlich denkt er von den Interpretationen selbst her. Schon beim ersten unbefangenen Hören tritt hervor, wie skrupulös, wie durchdacht, manchmal fast zweiflerisch er mit den Notentexten umgeht. Immer befragt er sein Instrument auf seine Klangmöglichkeiten, oft beschränkt er diese sogar klug, ohne, dass diese Reduzierung als Verarmung wirken würde – eher als entschlossene Zuspitzung. Larderets reflektierte Strenge im Umgang mit Ravels vielschichtigen Partituren ist dieser Produktion in jeder Sekunde anzuhören. Es überrascht daher überhaupt nicht, wenn man liest, dass Larderet über seinen Lehrer Carlos Cebro an die Arbeitspartituren des legendären Vlado Perlemuter kam, der mit Ravel direkt zusammenarbeitete und einige von dessen Kommentaren schriftlich überlieferte. Larderet steht in einer Tradition, die über eine lange Strecke zwar, aber doch mit Ravels eigener Klavierkunst im Kontakt stand.

Nicht dieser mittelbare historische Rückgriff selbst auf Ravels eigene Meinungen ist es, der diese Aufnahme so hörenswert macht. Aber er kann doch indirekt vielleicht zu einem Teil erklären, warum Vincent Larderet so gut spielt. Der Franzose verfügt nicht nur über eine makellose Technik und eine scharf kontrollierte Anschlagspräzision; er kann auch den weichen französischen Klang so zusammenfassen, dass er mit der Deutlichkeit der deutschen Polyphonie zusammengeht, die Ravel eben auch stets mitbedacht hat. Man höre etwa, wie das Galgenbild Le Gibet aus dem Gaspard ständig zwischen Ausbruch und Strenge schwankt oder wie untergründig geräuschhaft Larderet in La Valse agiert: trotz aller Eingängigkeit des walzernden Dreivierteltaktes. Larderet übt in diesen herausragenden Ravel-Interpretationen eine seltene Kontrolle über das Klavier aus. Das macht diese Versionen so hypnotisch: dass hier ein klarer Geist spielt, der dennoch in der Magie des Klangs gefangen ist.

Dr. Michael B. Weiß [25.04.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 M. Ravel Gaspard de la nuit 00:22:39
4 Daphnis et Chloe (Auszüge) 00:20:53
7 Jeux d'eau 00:05:42
8 La valse (Poème choréographique - Bearb. für Klavier) 00:13:36
9 Pavane pour une infante défunte 00:06:17

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Vincent Larderet Klavier
 
ARS 38 146;4260052381465

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