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CD-Besprechung

J. Rheinberger • J. Hanselmann

M&S 1 CD 5065/2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 05.08.11

M&S 5065/2

1 CD • 66min • 2010

Der aus Liechtenstein stammende Pianist Jürg Hanselmann ist ein Mann mit vielen Interessen. So widmet er sich etwa mit liebevoller Ausführlichkeit dem Schaffen Joseph Rheinbergers: nach der Einspielung des kompletten Solowerks hat er nun das Klavierkonzert in Es-Dur, dessen Orchesterpart der Komponist nur skizzierte, fertig gestellt und gemeinsam mit dem Sinfonieorchester Liechtenstein unter William Maxfield eingespielt. Hanselmanns sich bereits über viele Jahre erstreckende diskographische Auseinandersetzung mit seinem spätromantischen Landsmann wurde auf „Klassik Heute" aufmerksam begleitet; ich nehme mir daher in Sachen Rheinberger einmal die Freiheit, auf diese (mit wenigen Mausklicks erreichbare) Rezensionen zu verweisen, denn auch in Bezug auf das Klavierkonzert gibt es nichts, was da nicht bereits gesagt worden wäre über das Qualitätsspektrum sowohl der Komposition als auch der Wiedergabe.

Ein breiteres Forum möchte ich Hanselmanns eigenen Stücken geben, allen voran dem 22minütigen Klavierkonzert für die linke Hand, in dem Hanselmann die Ressourcen des Orchesterapparats souverän ausnutzt und in einen einfallsreichen, vielschichtig konturierten Satz gießt. Der Solist überwindet spielend die scheinbare Beschränkung der Einhändigkeit: er darf glänzen, schmachten und triumphieren, tritt aber genauso als kammermusikalischer Sozius eines raffiniert instrumentierten Orchesters in Erscheinung. Hanselmanns Konzert durchlebt die Gefühlsskala von melancholischer Träumerei bis hin zu rauschhafter Hemmungslosigkeit und verleugnet dabei keineswegs den Einfluss großer Vorbilder wie Serge Rachmaninoff und John Williams. Ungeachtet dessen ist es dennoch ein ganz eigenständiges Meisterwerk, das eine kraftvolle, lebensbejahende Begeisterung ausstrahlt: Begeisterung für den Zauber von Klang und Farben, für gelungene Effekte, für große Gefühle, für ein grandioses Finale – für so vieles, das die menschliche Seele hin und wieder einfach braucht, was in der zeitgenössischen Hochkultur aber gerne übergangen wird. Dabei wäre es gerade einem Werk wie diesem gegeben, der klassischen Musik – und zwar in ihrer Ganzheit! – neue Interessierte, Freunde und Liebhaber zuzutragen.

Die Toccata für Klavier solo ist ein hervorragendes Konzertstück im Jazz-Stil, das in eine ähnliche Richtung geht wie das Schaffen von Nikolai Kapustin, vor dem es sich übrigens nicht verstecken muß. Die Drei Etüden erscheinen mir etwas unausgewogen: den „Quarten" und der „Äolsharfe" fehlt die entscheidende Prise an Substanz, dadurch können sie die Motorik des Passagenwerks nicht zum musikalischen Erlebnis transformieren – wobei diese Beobachtung allerdings auf 90 Prozent sämtlicher Etüdenliteratur zutrifft. Völlig ausgereift ist dagegen die poetische Cantique, auch sie wieder für die linke Hand allein.

Einen wichtigen Punkt gilt es noch in aller Diskretion anzusprechen: Jürg Hanselmann ist ein guter und vor allem sensibler Pianist, dem es überhaupt nicht um Selbstdarstellung geht, das spürt man ganz deutlich. Doch seine eigentliche Stärke ist wohl das Komponieren, denn die Klavierwerke auf dieser CD sind alle über die Maßen gelungen: künstlerisch anspruchsvoll, sehr differenziert ausgearbeitet, in sich absolut stimmig und noch dazu von hohem Unterhaltungswert. Diese hohe Qualität kann Hanselmann als Pianist aber nicht in all ihren Facetten umsetzen, dazu fehlt ihm ein gewisses Maß an Extrovertiertheit, Risikofreudigkeit sowie die letzte Stufe manueller Perfektion. Er befindet sich damit gleichwohl in bester Gesellschaft, denn es kommt sehr selten vor, dass der Komponist gleichzeitig der beste Interpret seiner eigenen Werke ist – nachzuhören etwa auf den Welte-Mignon-Einspielungen von Ravel, Debussy, selbst von Busoni. Wenn sich Jürg Hanselmann aber mit dem Gedanken anfreunden könnte, seine Stücke erstrangigen Interpreten anzuvertrauen, dann dürfte sich Großartiges ereignen.

Henri Ducard [05.08.2011]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Rheinberger Klavierkonzert Es-Dur WV 128 (Bearb. für Klavier und Orchester; instrumentiert nach dem Particell) 00:25:28
5 J. Hanselmann Klavierkonzert für die linke Hand 00:21:50
6 Toccata für Klavier (Amerikanische) 00:07:52
9 Drei Konzertetüden 00:10:18

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Jürg Hanselmann Klavier
Sinfonieorchester Liechtenstein Orchester
William Maxfield Dirigent
 
5065/2;0793573957375

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