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CD-Besprechung

Hans Pfitzner Orchesterlieder • Orchestral Songs

cpo 777 552-2

1 CD • 68min • 2010

16.12.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Während die Klavierlieder Hans Pfitzners noch gelegentlich im Repertoire deutscher Sänger auftauchen, sind seine etwa 30 Orchesterlieder, zwischen 1891 und 1926 entstanden, weitgehend in Vergessenheit geraten. Mir waren sie bisher nie untergekommen, sie in dieser verdienstvollen Edition des WDR und des Labels cpo kennenzulernen, ist eine faszinierende und streckenweise irritierende Erfahrung.

Pfitzner fährt schweres Orchestergeschütz auf, auch im wörtlichen Sinne. Klage (1915, auf einen Eichendorff-Text) und Der Trompeter (1916) haben einen ausgesprochen kriegerischen Charakter. Dabei kommt der Militärmusiker keineswegs im Kugelhagel der feindlichen Truppen um, wie die Musik suggeriert, sondern bricht auf der Elbe im Eis ein und ertrinkt. Willkommen und Abschied, ursprünglich ein Klavierlied, hat in der Orchesterfassung von 1925 nichts mehr von der Leichtigkeit der Goetheschen Verse („Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde!”), sondern kommt dramatisch aufgewühlt daher. Auch der Humor in der für den Bassisten Paul Knüpfer geschriebenen Heinzelmännchen-Kantate (1904) hat etwas Gravitätisches, der Komponist versucht den schnurrigen Text August Kopischs („Wie war zu Köln es doch vordem…") mit Bedeutsamkeit aufzuladen.

Andererseits ist die Vertonung der von Herder überlieferten Ballade Herr Oluf (1891), die Arbeit des erst 22jährigen Komponisten, ein Meisterstück der Klanginszenierung. Pfitzner zieht hier wahrhaft alle Register instrumentaler Ausdrucksmöglichkeiten. Diese Meisterschaft ist ihm auch in späteren Jahren nicht abhanden gekommen und macht diese Orchesterlieder für Musiker sehr attraktiv, für den Sänger indes nicht leicht. Der niederländische Dirigent Otto Tausk am Pult der Nordwestdeutschen Philharmonie läßt sich nicht lumpen und gibt Pfitzner, was ihm zukommt. Da rauscht und kracht es im Orchester, aber es glitzert und flirrt auch, kurz gesagt: Spätromantik satt!

Dem Bariton Hans Christoph Begemann gebührt ein Platz in der ersten Reihe der derzeitigen Lied-Interpreten und es ist mir unverständlich, warum er ihn nicht einnimmt. Dieses Pfitzner-Recital jedenfalls empfiehlt ihn aufs Beste. Die warme, runde Stimme, die in der Höhe einigen Glanz entfalten kann, ist den Orchesterwogen mühelos gewachsen. Die Gesangstechnik ist souverän, was bei so bedeutenden Lehrern wie Claus Ocker, Ernst Haefliger und Aldo Baldin auch nicht verwundert. Die Textgestaltung ist sehr differenziert und plastisch. In der Interpretation neigt er gelegentlich zu einem Überschwang, der an Hermann Prey erinnert, bei diesen Liedern aber durchaus am Platze ist.

Ekkehard Pluta [16.12.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Hans Pfitzner
1Die Heinzelmännchen op. 14 00:10:02
2Der Trompeter op. 25 Nr. 1 00:05:59
3Klage op. 25 Nr. 2 00:03:15
4Herr Oluf op. 12 00:07:29
5Es glänzt so schön die sinkende Sonne op. 4 Nr. 1 00:02:57
6Sie haben heut' abend Gesellschaft op. 4 Nr. 2 00:01:30
7Es fällt ein Stern herunter op. 4 Nr. 3 00:01:59
8Es faßt mich wieder der alte Mut op. 4 Nr. 4 00:01:10
9Nachts op. 26 Nr. 2 00:02:23
10Zorn op. 15 Nr. 2 00:02:32
11An die Mark op. 15 Nr. 3 00:04:18
12Ist der Himmel darum im Lenz so blau op. 2 Nr. 2 00:01:17
13Herbstlied op. 3 Nr. 2 00:01:41
14Mein Herz ist wie die dunkle Nacht op. 3 Nr. 3 00:02:45
15Lethe op. 37 00:04:46
16Wanderers Nachtlied op. 40 Nr. 5 00:03:05
17An den Mond op. 18 00:05:57
18Willkommen und Abschied op. 29 Nr. 3 00:04:43

Interpreten der Einspielung

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