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CD-Besprechung

Troubadisc TRO-CD 01442

1 CD • 69min • 1990, 1984, 1986, 2011

27.08.2012

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Außer der dreimaligen Teilnahme an den Darmstädter Ferienkursen und einem Besuch des Festivals im französischen Royan in den 1970er Jahren sowie einem Mannheimer Arbeitsstipendium 1989/90 konnte Myriam Marbe im Westen kaum präsent sein; mit dem kommunistischen Regime in Rumänien hat sie sich nie arrangiert, die politische Wende dort nach 1990 kam für sie, die 1997 starb, zu spät, um im Westen noch bekannter zu werden. Das ist sehr bedauerlich, weil das Komponieren der 1931 geborenen Rumänin als ein kraftvolles Beispiel des Nachserialismus überaus interessant ist. Dieses sehr sorgfältig produzierte und vorbildlich kommentierte Portrait verbessert die Rezeptions-Situation jedoch erheblich.

Zwar arbeitete Marbe mit freien Notationsformen und genau vorgeschriebenen improvisatorischen Passagen, welche sich von der serialistischen Determination verabschiedeten, doch die vier hier versammelten Werke vermitteln eher den Eindruck von formaler Logik, wenn nicht Strenge. Im Ritual von 1968 erwächst die gesamte Form mit ihren Gesängen, Rezitationen, Gebeten und instrumentalen Ausbrüchen aus den anfänglichen elementaren Ausdrucksformen des Heulens und Klagens. 20 Jahre später benutzte Marbe diese sehr expressiven und mittlerweile weiterentwickelten und verfeinerten Techniken in ihrem gut halbstündigen Requiem (1990), in welchem ihre meditative Kunst der Konzentration meisterlich ausgeführt ist.

Während das gewollt spröde Stück Trommelbass von 1985 mit seinem kritischen Marschschritt vielleicht am ehesten die prekären Lebensumstände der Komponistin widerspiegeln könnte, gibt sich die Serenata mit dem Untertitel „Eine kleine Sonnenmusik“ von 1974 am zugänglichsten. Dies ist ein reizvoll helles Stück, eine Art Insektenkonzert in flimmernder Luft, so dass die Mozart-Zitate aus der Kleinen Nachtmusik und der Zauberflöte nicht als Beschwörungen einer besseren Welt wirken, sondern als heitere Ereignisse. Vielleicht könnte man Marbes Werk ausgehend von diesem Stück in den Konzertprogrammen verankern. Da die Interpretationen sowohl den Ernst des Komponierens erfahrbar machen als auch die quasi heilige Freude am gemeinsamen freien Musizieren, kann diese Platte als ein Einstieg in Marbes Werk nur wärmstens empfohlen werden.

Dr. Michael B. Weiß [27.08.2012]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Myriam Marbe
1Ritual für den Durst der Erde 00:10:12
2Serenata (Eine kleine Sonnenmusik) 00:10:04
3Trommelbass 00:11:44
4Requiem (Fra Angelico - Marc Chagall - Voronet) 00:36:02

Interpreten der Einspielung

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