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CD-Besprechung

Joseph Haydn
Complete Symphonies Vol. 20

Joseph Haydn<br />Complete Symphonies Vol. 20

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 17.09.13

Klassik Heute
Empfehlung

hänssler CLASSIC 98.012

1 CD • 63min • 2013

Viel Zeit lassen sich Thomas Fey und seine Heidelberger Sinfoniker mit ihrer Haydn-Totale. Das ist nicht selbstverständlich; ein sehr gutes Kammerorchester wie die Heidelberger könnten weitaus rascher produzieren. Doch die Gelassenheit mündet, wie sich auch an dieser Folge hören läßt, in einen geradezu begeisternden künstlerischen Ertrag. Hier liegt einmal der ansonsten meistens umgekehrt zu erlebende Fall vor, daß eine äußerlich eher seriell gestaltete Produktion (die 20. Folge ist graphisch eher lustlos und unauffällig aufgemacht, sie bringt ein nichtssagendes Bild des Dirigenten auf dem Cover und sieht überhaupt nach Dutzendware aus) Musik in sich birgt, die geradezu aufregend individuell geraten ist.

Viele Jahre sind vergangen, seit Thomas Fey, damals noch mit dem Schlierbacher Kammerorchester, bei hänssler classics die erste Folge des so bedächtig entstehenden Haydn-Zyklus vorlegte. Schon damals berichtete der Rezensent für Klassik Heute geradezu euphorisch; was an Thomas Feys kammerorchestraler Deutung bestach, war das beständig durchgehaltene Bewußtsein für die Struktur der Musik, ihre sinnfällige Artikulation, welche keine Anleihen an den Strickmustern der Historisierer nimmt, ihrer bewußten Gestaltung sämtlicher Orchesterstimmen sowie ihrem Gespür für die musikalisch-emotionalen Situationen. Auch die aktuelle Folge mit drei Symphonien des frühen und mittleren Haydn – die bekannteste ist die 43. in Es-Dur mit dem Beinamen „Merkur“ -, hält diese bewußte Durchgestaltung voll durch. Es ist eine Freude, wie Thomas Fey die Faktur der Musik zum Sprechen bringt, ohne den ästhetischen, den Gesangscharakter der Werke je aufzugeben.

Ein Beispiel ist der Kopfsatz der „Merkur“-Sinfonie. Die Transparenz der Totale wird nicht durch bloße Reduktion des Klangs erreicht, wie es leider heutzutage Usus geworden ist, sondern durch eine wirklich sehr feine, geradezu bildhaft plastische Artikulation, welche die Funktion jedes Instruments wahrt: Man höre allein die sehr abwechslungsreichen Phrasierungen der Oboen, die köstlichen Kommentare der Hörner, überhaupt den Klangsinn, wie etwa die Episode vor der Reprise im Kopfsatz sehr fahl gestaltet wird und die strahlend einsetzende Reprise damit zu einem wirklichen Ereignis werden kann. Auch, wenn die Gesamtschauen von Adam Fischer und Antal Dorati weiterhin ihre Gültigkeit behalten werden: Hier entsteht mit größter Sorgfalt, Intelligenz und Sinnlichkeit eine dritte Alternative.

Dr. Michael B. Weiß [17.09.2013]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Haydn Sinfonie Nr. 43 Es-Dur Hob. I:43 (Merkur) 00:30:04
5 Sinfonie Nr. 25 C-Dur Hob. I:25 00:13:36
8 Sinfonie Nr. 36 Hob. I:36 00:18:59

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Heidelberger Sinfoniker Orchester
Thomas Fey Dirigent
 
98.012;4010276025986

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