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CD-Besprechung

Uranienborg

Oslo 1884 . 2009

Uranienborg

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 28.01.14

Klassik Heute
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Sinus Sin 4007

1 CD/SACD • 64min • [P] 2013

Innerhalb der mittlerweile etwa 40 Alben, welche Albert Bolligers internationales historisches Orgelarchiv bilden, wirkt diese Folge (Sinus 4007) sehr besonders – nicht, dass sich sonst von den Orgelportraits auch nur zwei ähneln würden. Doch zum einen stellt Bolliger auf dieser Folge mit der behutsam modernisierten spätromantischen Nielsen-Orgel der evangelisch-lutheranischen Uranienborg-Kirche zu Oslo ein verhältnismäßig neues Instrument vor: Die Restaurisierung und Erweiterung der Orgel durch die Firma Kuhn wurde erst 2009 abgeschlossen. Es gelang den Orgelbaumeistern, das Instrument von 1883 den geänderten zeitgenössischen Anforderungen anzupassen, seine spätromantische Seele jedoch in die Gegenwart zu retten.

Zum anderen wirkt es für den Hörer angenehm, dass Albert Bolliger auf dieser Kompilation mit skandinavischen Werken des 19. und 20. Jahrhunderts auch einmal ein größeres integrales Werk präsentiert. Zwar sind Carl Nielsens 29 kurze Präludien op. 51 selbst wieder aus kleinen Sätzchen gebildet, doch es ergibt sich doch durch die übergreifende kompositorische Einheit bei aller stilistischen Vielfalt einmal ein längerer Atmen. Allein dieses Werk des genialen dänischen Experimentators vermag es, die subtilen Möglichkeiten der Nielsen-Kuhn-Orgel in nuce auszuschöpfen: Man vergleiche etwa die spielerischen Trompetenregister in dem menuett-artigen 3. Präludium, die düstere Stimmung im 12. Präludium, die Hirtenminiatur im 17., die zarte Flöte im 22. oder die wunderbar nuschelnde Jubalflöte im 26. Präludium. Bolligers Registrierungsphantasie, aber auch seine natürliche, sinnliche, dabei stets transparente musikalische Diktion begeistern.

Eingeleitet wird das Programm durch eine originelle Fuge Conrad Greves, der im 19. Jahrhundert wesentlich im finnischen Turku gewirkt hatte, sowie durch kürzere Sätze der Klassiker Niels W. Gade und Jean Sibelius; schade nur, dass nicht auch das erste der beiden Orgelstücke op. 111 des Finnen, die prächtige Intrada, mit aufgenommen wurde. Der einzige hier vertretene Norweger ist Bjarne Slodegal; jedoch sind bei den beiden noch lebenden Tonsetzern die stilistischen Unterschiede ohnehin nicht so groß, dass man von unterscheidbaren Nationalstilen sprechen könnte. Noch viel weniger fallen sie aus dem Programm heraus: Sowohl Slodegal als auch der Schwede Bengt Granstam schätzen, wie auch einige der anderen hier vertretenen Komponisten, Ostinati, Bordun-Quinten, überhaupt eine natürliche, ganz selbstverständliche Tonalität, die oft von den Kirchentönen und von der Volksmusik geprägt ist; man höre etwa die schönen Flötenregistrierungen in der meditativen 2. Veränderung aus Slodegals Variationen über das norwegische Volkslied A hvor salig det skal blive („O, wie selig es wird werden“) und den strahlenden Kontrast des finalen Song of Joy dazu.

Im Ganzen eine überaus instruktive Platte, wie von Bolliger gewohnt; es wäre interessant, weitere skandinavische Orgeln und Komponisten kennenzulernen, schließlich gibt es auch in Schweden, Finnland, Dänemark, nicht zuletzt übrigens auch im Baltikum hochinteressante Instrumente und Traditionen!

Dr. Michael B. Weiß [28.01.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 C. Greve Fuge D-Dur 00:02:26
2 N.W. Gade Wer nur den lieben Gott lässt walten 00:01:44
3 Wie schön leuchtet der Morgenstern 00:02:17
4 J. Sibelius Surusoitto op. 111b 00:03:23
5 B. Slødegal Variationen über das norwegische Volkslied A hvor salig det skal blive 00:05:54
10 Granstam Meditationen über alte Dalar Melodien Aus Skattungbyn Aus Leksand 00:03:31
12 C. Nielsen 29 Kleine Präludien CNK 136 00:29:22
41 Granstam Zwei Fäbod-Psalmen (Aus Stora Tuna, aus Torsång) 00:04:04
43 R. Ranggaard Høstpraeludium 00:03:34
44 Begraved 00:02:17
45 Fjerde Søndag i Advent 00:02:01
46 Kristi Himmelfartsdag 00:01:52

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Albert Bolliger Orgel
 
4007;0798981400703

Bezug über Direktlink

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