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CD-Besprechung

François André Philidor L'art de la modulation • Six Quatuors

François André Philidor<br />L’art de la modulation • Six Quatuors

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 18.06.13

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cpo 777 439-2

1 CD • 57min • 2007

François-André Danican Philidor (1726-1795) gehört der französischen Musikerdynastie der Philidor an. Ursprünglich aus Schottland nach Frankreich eingewandert, wurde zunächst ihr Familienname Duncan in Danican (oder das adligere d'Anican) französisiert. Für den Zusatz Philidor gibt es zwei mögliche Erklärungen: Die erste leitet ihn aus dem irischen file (Plural: filid) ab, einer Seher- und Dichterklasse innerhalb der keltischen Priesterschaft der Druiden; die zweite knüpft sich an einen Bericht des Musikhistorikers Laborde, dem zufolge Ludwig XIII. vom Oboenspiel Michel Danicans (ca. 1580 bis ca. 1651) so begeistert war, dass er ihn mit einem seinerzeit berühmten italienischen Oboisten verglich: „Ich habe einen zweiten Filidori gefunden!".

Philidors Vater, André Danican Philidor (1652-1730) und in Frankreich Philidor l'Aîné (der Ältere) genannt, war Musiker in der Grande Écurie du Roi, seine Bedeutung in der Musikgeschichte beruht aber vor allem auf seiner Stellung als königlicher Musikbibliothekar, die er seit 1702 bekleidete: Seiner leidenschaftlichen Archivarstätigkeit verdankt ein Großteil der französischen Musik des 17. Jahrhunderts ihre Überlieferung bis auf den heutigen Tag. Weiteren Ruhm für die Dynastie Philidor konnte Anne Danican Philidor (1681-1728), François-Andrés Halbbruder, als Gründer der für die Musikgeschichte wegweisenden öffentlichen Konzertreihe der Concerts spirituels ernten.

François-André Danican Philidor ist durch sein Buch L'analyse du jeu d'échecs (Die Analyse des Schachspiels) von 1749 vielleicht unter den Schachspielern noch berühmter geworden als in der Musik – ihm verdanken die Philidor-Verteidigung ebenso wie die Philidor-Stellung als eine der grundlegenden Stellungen des Turmendspiels ihre Namen.

Seine hier eingespielten sechs Quartette, die 1755 unter dem Titel L'art de la modulation erschienen, stehen in der Tradition von Telemanns Pariser Quartetten, deren erste der deutsche Meister 1730 komponierte, selbst den Stich der Druckplatten vornahm und sich bald über einen vorzüglichen Nachdruck durch den Pariser Verleger Le Clerc freuen konnte (daher bezog die Serie ihren Namen). Bei seiner Reise nach Paris 1737/38 kamen noch neue Quartette hinzu, die gleich ihren Vorgängern bei den Musikfreunden in der französischen Hauptstadt begeisterte Aufnahme fanden; Telemann erinnert sich in seiner Autobiographie von 1739 mit dankbarem Vergnügen daran. Diese Nouveaux Quatuors wirkten stilbildend für eine ganze Reihe kammermusikalischer Kompositionen in Frankreich. So auch auf diese Reihe von Philidor, übrigens dem einzigen im Druck erschienenen Werk des Komponisten, wie der vorzügliche Text von Karl Kaiser, Traversflötist im Ensemble Camerata Köln, im Beiheft informiert. Im Unterschied zu Telemann in den Nouveaux Quatuors beschränkt sich Philidor auf eine generelle Dreisätzigkeit, bietet allerdings innerhalb der einzelnen Stücke reichlich Abwechslung zwischen Elementen der Sonate und suitenhaften Tanzsätzen, so dass der Eindruck eines mit ausgesprochener Eleganz beherrschten Stils der goûts rénuis entsteht.

Karl Kaiser an der Traversflöte wechselt sich in der Besetzung der Bläserstimme mit dem Oboisten Hans-Peter Westermann ab, des weiteren wirken mit die Geigerinnen Ingeborg Scherer und Verena Schoneweg, Julie Borsodi am Cello, Sabine Bauer ist die Cembalistin: Die Camerata Köln besticht in dieser Besetzung mit makellosem Zusammenspiel, die geistvolle Eleganz dieser Musik kommt ebenso hervorragend zur Geltung wie die reizvoll ausgespielten modulatorischen Kniffe der Komposition, die doch nie die Ebene des guten Geschmacks verlassen, um mit gänzlich Unerwartetem zu provozieren. So hält es auch die Camerata Köln, die sich von Übertreibungen und schrillen Tönen zur virtuosen Selbstdarstellung erfreulich fernhält und dem Hörer somit eine rundum erfreuliche Neuentdeckung der Musik aus der Epoche Ludwigs XV. präsentiert.

Detmar Huchting [18.06.2013]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F.-A. Philidor Quartett Nr. 1 g-Moll für Flöte, 2 Violinen und B.c. 00:06:55
4 Quartett Nr. 2 F-Dur für Oboe, 2 Violinen und B.c. 00:09:15
7 Quartett Nr. 3 G-Dur für Flöte, 2 Violinen und B.c. 00:10:17
10 Quartett Nr. 4 B-Dur für Oboe, 2 Violinen und B.c. 00:09:28
13 Quartett Nr. 5 C-Dur für Flöte, 2 Violinen und B.c. 00:10:29
16 Quartett Nr. 6 D-Dur für Flöte, 2 Violinen und B.c. 00:10:02

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Camerata Köln Ensemble
 
777 439-2;0761203743926

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