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CD-Besprechung

Acousence Classics ACO-CD 10710

1 CD • 78min • 2010

17.02.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Eine Reihe von großen Orgelneubauten hat das Ruhrgebiet in den letzten Jahren zu verzeichnen – Konzerthaus Dortmund (Klais), Philharmonie Essen (Kuhn), Essen Dom (Rieger) und in der Duisburger Philharmonie ein Opus der Orgelbaufirma Eule. Schon die Bezeichnung der Orgel auf dem CD-Booklet macht neugierig: English Town Hall Organ! Im deutschen Text zur Konzeption der Orgel findet man unter dem Bild dann die weniger eindrucksvolle Bezeichnung „Konzertorgel im englisch-spätromantischen Stil“.

Ist diese klangliche Konzeption in unseren Landen höchst selten anzutreffen, gilt es daher der Frage nachzugehen, ob die Orgel aus dem Hause Eule denn auch wirklich klingt wie ihre englischen Vorbilder. Hierzu hätte man sich bei der Werkauswahl den ein oder anderen typisch englischen Orgeltitel gewünscht. Doch der Reihe nach: Die eingespielten Werke geben einen guten Querschnitt über die klanglichen (und somit auch technischen) Möglichkeiten der neuen Duisburger Konzertsaalorgel. Am besten kommt das Instrument und auch der Interpret bei den Originalkompositionen bzw. seinen Improvisationen zur Geltung. Abwechslungsreich und einfühlsam gespielt, farbenreich registriert mit viel atmendem Spiel. Die beiden Stücke von Frank Bridge würden sich in so manchem Konzertprogramm gut machen und die oft aufkommende Einfaltslosigkeit in der Programmgestaltung aufbrechen helfen.

Letztlich sind es die vier Improvisationen Stangiers über die Registerfamilien, mit denen der eindrücklichste Blick in die Klanggestalt des Instruments gelingt. Wäre man jetzt schon am Ende der CD angekommen wäre, so hätte die von Acousence records vorgelegte Einspielung sicherlich eine exzellente Bewertung verdient. Einen Malus machen allerdings die beiden Transkriptionen aus, welche dazu noch am Beginn des Tonträgers platziert sind.

Dazu zitiert der Interpret im Booklettext einen vielsagenden Passus aus Herbert Ellingfords Beitrag „The Art of Transcribing for the Organ“ von 1922: „als Hauptziel sollte angestrebt werden, für Orgel arrangierte Musik so zum Klingen zu bringen, als wäre sie original für Orgel geschrieben worden“.

Nun ist die Crux dieses Diktums allerdings, dass sich der wissende Hörer dem Spagat zwischen Original und Bearbeitung bzw. der Interpretation der Transkription nun doch nicht so leicht entziehen kann. Holsts Partitur hat gerade für den „Jupiter“ eine fast überschäumende Klangfülle und ungebremsten Bewegungsdrang vorgesehen. Und hier bremst und agogisiert es allenthalben. Als würde sich der Interpret seiner eigenen Courage nicht sicher sein und dies Stück so verhalten und „schwankend“ angeht, dass man den Bezug zum Original leider nicht mehr herstellt und man lieber die Orchesterfassung zurückhaben will. Und zum zweiten (am Beispiel der Bearbeitung von Händels Orgelkonzert op. 4 Nr. 5 durch Henry Smart) muss man noch lange nicht jedes nur mögliche und vordergründig geeignete Stück auch für die Orgel transkribieren. In diesem Fall hätte man bzw. Mr. Smart es besser gelassen.

Aber da man ja über Geschmack trefflich streiten kann, sei dies lediglich die Meinung des Rezensenten. Möge sich der geneigte Hörer selbst ein Urteil bilden.

Abschließend zurück zur Anfangsfrage: English Town Hall Organ. Sicherlich, obwohl ein klein wenig mehr Klangraum einer fiktiven English Town Hall der Aufnahme sicherlich gut getan hätten.

Frank Höndgen [17.02.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
1Jupiter, the Bringer of Jollity 00:08:23
Georg Friedrich Händel
2Orgelkonzert Nr. 5 F-Dur op. 4 Nr. 5 HWV 293 00:09:10
Louis Vierne
3Clair de lune op. 53 Nr. 5 00:09:05
4Carillon de Westminster (aus: ) 00:06:22
Frank Bridge
5Adagio in E 00:06:20
6Allegro Marziale 00:04:07
Edward Elgar
7Enigma – Variations on an Original Theme op. 36 for Orchestra 00:03:44
César Franck
8Final B-Dur op. 21 00:13:14
Roland Maria Stangier
9Strings 00:03:13
10Diapasons 00:02:05
11Flutes 00:02:08
12Reeds 00:03:02
Zsolt Gárdonyi
13Grand Choeur 00:07:00

Interpreten der Einspielung

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