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CD-Besprechung

Sergei Lyapunow Works for Piano Vol. 1

Sergei Lyapunow<br />Works for Piano Vol. 1

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 27.06.13

Ars Produktion 38 132

1 CD/SACD stereo/surround • 75min • 2012

Sergey Lyapunov (1859-1924) ist wie Anatol Liadov, Sergej Tanejev oder Alexander Glasunov einer der wichtigsten russischen Komponisten der Nachfolge-Generation Tschaikowskys und des Mächtigen Häufleins. Man hat diese Generation nie so ernst genommen wie die mutigen Pioniere Borodin, Mussorgsky oder Balakirev, und doch war ihre Musik sehr beliebt und ist es zum einen Teil bis heute, ansonsten wird sie zunehmend wiederentdeckt. Das trifft jedenfalls auf Lyapunov, der auch zwei imposante Sinfonien, wirkungsvolle Solokonzerte und eine Orchesterfassung von Balakirevs unverwüstlicher Fantaisie orientale Islamey schrieb, sicherlich zu. Für fortgeschrittene Klaviervirtuosen gehören seine 12 ÉÉtudes transcendentes zum besonders herausfordernden Repertoire der Liszt-Nachfolge, Louis Kentner hat davon eine so legendäre wie eindrucksvolle Aufnahme hinterlassen. Es steht außer Frage, dass Lyapunov, wie später auch Reinhold Glière und Nikolai Tscherepnin, zu den Komponisten zählt, die für Pianisten von besonderem Reiz sind und ihnen zauberhaften Stoff bieten, wenn es mal nicht Chopin, Grieg oder Scriabin sein soll, womit sie in ihren Hörern das romantische Sehnen nach Verzauberung und Entrückung befriedigen.

Damit sei auch gesagt, dass Lyapunovs Musik im Intimen, Introvertierten, Träumerischen ganz besondere Qualitäten entfaltet und sich in ihrem Naturell zwar gelegentlich bis zur Verwechselbarkeit von Liszt und Balakirev befruchten ließ, jedoch durchaus in all dem eine Brücke zu Chopin und seinen russischen Anhängern bildet. Ein ausgesprochen schwaches Stück findet sich in dieser ersten Folge einer Gesamtaufnahme der Lyapunovschen Soloklaviermusik nicht, dafür einige wirkliche Juwelen insbesondere unter den Mazurken, deren melancholische Charakteristik dem Komponisten besonders liegt. Ebenso reizvoll ist es, wie schon bei Balakirev, wenn orientalisierende Elemente Einkehr halten wie hier zumal in der fünften Mazurka in b-Moll von 1903. Und etwa die große Mazurka in gis-Moll von 1908 darf getrost als ein Meisterwerk gelten, zu deren angemessener Darstellung es sowohl sehr verfeinerter Anschlagskunst als auch differenzierend weitschauender Befähigung in der Gestaltung des dramatischen Ganzen bedarf. Neben den acht Mazurken bietet diese Werkschau eine virtuos glänzende Tarantella von 1906 und vier Walzer (eine stimmungsreiche Valse pensive und drei Valses-Impromptus, die auf geistreiche Weise virtuos unterhaltenden Zwecken dienen).

Der 23jährige belgische Pianist Florian Noack, Schüler von Vassily Lobanov, ist ein treffsicherer Virtuose. Am schönsten ist sein Spiel im piano, auch in den mezzo-Bereichen vermag er farbenreich zu schattieren. Sobald es ins forte geht, wird das Spiel jedoch artikulatorisch einförmiger und farblich weniger mannigfaltig, die Phrasen geraten eher in sich abgeschlossen und kurzatmig, als dass sie von der einen in die nächste führen würden – was durch einen konventionell die kleinen Zusammenhänge betonenden Gebrauch des Rubato (typisch für viele Ausprägungen der russischen Schule) unterstrichen wird. Hier wäre dem Pianisten zu raten, sein Augenmerk auf den nachhaltig feingestuften Aufbau zu legen, auf das Verhäältnis der Teile zueinander, um nach und nach zu einer tragenden Dramaturgie zu gelangen. Die Versuchung ist einfach groß, sich bei einer gewissen Kraftentfaltung sicher zu fühlen und dabei das stets zu erstrebende Element des Unvorhersehbaren, des Risikos, auch Fragilen, Improvisatorischen, aus dem Sinn zu verlieren. Das bedeutet nicht, gesucht willküürlich zu werden! Möge Noack es sich zu einem wertvollen Ziel machen, die Qualitäten, die sein Spiel im Zarten, sensibel Verhangenen, Träumerischen hat, auch dort zum Vorschein zu bringen, wo der Klang robuster und der Ausdruck rauer wird. Das Klangbild ist in der Natürlichkeit und Rundheit ansprechend. Der Booklettext ist ausreichend informativ und gelegentlich kurios, so, wenn Guy Sacre vom großen Konzertwalzer spricht, „bei dem der Klaviervirtuose all seine zwanzig Finger zum Glühen bringt".

Christoph Schlüren [27.06.2013]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 S. Liapunow Valse pensive op. 20 00:07:02
2 Tarantella op. 25 00:05:18
3 Mazurka op. 9 Nr. 1 00:04:26
4 Mazurka op. 9 Nr. 2 00:05:12
5 Valse-Impromptu op. 23 00:04:02
6 Mazurka op. 24 Nr. 6 00:06:12
7 Mazurka op. 19 Nr. 4 00:06:29
8 Valse-Impromptu op. 29 Nr. 2 00:02:30
9 Mazurka op. 17 Nr. 3 00:05:31
10 Mazurka op. 21 Nr. 5 00:07:24
11 Valse-Impromptu op. 70 Nr. 3 00:05:55
12 Mazurka op. 31 Nr. 7 00:08:25
13 Mazurka op. 36 Nr. 8 00:04:55

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Florian Noack Klavier
 
38 132;4260052381328

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