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CD-Besprechung

Domine Deus

Chormusik des 20. und 21. Jahrhunderts

Rondeau ROP6039

1 CD • 62min • 2010, 2011

21.06.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Im 21. Jahrhundert darf man vielleicht schon mal problematisieren, warum immer noch Komponisten solche hergebrachten liturgischen Formulierungen wie „Domine Deus" oder „Vater unser" verwenden, wo doch heute selbst Theologen (und das seit fast 100 Jahren) die personale Gottesvorstellung für ein Produkt der Mythologie halten. Aber seriös betriebene theologische Wissenschaft und seelsorgerische Praxis klaffen halt manchmal um Lichtjahre auseinander ...

Nicht minder problematisch erscheint der Stil der hier mit dem „21. Jahrhundert" kokettierenden Werke: ausgerechnet die neuesten, nämlich die 2002 entstandene Missa Rigensis des Letten Uis Prauli (Jg. 1957) und das Vater unser (1999) des Serben Aleksandar Vuji (Jg. 1945) bewegen sich meist in einer gleichsam ahistorischen diatonischen Tonalität, als habe es die letzten hundert Jahre Musikentwicklung nicht gegeben. Von dieser neoreligiösen Gebrauchsmusik heben sich die das Grauen des Zweiten Weltkrieges expressiv verarbeitenden Wie liegt die Stadt so wüst von Rudolf Mauersberger und O Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens von Kurt Hessenberg wohltuend ab, Werke, die seitdem in der Chorbewegung sehr verbreitet waren und mit Recht häufig aufgeführt wurden. Dabei pflegt etwa Hessenberg, verglichen mit Chorwerken von Hindemith oder Bartók, ja selbst von Hugo Distler, einen eher konventionellen Stil; dass sein Werk durch sein kompositorisches Niveau trotzdem aus dem Programm dieser CD herausragt, spricht für sich.

Hans-Joachim Lustig hat seinen Kammerchor I Vocalisti ausgezeichnet einstudiert; die Textartikulation ist vorbildlich, verglichen mit unzähligen Choraufnahmen, wo man aus einem dumpfen Eintopf undefinierbarer Vokale kaum heraushören kann, in welcher Sprache eigentlich gesungen wird – das ist hier zum Glück nicht so, auch wenn die „Pflege der Konsonanten" noch weiter getrieben werden könnte. Die Intonationssicherheit ist gut, auch wenn ganz gelegentlich die Soprane in den Höhen leicht angestrengt wirken. Das Stimmenmaterial aber ist gut und entwicklungsfähig – vorwärts zu wirklich Neuer Musik!

Dr. Hartmut Lück [21.06.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ugis Praulinš
1Missa Rigensis 00:28:27
Rudolf Mauersberger
11Wie liegt die Stadt so wüst, Trauerhymnus nach den Klageliedern Jeremiae für gemischten Chor a cappella (1945) 00:06:48
György Deák-Bárdos
12Eli, Eli! 00:04:08
József Karai
13De profundis 00:05:55
Kurt Hessenberg
14O Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens op. 37 Nr. 1 00:12:11
Aleksandar Vujic
15Vaterunser 00:04:23

Interpreten der Einspielung

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