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CD-Besprechung

Joseph Haydn Complete Symphonies Vol. 16

Joseph Haydn<br />Complete Symphonies Vol. 16

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Besprechung: 16.03.12

hänssler CLASSIC 98.629

1 CD • 62min • 2010, 2011

Die Sinfonien Nr. 90 und 92 stehen zwischen der Gruppe der „Pariser Sinfonien" und den „Londoner Sinfonien". Sie entstanden 1788/89 und zeigen Haydn auf dem Gipfel seiner Meisterschaft. Voll Witz und Einfallsreichtum spielt er mit der tradierten Form und der Erwartungshaltung des Hörers. Mit falschen Schlüssen, auskomponierten „Schmissen", Generalpausen (im Finale der C-Dur-Sinfonie vier Takte lang !) und unerwarteten harmonischen Wendungen sorgt er allenthalben für Überraschung und führt sein Publikum an der Nase herum. Haydn nahm die G-Dur-Sinfonie 1791 mit auf seine Reise nach England, wo sie in London mit großem Erfolg gespielt wurde und auch in Oxford anlässlich der Ernennung Haydns zum Ehrendoktor der Universität aufgeführt worden sein soll, woher der Name „Oxford-Sinfonie" stammt.

Der Heidelberger Dirigent Thomas Fey ist angetreten, um – nach eigenen Worten – „Papa Haydn den Zopf abzuschneiden, den ihm das 19. und 20. Jahrhundert haben wachsen lassen", was ihm bereits einige Preise und Lobeshymnen seitens avantgardistisch ambitionierter Journalisten eingetragen hat. Dabei wird übersehen, dass der Zopf längst nicht mehr dort hängt, wo Herr Fey ihn vermutet. Schon vor mehr als fünfzig Jahren haben Dirigenten wie George Szell oder Hans Rosbaud an Stelle des alten betulichen Haydn-Bilds einen schlanken, beweglichen Klang und strukturbewusstes Musizieren gesetzt. Seitdem haben verschiedene Dirigenten dem Haydn'schen Genius nachgespürt und überzeugende moderne Wiedergaben vorgelegt.

Fey hat dem Komponisten nun einen militärischen Kurzhaarschnitt verpasst, dem nahezu jeder Ausdruck unterhalb der Forte-Grenze zum Opfer gefallen ist (zumal die Streicher in historisierender Manier mit Vibrato geizen). Zweck des Musizierens scheinen in erster Linie die martialischen Attacken zu sein – der Rest wird zur blassen Pflichtübung, was besonders bei den Adagio-Sätzen schmerzt. Manchmal scheint es auch, als habe Fey nur einen Stahlhelm über die Perücke gestülpt: Da schleichen sich durch die Hintertür unversehens wieder abgelegte Gewohnheiten ein wie unvermitteltes Vorwärtseilen, sentimentale Ritardandi oder Tempo-verlangsamung beim Menuet-Trio. Dem Orchester gebührt Lob für sein akkurates Spiel auch unter verschärften Tempobedingungen, den in diesen Sinfonien vielbeschäftigten Holzbläsern darüber hinaus für einige reizvolle Verzierungen. Die kalbfellenen Pauken klingen gut, doch ihr freizügig ausufernder Einsatz geht schnell auf die Nerven. Haydn nur als einen „Kontrast-Musiker" der knalligen Effekte zu verstehen, greift denn doch etwas zu kurz.

Sixtus König † [16.03.2012]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Haydn Sinfonie Nr. 90 C-Dur Hob. I:90 00:31:15
5 Sinfonie Nr. 92 G-Dur Hob. I:92 (Oxford) 00:30:11

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Heidelberger Sinfoniker Orchester
Thomas Fey Dirigent
 
98.629;4010276024491

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