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CD-Besprechung

Ondine ODE 1212-2

1 CD • 62min • 2012

18.03.2013

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Mit dem Brustton der tiefsten Überzeugung verkündet der finnisch-englische Einführungstext, dass Leevi Madetoja (1887-1947) in seinen drei Sinfonien den Weg seines Lehrers Jean Sibelius vermieden und sich auch ansonsten auf eigene Bereiche besonnen habe, wofür die beiden Opern Pohjolaisia („Die Ostbottnier") und Juha deutlichste Zeugnisse ablegten. Dem bewundernswerten Glauben des Dichters stehen hier freilich drei Werke gegenüber, die das genaue Gegenteil seiner apodiktischen Einleitung belegen: von der frühen, im übrigen wunderschönen Elegie op. 4 Nr. 1, in der subkutan die Valse Triste mitschwingt, über die packende Dichtung Kullervo op. 15 bis zu der mächtigen und eindrucksvollen zweiten Sinfonie op. 35 aus der unmittelbaren Zeit nach dem finnischen Bürgerkrieg sind wir immer wieder gehalten, uns – ganz à la Brahms – respektvoll zu erheben, um die guten Bekannten zu grüßen, die uns da sichtbarlich entgegenkommen. Mal sind es harmonische Wendungen des „Alten", mal ganze Motive und Motivbehandlungen, dann wieder steigernde Aufbauarbeiten, die das mächtige Genie aus Järvenpää, auf welchen geistigen oder praktischen Kanälen auch immer, seinem Schüler weiterreichte – nichts, woran wir uns stoßen, das wir andererseits aber auch ganz einfach nicht überhören sollten. Gerade dieses vertraute Vokabular und nicht dessen Leugnung läßt die „Eigen-Heiten" Madetojas plastischer hervortreten, seine ausgeprägte lyrische Ader (man muß nur mal den Orchesterliederzyklus Syksy oder ein bißchen was aus den oben genannten Opern hören!), seine filigrane Rhythmik und die insgesamt individuelle Instrumentationsweise. Wo ihm die urtümliche, fast wäre ich versucht zu sagen: schamanische Verwurzelung mit dem Universum fehlt, da findet Madetoja eine delikatere Diktion, die sich zwar erst nach und nach einprägt, die man aber nach einer Weile nicht wird missen mögen – vor allem nicht, wenn sie auf eine derart geschmackvolle und nachdrückliche Art verwirklicht wird wie in dieser Produktion, die ebenso beredt wie wohlklingend für eine eingehendere Beschäftigung mit Leevi Madetoja plädiert. Wie das freilich rechtfertigt, dass die brandneue Scheibe schon auf Youtube ihr Wesen treibt, will mir nicht recht einleuchten ...

Rasmus van Rijn [18.03.2013]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Leevi Madetoja
1Kullervo op. 15 (Sinfonische Dichtung, 1913) 00:14:13
2Sinfonie Nr. 2 op. 35 00:41:33
6Symphonic Suite op. 4 00:05:53

Interpreten der Einspielung

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