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CD-Besprechung

cpo 777 596-2

1 CD • 51min • 2009

10.12.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 6
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Für den Südwesten Deutschlands war Julius Weismann (1879–1950) sicherlich eine der prägenden Musikerpersönlichkeiten seiner Zeit. Dass er, der sich zu Lebzeiten nicht beklagen konnte, zu wenig gespielt zu werden, heute praktisch vergessen ist, dürfte nicht allein an seiner Karriere im „Dritten Reich“ liegen; zwar wurde Weismann 1936 Kompositionsprofessor und erhielt weitere bedeutende heute anrüchig wirkende Auszeichnungen, doch seine Karriere hatte er schon vorher gemacht. Besondere Bedeutung kommt ihm auch heute noch als einem der beiden Mitbegründer des Freiburger Musikseminars zu (zusammen mit Ernst Doflein), aus dem nach 1945 die dortige Musikhochschule hervorging. Während der Nazi-Zeit schien Weismann sich nicht besonders belastet zu haben, wenngleich es auch unnötig ist, diese Verstrickung fast ganz zu unterschlagen, wie dies der überaus respektvolle Beihefttext dieser Produktion tut: Wie etwa ein 1999 entstandene Beitrag von Sibylle Lützner zeigte, läßt sich Weismanns umfangreiches Œuvre durchaus im „Spannungsfeld nationalsozialistischer Ästhetik und Kulturpolitik“ diskutieren.

Dafür, dass Weismanns Musik jedoch heute kaum mehr gespielt wird, ist allerdings wohl eher sein Akademismus verantwortlich, wie diese Aufnahme zweier größerer und repräsentativer Werke zeigt. Weismann hatte als Schüler von Rheinberger, Dimmler, von Herzogenberg und schließlich Thuille sein Handwerk gründlich gelernt. Tatsächlich erfreuen in jedem der vier Sätze der beiden Streichquartette a-Moll op. 133 und G-Dur op. 148, die hier in einer Version für Kammerorchester vorgelegt werden, die überaus saubere Stimmführung, welche auch – ähnlich wie bei Reger – die Harmonik konstituiert, sowie die ausgewogene formale Proportionierung. Dass Weismann sich jedoch, wie Wilm Falcke in der alten MGG schrieb, zur „Ästhetik des musikalischen Einfalls“ bekannte, ist heute nur bedingt nachzuvollziehen. Am modernsten und inspiriertesten wirkt noch das Scherzo aus dem Quartett op. 133 mit seiner widerspenstigen Harmonik; auch in den übrigen Sätzen gibt es immer wieder hübsche Ideen. Doch im Ganzen setzt Weismann innerhalb der Reger- und Rheinberger-Nachfolge kaum eigene Akzente.

Die Bearbeitungen, die der Dirigent dieser Aufnahme, Georg Mais, gefertigt hat, sind aber auch zu schulmäßig, um das vielleicht moderne Potential der Werke hervorzuheben, geschweige denn, eine eigene Qualität als Bearbeitung zu erhalten. Auch die Interpretationen neigen zum Robusten, die langsamen Sätze sind bloß flüssig gehalten, ohne dass größerer Zauberer entfaltet würde; auf groteske oder hymnische Momente geht der Dirigent kaum ein. Leider ist auch das Farbenspektrum des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim eher beschränkt und die Artikulation tendenziell leicht steifleinern. So wirken diese beiden ambitionierten Werke mehr wie harmlose Serenaden als gewichtige spätromantische Streichquartette.

Dr. Michael B. Weiß [10.12.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Julius Weismann
1Streichquartett a minor op. 133 00:29:07
5Streichquartett G major op. 148 00:21:52

Interpreten der Einspielung

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