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CD-Besprechung

Beata est Maria Marc-Antoine Charpentier

Ligia Digital Lidi 0202233-11

1 CD • 43min • 2011

15.10.2013

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Längst vergangen sind die Zeiten, in denen manden Namen Marc-Antoine Charpentier nur aus einschlägigen Lexika und von seinem Œuvre einzig die trompetenhaltige Fanfare der „Eurovisions-Melodie" kannten. Zwar führt das Te Deum, zu dem das fröhliche Getöse gehörte, die Charpentieríschen Charts auch heute noch souverän an, doch es steht längst nicht mehr allein: Selbst einige Opern des Mannes, der lange Jahre im Dienste der Madame de Guise stand, durch die chronischen Intrigen eines gewissen Jean-Baptiste Lully von der Bühne verdrängt wurde und die letzten Jahre seines ungemein fleißigen Lebens im Dienste der Sainte Chapelle wirkte, sind mittlerweile neben etlichen geistlichen Erbauungsstücken in renommiert(est)en Aufnahmen erhältlich.

All diesen Produktionen wird man attestieren dürfen, dass sie das verschiedentlich von zeitgenössischen Kritikern geäußerte Urteil, der in Italien ausgebildete Charpentier sei doch recht „gelehrt und trocken" gewesen, zu entkräften bemüht sind. Das vorliegende Programm, das das Ensemble Les Passions unter Jean-Marc Andrieu vor rund zwei Jahren eingespielt hat, tut ein Weiteres: Den Musikern, die mich erst kürzlich mit ihrer exquisiten Jean Gilles-Anthologie in wahres Entzücken versetzten, gelingt unter dem Motto der Antiphon „Beata est Maria" der eindeutige Beweis, dass Charpentier nicht nur über die „Gelehrsamkeit" der Italiener verfügte, sondern mehr noch, wie es in einem Nachruf von 1704 heißt, seine Texte in hohem Maße mit den angenehmsten Tönen zu verbinden und die Menschen zu rühren wußte.

Wie der hauptberufliche Flötist Andrieu und seine Truppe dieses ganz besondere Leben erzeugen, vermochte ich schon bei meinen vorigen Betrachtungen nicht recht zu ermitteln: Die trotz aller gründlichen Recherchen und Vorarbeiten so überaus natürliche Diktion, die selbstverständliche Geschmeidigkeit im Zusammenwirken der Instrumente und Singstimmen, die feinen Nuancen und die mitunter nicht nur vertretbare, sondern sogar angebrachte Nonchalance verbinden sich hier – wie schon bei der grandiosen Auseinandersetzung mit Jean Gilles – zu einem Erlebnis, das einen förmlich vom ersten Takt des eleganten Magnificat bis zu den letzten Tönen der Litanies de la Vierge einhüllt und dabei nirgends die geschmäcklerische Heuchelei aufkommen läßt, die diesen intimen Andachtsbildern leicht entströmen könnte.

Selbst die gegen den Haut-Contre (ihn pflegte Charpentier einst selbst zu singen) und den Tenor etwas „gedackt" anmutende Stimme des Bassisten fügt sich dem Konzept, das dank einer großen Fülle überraschender Details und einer geschickten Gesamtdramaturgie nie eintönig wird, sondern auch nach wiederholtem Hören immer neue Einsichten gewährt und uns mit regelrechten Verführungskünsten umgarnt. Die chromatischen Wunder etwa des Salve Regina und die elastischen Silbensprünge inmitten der Motette Ad beatam virginem oder auch nur einer der saftigen Theorbentöne, in denen alle Schöpferkraft gebündelt scheint – all diese unwiderstehlichen Einzelheiten durchglühen die gesamte Atmosphäre und tragen zwangsläufig dazu, dass ich an dieser Stelle die Höchstnote nur allzu gern vergebe.

Rasmus van Rijn [15.10.2013]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Marc-Antoine Charpentier
1Magnificat H 73 00:09:05
2Beata est Maria H 25 00:03:30
3Ouverture pour l'église H 524 00:02:56
4Veni creator H 54 00:05:30
5Prélude H 23a 00:01:01
6Salve Regina H 23 00:04:41
7Ad Beatam Virginem H 340 (Hodie salus) 00:07:00
8Prélude H 237a 00:01:16
9Élévation pour la paix H 237 (O bone Jesu) 00:05:28
10Ouverture Pour un reposoir H 523 00:02:25
11Laudate Dominum H 159 00:03:10
12Litanies de la Vierge H 84 00:09:14

Interpreten der Einspielung

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