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CD-Besprechung

Boviar Trio
Unfinish Fini

Boviar Trio<br />Unfinish Fini

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 30.07.13

Classicclips CLCL 120

1 CD • 67min • 2012

Dass klassische und avantgardistische Klänge in einem Mischprogramm junger, vielfach preisgekrönter Kammermusiker ein spannendes Doppel ausfechten können, beweist die vorliegende Produktion der „Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit e.V." (gwk)auf ihrem CD-Label Classicclips. Neben den altbewährten Klarinettentrios von Beethoven Opus 11 („Gassenhauer") und Brahms' Reifewerk Opus 114 werden zwei Repertoire-Neulinge uraufgeführt. Im Wettbewerb stehen die Rumänin Violeta Dinescu (geb. 1953) und der aus Israel stammende Gilad Hochman (geb. 1982). Gegensätzlicheres als ihre musikalische Sprache kann man sich kaum vorstellen.

Einerseits versucht die Komponistin in der Art stenographischer Klang- und Ausdruckskürzel, ein zusammenhangloses, launenhaftes Psychogramm der von ihr verehrten Lehrmeisterin Myriam Marbe zu entwerfen. Andererseits wirkt dieses Verfahren auf den Zuhörer wie eine Schau dissonant-abstrakter, auch greller Klangmodule. Für die Musiker bedeutet dies im Gegenzug extreme Herausforderungen hinsichtlich Intonation und Spielfertigkeit. Für unser Trio kein Problem!

Ähnlich anspruchsvoll beschäftigt sich Dinescus jüngerer, männlicher Kollege Hochman in seinem CD-Beitrag bei gleicher Triobesetzung Klarinette-Violoncello-Klavier mit seinem ebenso individuellen Klangmaterial. Nun aber geht es um wesentlich deutlicher strukturierte Formen und Inhalte, denen eine rätselhaft verklausulierte Deutung von Schuberts „Unvollendeter" Sinfonie zugrunde liegt. Gewissermaßen als eine „Philosophie in Tönen" erschließt sich der Hinweis des Komponisten in seinem Beiheft-Kommentar als eine Art von ihm praktizierter „anagrammatischer" Verfremdungen von Motiv- und Themenpartikel originaler Schubert-Vorgaben. Zur Erläuterung verweist er auf den von ihm verwendeten Werktitel Shedun Fini seiner Komposition. Es handelt sich dabei um eine Silbenverdrehung von Schuberts (englischem) Werktitel „Unfinished". Leicht nachzulesen zwar, aber unsäglich schwer für den Zuhörer, das Verdrehungsspiel aus der akustisch flüchtigen Materie dissonant verbrämter Schubert-Manipulationen herauszufiltern.

Zum Glück des um kritische Objektivität bemühten Rezensenten sorgen die hervorragenden, überzeugenden Beethoven-Brahms-Interpretationen des Boviart-Trios (Klarinette, Violoncello, Klavier) für Vertrauen in die gleichermaßen perfekte Darbietung aller dargebotenen Programmbeiträge. Eindeutig verdient das Gesamtergebnis die Bewertung mit Bestnoten. „Je mehr man zu entziffern versucht, desto mehr ... wird man immer neugieriger", charakterisiert Violetta Dinescu ihren eigenen Beitrag und spricht damit auch die Wirkung des nicht minder mysteriösen Schubert-Exkurses ihres Kollegen Hochman an.

Dr. Gerhard Pätzig [30.07.2013]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L.v. Beethoven Klarinettentrio B-Dur op. 11 (Gassenhauertrio) 00:21:08
4 V. Dinescu Et pourtant c'est mieux qu'en hiver ... (In Memoriam Myriam Marbe) 00:13:26
5 J. Brahms Klaviertrio a-Moll op. 114 00:24:27
9 G. Hochman Shedun Fini (Librarsi; – Vivace energico) 00:08:05

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
BoviarTrio Ensemble
 
CLCL 120;4260113461204

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