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CD-Besprechung

Krzysztof Penderecki: Konzert für Klavier und Orchester (Auferstehung)

hänssler CLASSIC 1 CD 98.018

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 06.09.13

hänssler CLASSIC 98.018

1 CD • 38min • 2013

Natürlich ist Krzysztof Pendereckis 2001-02 komponiertes und 2007 revidiertes und um einen neuen Schluss ergänztes Klavierkonzert in „reinster" Form das, was man Eklektizismus nennt. Das Konzert ging allerdings schon allein dadurch in die Geschichte eine, dass – wie in Constanze Müllers Begleittext eindringlich beschrieben – nach der Uraufführung zunächst in Polen, dann auch andernorts von den Sittenwächtern der korrekten Modernität ein „Shitstorm" losgetreten wurde, der deftig unter die Gürtellinie zielte und vor allem das dürftige geistige Niveau der feuilletonistischen Protagonisten offenbarte. Nun sitzt Penderecki jedoch so fest im Sattel, dass dies nicht nur Neid und Missgunst fördert, sondern auch dafür sorgt, dass derartige Attacken, und mögen sie noch so vernichtend sein, allenfalls am Lack kratzen und sich nicht im Mindesten gefährdend auf die Auftragslage auswirken. So fühlen sich alle Seiten nach wie vor im Recht und zumindest darf der Komponist das Recht für sich beanspruchen, so zu schreiben, wie er will.

Was die Kritiker besonders in Harnisch brachte, war die Tatsache, dass Penderecki das Konzert dem Gedenken der Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001 widmete, was er in transzendenter Weise mit dem Titel „Resurrection" zum Ausdruck bringen wollte. Diese Widmung war nicht von vornherein so gedacht, hatte er doch vor dem tragischen Ereignis mit der Komposition eines konzertanten Werkes begonnen, das er wie bereits zwei frühere Werke „Capriccio" nennen wollte. Und tatsächlich sind die Elemente des ursprünglichen Capriccio sowohl in der marschartig schroffen Welt des Hauptthemas als auch in einer anderen bewegten Episode, die ausdrücklich Allegretto capriccioso überschrieben ist, vorhanden. Diese Episoden kehren mehrfach mit Abwandlungen wieder, wie auch die stark kontrastierenden hymnischeren und lyrisch intimeren Charaktere.

Den Hauptgegensatz zum motorischen Grundgedanken bildet eine Art Choralsatz in purer traditioneller Harmonisierung, einer Traumgestalt in unwirtlicher Umgebung gleich. Als Ganzes in einem durchgehenden Satz von 38 Minuten komponiert, vermag das aus der Tradition des großen russischen Klavierkonzerts im Gefolge von Prokofieff, Chatschaturian und Tishchenko gewachsene Werk formal zu überzeugen und hinterlässt angesichts des beträchtlichen Umfangs und der extremen Gegensätze einen geradezu kompakten Eindruck.

Nachdem unlängst bei Naxos die Aufnahme des Pianisten der Uraufführung der vorliegenden revidierten Fassung, Barry Douglas, mit den Warschauer Philharmonikern unter dem vorzüglichen Antoni Wit erschienen ist, handelt es sich hier nunmehr bereits um die zweite Einspielung des Werkes, die große Vorzüge gegenüber der Erstaufnahme aufweist. So ist insbesondere hervorzuheben, dass Florian Uhlig rhythmisch weit konsequenter und dynamisch plastischer agiert und auch viele Übergänge bezwingender zu gestalten versteht, wo Douglas mit seinem romantisch konventionelleren Rubato-Einsatz und unnötigen agogischen Überzeichnungen den Fluss immer wieder zum Stocken bringt. Der andere große Vorzug dieser Aufnahme ist die unbestreitbar bessere, transparentere, vielen instrumentatorischen Details um vieles gerechter werdende Aufnahmetechnik. Auch ist es gelungen, den Solisten fast überall im Gemenge noch sehr gut durchkommen zu lassen, ohne seine Dynamik in störender Weise anzuheben. Jedenfalls kann das Polnische Rundfunk-Symphonieorchester unter Lukasz Borowicz hier die Warschauer Philharmoniker unter Wit klar hinter sich lassen, obwohl Wit in vielen Situationen das Zusammenwirken der Kräfte klarer zu kontrollieren versteht. Im Fortissimo wäre von beiden Dirigenten größere Differenzierung zu wünschen gewesen, da geht vieles Wesentliche schlicht unter, und dies gilt für die Neuaufnahme trotz der akustischen Vorteile noch mehr als für die Naxos-Einspielung. Wo nicht die volle Kraftentfaltung in Nivellierung umschlägt, ist das Rundfunk-Orchester eindeutig im Vorteil, und die mehrstimmige Linienführung kommt in ihren instrumentatorischen Wechselfällen viel unverstellter zur Darstellung.

Auch wenn die Naxos-CD zusätzlich Pendereckis Flötenkonzert beinhaltet, sollte die Entscheidung der anspruchsvollen Interessenten doch zugunsten der vorliegenden Aufnahme fallen, Florian Uhlig hat zur nüchtern trennscharfen, rhythmisch stringenten und kapriziösen Dimension dieser Musik den idiomatischeren Zugang gefunden.

Christoph Schlüren [06.09.2013]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 K. Penderecki Konzert für Klavier und Orchester (Auferstehung) 00:37:50

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Florian Uhlig Klavier
Polish Radio Symphony Orchestra Orchester
Łukasz Borowicz Dirigent
 
98.018;4010276026198

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