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CD-Besprechung

OehmsClassics OC 798

1 CD • 66min • 2010

28.11.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 6
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Vielleicht lag es an der zu großen Strahlkraft seiner Zeitgenossen, dass sich Gabriel Fauré jenseits seines Heimatlandes nicht als Komponist der allerersten Liga durchsetzen konnte. Faurés Schaffen steht aus heutiger Sicht irgendwie immer außen vor: es läßt sich weder mit der damaligen französischen Begeisterung für Richard Wagner in Bezug bringen noch mit der völlig neuartigen Tonsprache von Claude Debussy und Faurés ehemaligem Studenten Maurice Ravel. Dabei steht Faurés Kunstfertigkeit derjenigen seiner Kollegen keineswegs nach. Der einzige Grund für seinen Platz in der zweiten Reihe scheint eine Vorliebe für formale und dramatische Unaufdringlichkeit zu sein, die nicht die große Geste sucht. Seine Stärke liegt dafür im hochverfeinerten Auffächern der musikalischen Schichten und einem präzisen Arbeiten mit diesen vielen Ebenen - zu Recht werden in diesem Zusammenhang gerne Paul Landormys Worte zitiert, dass Fauré die verborgensten Bereiche der französischen Psyche zum Klingen gebracht hat.

Obwohl ein Leben lang als Organist tätig, schrieb Fauré eine Vielzahl an Klavierwerken, aus denen der umtriebige Pianist Anthony Spiri hier eine interessante Auswahl getroffen hat. Die Abwesenheit von Faurés wohl bekanntesten Klavierschöpfungen, den Nocturnes, muß man dabei nicht bedauern, schließt man doch dafür Bekanntschaft mit Kompositionen voller Esprit und Klarheit wie den charmanten Romances sans Paroles, den bekenntnishaften Préludes oder einigen der abwechslungsreichen Pièces brèves op.84. Spiri ist vor allem als Kammermusiker und Liedbegleiter tätig, als Solist ist er bekannt für eine Spezialisierung auf Musik verschiedenster Art und Zeit: etwa das Wirken der Bach-Söhne sowie Werke von Brahms' Kompositionslehrer Eduard Marxsen oder eben von Fauré und seinen Zeitgenossen. Im diesem Falle vermag das Ergebnis leider nicht völlig zu überzeugen, denn man vermißt hier jenes schweißlose, seidige Fließen eines Klavierklanges zwischen Eleganz und Mysteriösität. Bei Spiri klingt die bereits angesprochene Vielschichtigkeit oft eine Spur zu sehr nach Überlegung sowie einem gewissen manuellen Sicherheitsbedürfnis, denn er gestaltet viele Details des kontrapunktischen und rhythmischen Webens ziemlich eindeutig und zerreißt so immer wieder die zarten Fäden von Faurés kunstvoll errichtetem Spinnennetz des raffinierten Klangs. Davon ausgenommen sind allerdings die Werke der früheren Schaffensperiode: so öffnen sich die Blütenblätter der an Mendelssohn erinnernden Romances sans paroles in natürlicher Schönheit, und bei der leidenschaftlich-verschlungenen Ballade op.19 agiert Spiri mit bestechender Gestaltungskraft.

Die anderen Werke der Aufnahme schrieb Fauré als gereifter Meister, sie sind alle recht kurz und spielen auf raffinierte Weise mit ihrer scheinbaren Monochromie (man sieht, von wem Ravel sein Handwerk gelernt hat). Leider erfahren diese Miniaturen unter Spiris Händen nicht immer eine kongenial raffinierte klangliche Umsetzung, wodurch stellenweise ein gewisser Leerlauf entsteht. Auch scheint der allzu offen intonierte Flügel nicht optimal für diese Vielzahl in- und miteinander fließender Linien vorbereitet worden zu sein; noch dazu sind über Kopfhörer viele störende Nebengeräusche zu vernehmen. Insgesamt betrachtet hinterläßt diese CD den Gesamteindruck von angenehmer, sich innerhalb typisch spätromantischer Parameter bewegender Musik, was allerdings der kompositorischen Substanz nicht ganz gerecht werden dürfte.

Henri Ducard [28.11.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Gabriel Fauré
1Romance sans paroles As-Dur op. 17 Nr. 1 00:01:57
2Romance sans paroles a-Moll op. 17 Nr. 2 00:02:17
3Romance sans paroles As-Dur op. 17 Nr. 3 00:02:31
4Fuge a-Moll op. 84 Nr. 3 00:03:08
5Barcarolle Nr. 6 Es-Dur op. 70 00:03:44
6Pièce brève Es-Dur op. 84 Nr. 1 00:01:50
7Pièce brève cis-Moll op. 84 Nr. 5 00:01:51
8Pièce brève C-Dur op. 84 Nr. 7 00:01:40
9Prélude Des-Dur op. 103 Nr. 1 00:03:14
10Prélude cis-Moll op. 103 Nr. 2 00:02:23
11Prelude g-Moll op. 103 Nr. 3 00:04:08
12Prélude F-Dur op. 103 Nr. 4 00:01:14
13Prélude d-Moll op. 103 Nr. 5 00:02:30
14Prelude es-Moll op. 103 Nr. 6 00:02:19
15Prélude A-Dur op. 103 Nr. 7 00:03:09
16Prélude c-Moll op. 103 Nr. 8 00:01:14
17Prélude C-Dur op. 103 Nr. 9 00:02:28
18Barcarolle Nr. 12 Es-Dur op. 105 Nr. 2 00:03:51
19Barcarolle Nr. 13 C-Dur op. 116 00:04:19
20Ballade fis-Moll op. 19 00:14:09

Interpreten der Einspielung

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