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CD-Besprechung

Kirill Kondrashin conducts Gustav Mahler

Kirill Kondrashin conducts Gustav Mahler

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 5

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 16.09.11

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SWRmusic 94.217

1 CD • 68min • 1981

Gustav Mahlers Sechste in rekordverdächtigen 68 Minuten und 24 Sekunden – ideal für den modernen gemarterten Menschen, der zwischen zwei Terminen mal schnell den Kopf „frei kriegen" will, die CD für den emotionalen Überflieger, den geistigen Wasserskiläufer ...

Anfangs ist der „Affenzahn", mit dem Kirill Kondrashin im Januar 1981 das SWR-Sinfonieorchester durch diese kolossale (und doch so überaus klassische) Sinfonie treibt, nur mit Sicherheitsgurt auszuhalten. Zwar hat das großartige Werk genügend Elastizität, so dass es bei dieser Überbeanspruchung nicht zerbröselt, doch schon im ersten Satz (ohne Wiederholung der Exposition kommt man leicht auf 17'02) sind die Strapazen besonders in den Momenten der voralpinen Einsamkeit heftig: Unter Kondrashin werden die „Szenen mit Herdenglocken" zu kurzen Frühstückspausen für Pauschaltouristen, die hurtig bei der Zenzi ihren Almdudler zischen; das wuchtige Schicksalsthema klingt eher wie ein kurzer Stolperer über eine Baumwurzel, die leidenschaftliche Liebesmusik des Andante moderato wird allzu behende absolviert, und die das tut, wenn das Finale in eben mal 25 Minuten dahinjagt, mag sich jeder selbst vorstellen – oder besser auch nicht.

Wäre nicht im Booklet vermerkt, dass das Material dieser Veröffentlichung seinerzeit an drei aufeinanderfolgenden Tagen aufgenommen wurde, so läge der Verdacht nahe, der russische Stardirigent habe noch den Flieger oder den Nachtzug erwischen müssen und alles daran gesetzt, die Sache flott hinter sich zu bringen, denn die Hetze ist in der Tat kaum erträglich, und das umso weniger, als sie weder in die Tiefe der Substanz einzudringen vermag noch sonst irgendwelche merklichen Facetten lieferte, die man bislang vielleicht überhört hätte.

Dass ich mich dennoch scheue, aus der ironischen Abhandlung in einen völligen Verriß dieser Wiedergabe überzugehen, liegt an der Biographie des Dirigenten: Keine zwei Monate nach seinem Gastspiel beim SWR erlag er im Anschluß an ein Amsterdamer Konzert einer Herzattacke, und ich kann mir nicht helfen – die unsägliche Eile, mit der hier Gustav Mahlers „Tragische" über die Bühne gebracht wurde, könnte tatsäächlich so empfunden werden, als ob jemand unter einer stillen Vorahnung versucht hätte, die letzten offenen Enden seines Lebens zu verknüpfen (die sechste Sinfonie war, wie uns die Einführung erinnert, das einzige Werk, das in Kondrashins Melodija-Zyklus noch fehlte). Dass dabei allerdings Sensibilität und Sentiment auf der Strecke blieben, nimmt dem historischen Dokument trotz allem jedweden Vermächtnis-Charakter. Es ist und bleibt im besten Falle eine „problematische" Interpretation.

Rasmus van Rijn [16.09.2011]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Mahler Sinfonie Nr. 6 a-Moll (Tragische) 01:08:24

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg Orchester
Kyrill Kondrashin Dirigent
 
94.217;4010276023999

Bezug über Direktlink

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