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CD-Besprechung

Green
String Quartets by Robert Schumann and György Kurtág

Green<br />String Quartets by Robert Schumann and György Kurtág

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 19.12.13

Klassik Heute
Empfehlung

Genuin GEN 13290

1 CD • 71min • 2013

Schumann und Kurtág – was auf den ersten Blick nicht so recht zusammenpassen will, hat doch eine unüberhörbare Gemeinsamkeit: Die Streichquartette a-Moll op. 41/1 und A-Dur op. 41/3 von Robert Schumann sowie György Kurtágs Officium breve in memoriam Andreae Szervánszky op. 28, ein Mini-Requiem in 15 Sätzen zum Gedenken an Kurtágs ungarischen Komponistenkollegen, das nicht nur ein Szervánszky-Zitat als offiziellen Bezugspunkt beinhaltet, sondern auch Ideen von Anton Webern aufgreift und weiterentwickelt – all diese Werke eint etwas, was man als eine Musik voller Geheimnisse, Rätsel und kaum zu entschlüsselnder Anspielungen bezeichnen kann. Und das bei ihrer so unterschiedlichen Tonsprache. Markant ist sie jeweils auf ihre ganz eigene Weise: Bei Schumann teilweise recht sperrig, nicht sofort zugänglich, mitunter ziemlich zerklüftet, aber formal hoch konzentriert; bei Kurtág bis auf das Äußerste komprimierte Klang-Meditationen, die mit ihrer recht eingeengten Dynamik einer gewissen Sinnlichkeit nicht entbehren.

Sinnlichkeit – das ist wohl der charakteristischste Zug in der Herangehensweise des Amaryllis Quartett an diese Musik. Gustav Frielinghaus, Lena Wirth, Lena Eckels und Yves Sandoz versuchen nicht, die Rätsel in den Quartetten Schumanns und Kurtágs zu entschlüsseln. Vielmehr lassen sie ihnen ihre Geheimnisse. Allein dieser Umstand zeugt für mich schon von enormer gestalterischer Intelligenz. Nehmen wir nur die langsamen Einleitungen der Kopfsätze beider Schumann-Quartette und das Adagio des A-Dur-Quartetts op. 41/3: Das ist keine Musik, die erst einmal anhebt und sich fortentwickelt; das ist Musik, die irgendwie schon da ist und sich in einer Art klanglich geweitetem Raum ohne feste Ankerpunkte ausbreitet und verströmt, eine Musik, die ganz Ausdruck ist und deren Schwerkraft in der Deutung durch das Amaryllis Quartett folgerichtig immer wieder aufgehoben zu sein scheint. Gleiches gilt übrigens auch für die Miniaturen György Kurtágs mit all ihren meditativen wie eruptiven Momenten. Entsprechend scheint das Hauptaugenmerk des Amaryllis Quartett auf dem Ausdruck, auf Klang als Ausdruck zu liegen. Dabei beweisen die vier Musiker mit großer Empfindungstiefe nicht nur Abenteuerlust und Spontaneität, sondern auch den Mut zur Zuspitzung einzelner Ausdrucks- oder Stimmungsmomente. In einem Spiel von bohrender Intensität und voller aufregender Kontraste riskieren sie Schärfen, denen purer Schönklang auch mal zum Opfer fällt, etwa im jagenden Scherzo und stürmisch drängenden Finale von Schumanns a-Moll-Quartett. Beflügelt und von berstender Spannung durchzogen, so möchte ich die Quartettkunst dieses jungen Ensembles umschreiben. Eine rhetorisch aufgeladene Kunst, die bei allem Espressivo-Spiel – beispielsweise in den Adagio-Sätzen der Schumann-Quartette – auf jegliches Pathos verzichtet und auch deswegen die Höchstwertung verdient.

Christof Jetzschke [19.12.2013]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 R. Schumann Streichquartett Nr. 1 a-Moll op. 41 Nr. 1 00:26:30
5 G. Kurtág Officium breve in memoriam Andreae Szervánsky op. 28 (1988/1989) 00:12:33
20 R. Schumann Streichquartett Nr. 3 A-Dur op. 41 Nr. 3 00:30:51

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Amaryllis Quartett Streichquartett
 
GEN 13290;4260036232903

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