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CD-Besprechung

D. Schostakowitsch

cpo 1 CD 777 750-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 06.07.12

cpo 777 750-2

1 CD • 70min • 2010

Ich erinnere mich an üble Zeiten der westlichen Schostakowitsch-Schelte. Die Grundzüge damaliger Vorwürfe sind den etwas älteren Musikfreunden reichlich bekannt. Die Situation hat sich zum Glück längst beruhigt – ein großer Teil des Gesamtwerkes liegt inzwischen in vielfacher LP- und CD-Ausfertigung vor. Begeistert interpretiert und andächtig hörend verfolgt, diskutiert auf einem Niveau, das Schostakowitsch in all seiner Kraft und Verletzlichkeit schon zu Lebzeiten verdient gehabt hätte. Als besonders minderwertig wurde in den 60er und 70er Jahren das Klavierkonzert op. 102 zurückgewiesen. Dessen Andante-Mittelsatz galt als ein verdächtiges Beispiel rückwärts gewandter Ästhetik, es wurde gerne als russischer, seicht-gefühliger Hollywood-Ableger eingestuft. Immerhin hat sich Leonard Bernstein in seiner für mein Empfinden immer noch unerreichten CBS-Einspielung für das Werk eingesetzt – mit André Previn als Interpreten des Opus 35 auf der Rück- bzw. Vorderseite der damaligen LP-Erstausgabe.

Im Kreis der zum Vergleich ausgewählten Einspielungen kann sich diese cpo-Produktion ohne jeden Verdacht auf biographische oder auch geographische Bevorzugung behaupten. Ich kann mich erinnern, dass der heutige Chefdirigent der tüchtigen, elegant, aber auch nervig zupackenden Neusser Kammerakademie, Lavard Skou-Larsen, in jungen Tagen im selben Salzburger Haus wie der MDG-Hauspianist Claudius Tanski gewohnt hat…

Das unauffällige, sentimental fein dosierte Spiel der 1978 im russischen Brjansk geborenen Valentina Igoshina ist mir aus Tony Palmers Filmdokumentation Chopins Geheimnis (1999) vertraut, auch wenn die von der Regie her etwas larmoyant angelegten Einblendungen wenig über Igoshinas tatsächliche Möglichkeiten in größerem Werkzusammenhang verraten. Hier nun präsentiert sich eine Pianistin mit Kraft und Ausdauer, aber auch mit Sinn für Pikanterie und für kunstvolle Vulgarität, wie sie im Zusammenspiel mit einem Trompeter und einem bisweilen zirzensisch auftretenden Orchester erwünscht sind. Das immer wieder im Tempo und im Bereich des instrumentalen Übermuts „anziehende" Finale von op. 35 wird in manchen Einspielungen (Kissin, Bronfman etwa) waghalsiger, gewissermaßen hyperfiebrig angelegt und schließlich zum Kochen gebracht. Aber was hier Valentina Igoshina bietet, genügt hohen Ansprüchen seitens eines Hörers, der sich verantwortungsvoll unterhalten wissen möchte.

Der editorische Wert dieser Veröffentlichung wird durch die Einbeziehung von Schostakowitschs selten zu hörender Hamlet-Musik erhöht. Hier und etwa in den pastellenen, zumindest feineren Farbwirkungen dieser Musik und auch der beiden Konzerte zeigt sich die Kammerakademie im Gelösten wie unter auskomponiertem Zeitdruck als ein Ensemble mit guter Grundeinstellung und mit jener Portion an Begeisterungsfähigkeit, ohne die vor allem die buntscheckigen Konzerte nicht Sinn gebend zu bewältigen sind.

Vergleichsaufnahmen: Ortiz – P. Berglund (EMI CDS 7 47790 8), P. Gulda – Fedoseyev ( Gramola 98928); D. Schostakowitsch jun. – M. Schostakowitsch (Chandos 8357), Argerich – Faerber (DG 442 8218), Bronfman – Salonen (Sony SK 60677), Hamelin – Litton (Hyperion SACD A 67425), Uhlig – Starek (Hänssler 93.113); Nr. 1: Previn – Bernstein (Great Pianists Philips 456 934-2), Andsnes – P. Järvi (EMI 574789 2), Kissin – Spiwakow (Ariola 258 317-231); Nr. 2: List – Desarzens (MCA MCD 80107), Schstakowitsch – Cluytens (EMI 573177 2), Rudy – Jansons (EMI 556591 2), Bernstein (CBS 60504).

Peter Cossé [06.07.2012]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 D. Schostakowitsch Konzert c-Moll op. 35 für Klavier, Trompete und Streichorchester 00:23:19
5 Suite op. 32a (aus der Bühnenmusik Hamlet) 00:24:19
18 Konzert Nr. 2 F-Dur op. 102 für Klavier und Orchester 00:22:31

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Valentina Igoshina Klavier
Thomas Hammes Trompete
Deutsche Kammerakademie Neuss Orchester
Lavard Skou-Larsen Dirigent
 
777 750-2;0761203775026

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