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CD-Besprechung

Ludwig van Beethoven

The Complete Symphonies

Ludwig van Beethoven

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 21.06.12

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SWRmusic 93.285

5 CD • 6h 04min • 1997-2000

Nun ist sie auch im CD-Katalog angekommen, Michael Gielens schon auf Video-DVD verbreitete Version der „Neuner-Serie“ – wenn auch mit einiger Verspätung, denn die Aufnahmen des Südwestrundfunks entstanden bereits in den Jahren 1997 bis 2000 und wurden für diese Produktion digital bearbeitet und teilweise neu geschnitten. Während seiner Amtszeit als Generalmusikdirektor in Frankfurt (1977-1987) und als Chefdirigent des SWF Sinfonieorchesters (1986-1999) war der Avantgarde-Spezialist Gielen sehr bemüht, sich zum Beethoven-Papst hochzustilisieren. Seine schulmeisterhaften Auftritte mit dem Metronom in der Hand vor Orchester, Publikum und Kameras sind noch in unguter Erinnerung.

Seitdem sind – ergänzend zu den Klassikern der Diskographie und einer Reihe von historisierenden Einspielungen – verschiedene Einzel- und Gesamtaufnahmen erschienen (etwa von Paavo Järvi oder Riccardo Chailly), die sich mit dem Sinfonien-Zyklus auf ernsthafte Weise auseinandersetzen und überzeugend den Stand der aktuellen Beethoven-Diskussion widerspiegeln. Dagegen wirken Gielens Einspielungen wie ein angestrengter, etwas verkrampfter Versuch, gegen den Popanz der verschleppten Tempi und falschen Bedeutungsschwere zu Felde zu ziehen, der so schon lange nicht mehr existiert. Gielens Pastorale könnte man getrost „Erwachen hektischer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande“ überschreiben, und auch der Kopfsatz der Fünften lässt schmerzlich erfahren, was passiert, wenn statt eines wachen Ohrs und Strukturbewusstseins das Metronom in der Hand regiert. Da wird ein diffuses Gefühl von Dramatik vermittelt, doch die sich jagenden Auftakte, die den Satz konstituieren, werden keineswegs genügend durchsichtig gemacht. Im Kopfsatz der Eroica verlieren die synkopischen Sforzati bei der hastigen Gangart ihre widerborstige Kraft, der Trauermarsch (Adagio assai!) zieht als rüstiges Andante vorbei. Phrasierung der Intervalle und Strukturierung des Orchesterklangs sind Gielens Sache nicht – das gibt seiner Lesart etwas unverbindliches, oft mechanisches, das kaum über ein korrektes Abliefern der Noten hinausgeht.

Den Verbrüderungs-Hymnus der Neunten pflegte Gielen (wie es sich für einen professionellen Bürgerschreck gehört) mit Schönbergs Überlebendem aus Warschau zu konfrontieren – eine Idee, die freilich nicht von ihm, sondern vom Kollegen Erich Leinsdorf stammte. Für sich genommen bietet seine Wiedergabe der Neunten nichts, was aufhorchen lässt. Der robuste Zugriff, der kaum einen Lautstärkegrad unter Mezzoforte kennt, lässt weder das Abgründige des Kopfsatzes noch die metaphysische Dimension des Adagios zum Tragen kommen. Die Tempo-Relation zwischen Scherzo (Molto vivace) und Trio (Presto), deren formbildende Funktion Sergiu Celibidache 1989 in einem scharfsinnigen Artikel analysiert und in der Aufführung vor Ohren geführt hat, wird von Gielen einer unsäglichen Tradition folgend pervertiert. Hier hätte Michael Gielen ruhig auch einmal selber – wie er es auch von anderen forderte – für die Kunst „das Gehirn bemühen“ dürfen... Das Instrumental-Rezitativ am Beginn des Finales steht ohne jede Beziehung zum späteren gesungenen Pendant, doch dann entwickelt sich der Satz sehr ansprechend – vor allem dank des vorzüglichen Chores und der respektablen Solisten-Quadriga, aus der besonders der Bass Hanno Müller-Brachmann und die Altistin Yvonne Naef hervorzuheben sind. Ein versöhnliches Ende einer Produktion von zweifelhafter Notwendigkeit.

Sixtus König † [21.06.2012]

Komponisten und Werke der Einspielung

CD 1
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L.v. Beethoven Sinfonie Nr. 1 C-Dur op. 21 00:24:45
5 Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 (Eroica) 00:44:35
CD 2
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36 00:31:52
5 Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92 00:40:35
CD 3
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60 (1806) 00:32:23
5 Sinfonie Nr. 8 F-Dur op. 93 (1811/1812) 00:24:32
CD 4
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67 00:31:08
5 Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 für Orchester (Pastorale) 00:42:30
CD 5
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125 (mit Schlußchor über Verse aus Schillers "Ode an die Freude") 01:04:35

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Renate Behle Sopran
Yvonne Naef Mezzosopran
Glenn Winslade Tenor
Hanno Müller-Brachmann Bariton
Rundfunkchor Berlin Chor
SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg Orchester
Michael Gielen Dirigent
 
93.285;4010276025078

Bezug über Direktlink

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