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CD-Besprechung

Enjott Schneider
Sacred Music Vol. 7

Enjott Schneider<br />Sacred Music Vol. 7

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 13.08.12

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Ambiente ACD 3016

1 CD • 71min • 2011, 2012

Kompositionen für Film und Fernsehen genießen heute weitaus breitere Aufmerksamkeit als die Klassische Komposition. Während letztere in Expertenzirkel abgedrängt wurde, kann die Filmmusik Produktionen hervorbringen, die nicht selten für einen internationalen Markt dimensioniert sind. Diesen Glanz erkauft sie jedoch durch massiv eingeschränkte Freiheiten: Filmkomponisten dürfen sich nicht zu schade sein, sich den Wünschen eines Regisseurs unterzuordnen und müssen nicht selten einfach Stilkopien abliefern.

Da überrascht nicht, dass Norbert J. Schneider, der sich den Vornamen „Enjott“ gegeben hat, das Werkverzeichnis in seiner Biographie mit den Opern und Oratorien beginnt und die über 600 Filmmusiken erst später nennt. Freilich können die beiden hier eingespielten Stücke nicht verleugnen, dass Schneider, Professor für Filmkomposition in München, auch als Komponist von E-Musik primär funktional denkt und schreibt. Weder das ausgreifende Requiem noch die 9. Orgelsonate sind absolute Musik. Das liegt daran, dass das verwendete Material fast ausschließlich aus Topoi besteht, dass man also jedes Ereignis schon einmal gehört zu haben glaubt, ohne dass etwa selbstreflexiv gerade mit der Toposhaftigkeit gespielt würde. Die Sätze der Orgelsonate, konventionell viersätzig angelegt, wirken in weiten Teilen wie improvisiert, wobei unverständlich bleibt, warum Schneider so ausgiebig mit Sequenztechniken arbeitet, anstatt die quasi rhapsodische Freiheit auszukosten.

Auch das Requiem für Countertenor und Orgel „Im Namen der Rose“ zielt auf erfolgreiche Vorgänger, hat aber weder mit dem Buch von Eco noch mit dem Film von Annaud etwas zu tun. Vielmehr hat Schneider selbst Texte zusammengestellt, darunter historische Dokumente über kirchliche Foltertechniken und Hexenverfolgungen. Der Gesang – der Countertenor Valer Barna-Sabadus singt wirklich berückend schön - ist hierbei über weiteste Strecken hin rezitativisch gehalten, wobei die Orgel auch in den homophon gehaltenen Zwischenspielen selten über eine Begleitfunktion hinauskommt. Die zum Teil drastischen historischen Schilderungen kirchlicher Mißhandlungen werden nur atmosphärisch hinterlegt, nicht etwa durch eine eigene musikalische Sprache kommentiert. In der Nr. 11 ertönen rhythmische Klopfgeräusche, wenn die Bestrafung des Zungennagelns erläutert wird – doch die Wirkung des Textes verpufft durch die akustische Verdopplung. Das erste Interludium (Nr. 5) ist ein gutes Beispiel für eine Filmmusik: Das Minimalistische ist noch einmal minimalisiert, doch nicht so, dass es einen extremen Reiz hätte, sondern so, dass es für ein maximal breites Publikum noch komsumabel ist. Dassauch der Tristan-Akkord zitiert wird – längst selbst ein Klischee der Zitattechnik –, wirkt da nur folgerichtig. Das Ereignis dieser Produktion ist der fabelhafte Sänger, Valer Barna-Sabadus.

Dr. Michael B. Weiß [13.08.2012]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 N.J. Schneider Requiem für Countertenor und Orgel (Im Namen der Rose, Dem Countertenor Valer Barna-Sabadus herzlich gewidmet) 00:40:57
21 Orgelsinfonie Nr. 9 (Pathétique) 00:29:50

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Valer Barna-Sabadus Countertenor
Johannes Skudlik Orgel
 
ACD 3016;4029897030163

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