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CD-Besprechung

A. Schnittke

SWRmusic 1 CD/SACD stereo/surround 93.281

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 19.04.12

Klassik Heute
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SWRmusic 93.281

1 CD/SACD stereo/surround • 55min • 2011

Der unbestreitbare Erfolg Alfred Schnittkes (1934–1998), den er besonders in seiner letzten Lebenshälfte erleben konnte, gründet sich nicht etwa nur auf einem einzigen Hit (das wäre dann das Concerto grosso Nr. 1 von 1977), sondern auf seiner stets inspirierten und klugen Auseinandersetzung mit Tradition und Musikgeschichte. Wie meist bei solchen Erfolgsgeschichten ist das stets begleitende Etikett, für Schnittke ist dies „Polystilistik“, hierbei leicht mißverständlich bis grob irreführend, weil Schnittke nicht etwa Stile collagiert hat, sondern vielmehr sein eigenes Komponieren an der Musikgeschichte verglichen und, wenn nötig, gebrochen hat.

Dass sich dieses Komponieren aus einem akuten Gehör speiste, zeigt exemplarisch eines der späten großen Werke, der Zyklus von zwölf Bußversen für gemischten Chor von 1988. Schnittke tat in diesem fünfzigminütigen Stück das Großzügigste, was ein zumal moderner Komponist tun kann: Er gab seine Originalitätssucht ab und richtete die Sammlung an großen vorangegangenen Chormusikzyklen russischer Komponisten, etwa Tschaikowsky und Rachmaninow, aus. So können Schnittkes Bußpsalmen durchaus mit diesen Spitzenwerken, den Vespern und Liturgien, zusammen bestehen. Schnittke schreibt durchaus immer komplex, doch in breit strömenden Linien und und mit langem Atem, also genuin für Chor; moderne Effekte wie monumentale Akkordentwicklungen, die auch die Extrembereiche der Stimmen nutzen, sehr genau ausgehörte Clusterverbindungen oder Glissandi, setzt er sparsam und somit um so effektiver ein. Der Zielpunkt dieser zeitgemäßen und sehr lohnenden musica sacra ist das mit geschlossenem Mund gesungene, neunminütige Finale, eine beeindruckende Demonstration eines reichen musikalischen Denkens. Die Aufnahme des SWR-Vokalensembles Stuttgart unter Marcus Creed ist schlichtweg perfekt zu nennen. Creed tut gut daran, die Psalmen in halliger Akustik feierlich und in breiter Zeitentfaltung intonieren zu lassen; der Klang ist transparent, ohne dass Analytik auf die Atmosphärik gehen würde. Das Ensemble kann in einer überschaubaren, quasi solistischen Besetzungsstärke einen echten, ausgeglichenen Chorklang produzieren, erscheint jedoch in jeder Sekunde noch individuell, so dass man noch Menschen, nicht eine Masse singen hört. Das dürfte durchaus im Sinne Schnittkes gewesen sein, weshalb diese Produktion wärmstens empfohlen sei.

Dr. Michael B. Weiß [19.04.2012]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Schnittke Adam saß vor dem Paradies und weinte (aus: Zwölf Bußverse für gemischten Chor) 00:02:53
2 Es nimmt mich die Wüste auf wie die Mutter ihr Kind (aus: Zwölf Bußverse für gemischten Chor) 00:04:13
3 Weshalb lebe ich in Armut (aus: Zwölf Bußverse für gemischten Chor) 00:03:09
4 Meine Seele, warum befindest du dich in Sünden (aus: Zwölf Bußverse für gemischten Chor) 00:02:19
5 O Mensch - verdammt und armselig (aus: Zwölf Bußverse für gemischten Chor) 00:03:00
6 Als sie sahen das Schiff (aus: Zwölf Bußverse für gemischten Chor) 00:02:12
7 O meine Seele, warum hast du keine Angst (aus: Zwölf Bußverse für gemischten Chor) 00:06:07
8 Wenn du die Zeitlosigkeit der Trauer überwinden willst (aus: Zwölf Bußverse für gemischten Chor) 00:01:54
9 Über mein Leben als das eines Geistlichen habe ich nachgedacht (aus: Zwölf Bußverse für gemischten Chor) 00:07:57
10 Sammelt euch, ihr christlichen Menschen! (aus: Zwölf Bußverse für gemischten Chor) 00:03:19
11 Ich bin in dieses elende Leben gekommen (aus: Zwölf Bußverse für gemischten Chor) 00:03:55
12 (Mit geschlossenem Mund - aus: Zwölf Bußverse für gemischten Chor) 00:08:59
13 Stimmen der Natur 00:04:38

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
SWR Vokalensemble Stuttgart Chor
Marcus Creed Dirigent
Jochen Schorer Vibraphon
 
93.281;4010276024897

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