Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

CD-Besprechung

Robert Schumann
Sämtliche Werke für Klavier und Orchester

Robert Schumann<br />Sämtliche Werke für Klavier und Orchester

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 29.11.10

Klassik Heute
Empfehlung

label_2736.jpg
→ Katalog und Neuheiten

SWRmusic 93.264

1 CD • 67min • 2010

Den Konzertsatz in d-Moll aus dem Jahr 1839, der die zweite Folge von Florian Uhligs „Gesamteinspielung“ einleitet, wird jeder Schumann-Freund mit Interesse zur Kenntnis nehmen. Aber diese sechseinhalb Minuten werden das musikalische Weltbild weder der hörenden noch beruflich spielenden Enthusiasten verändern. Ganz anders verhält es sich, wenn es sich um Joachim Draheims Rekonstruktion der von Schumann als Konzertstück geplanten Abegg-Variationen handelt. Diese zum schmissigen Klavierkonzert zurückbeorderte Kleinigkeit erweist sich nicht nur als hörenswert und als für einen abgefeimten Solisten auch dankbare Aufgabe, sie unterrichtet den Hörer auch, wie Schumann gedacht, projektiert, im Ernstfall aber auch sozusagen verworfen hat. Diese orchestrierten Variationen op. 1 erinnern mich an Konzertstücke von Mendelsssohn, an manche Arbeiten der zweiten Romantik-Garnitur, wie sie von Hiller, Henselt, Raff, Moszkowski oder auch Herz in Erinnerung und etwa in Aufnahmen mit Michael Ponti dokumentiert sind. Auch die vier überlieferten Konzertstücke von Chopin (op. 2, op. 13, op. 14 und op. 22) sind ja in der Aufführungspraxis weitgehend den Solo-Pianisten überantwortet, so dass man da durchaus eine ästhetisch-praktische Parallele zu Schumanns frühen Variationen unter dem Eindruck der Buchstaben ABEGG konstruieren kann.

Florian Uhlig zeigt sich in diesen Einspielungen mit der Deutschen Radio Philharmonie als Schumann-Fahnder mit gleichsam mutig ausgefahrenen Antennen für alles schöne Vordergründige und vor allem auch für die Heimlichkeiten eines Repertoires, das natürlich im rechten Moment den echten Virtuosen fordert, aber auch den schmeichelnden, wenn nötig auch schmerzlich berührten Lyriker (und dies in Nähe des Schumannschen Liedschaffens). Mit Christoph Poppen am Pult der fusionierten Musiker aus Saarbrücken und Kaiserslautern ist orchestrale Klarheit in allen Tutti-Passagen gesichert, darüber hinaus geregeltes Zusammenspiel, selbst in den heiklen Übereinkünften im Finalsatz des Klavierkonzerts op. 54. Uhlig erfreut (mich) in diesem Hauptwerk der konzertanten Romantik mit herbem, aber auch liebevollem Anschlag, mit rhythmischer Stabilität ohne jede Verhärtung etwa in den Oktavpassagen. Auch der zweite Satz (Intermezzo. Andante grazioso) ist nicht (wie so oft) als Quasi-Adagio gejammert, sondern wider die allgemeine Praxis leicht beschleunigt als Zwischenspiel von gewissermaßen milder, also „vorübergehender“ Bedeutung eingefügt. Problematisch allein scheint mir Uhligs flüchtige, sehr beschleunigte und dadurch auch etwas undeutliche Behandlung des akkordisch-aufstrebenden Finalsatzthemas. Hier sollte man sich – der Prägnanz, also der Verständlichkeit wegen – ein wenig zurückhalten.

Rundum gelungen sind in dieser dirigentisch-solistischen Zusammenarbeit die beiden nicht eben beliebten Konzertstücke. Uhlig, Poppen und das saarländisch-pfälzische Kollektiv bewähren sich auf jenem Niveau, das von Einspielungen mit Richter (op. 92), Rösel, Rudolf Serkin und Zacharias verbürgt ist, wobei die alte Serkin-LP etwas wilder, ungezügelter im Angriff auf die dramatischen Momente wirkt als in die in solchen Momenten etwas besonnener wirkende Uhlig-Premiere.

Vergleichsaufnahmen: Opus 54: Margalit – Thomson (Chandos 7070), Barenboim – Celibidache (EMI 557417 2), Richter – Gauk (Multisonic 31 0268-2), Richter – Muti (EMI), Brendel – K.Sanderling (Philips 462 321-2), Höhenrieder – Wildner (RCA 89793 2), M. Hess – R.Schwarz (Great Pianists Philips 456 832-2), Lipatti – Galliera (Great Pianists Philips 456 892-2), Gieseking – Furtwängler (3.42 Iron Needle 1373.4), Benedetti Michelangeli – Pedrotti (9.42 Cedar AB 78675.76), Francois – Kletzki (EMI 574324 2), M. Hess – Goehr (Naxos 8.110604), Moiseiwitsch – Ackermann (Testament SBT 1187), Panenka – Ancerl (Praga 256000), Cortot – Ronald (The Piano Library 259/61 í27), Lorango – A.Newman (Ersteinspielung auf historischen Instrumenten! – Newport Classic NCD 60034), B.Lupo – Maag (Arts 47543-2), Rösel – Masur (Berlin classics / Eterna 0032062 BC), Nat – Bigot (Dante HPC 082),Gheorghiu – Mandeal (Electrocord EDC 251), Pires – Abbado (DG 463179-2), Zacharias (MDG 340 1033-2), Perahia – C.Davis (Sony 500609 2), Moravec – Neumann (Supraphon SU 3508-2 011), Andsnes – Jansons (EMI 557486 2), Giacometti – Tilkin (Channel classics CCS SA 17802), Argerich – Decker (VAI 4210 DVD), Argerich – Kord (Warschau 5.-8.12.79 Muza SX 1905), Argerich – Harnoncourt (Warner 2564 61589-2), Cziffra – Cziffra jr. (Foundation Cziffra 1-RCP-9608); Op. 92 und op. 134: R. Serkin (CBS), B. Lupo – Maag (Arts 47543-2), Rösel – Masur (Berlin classics / Eterna 0032062 BC), Lahusen – Beissel (Koch 3-1794-2), Zacharias (MDG 340 1033-2); Op. 134: Erdmann – Rosbaud (1944 TAH 199-200).

Peter Cossé [29.11.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 R. Schumann Konzertsatz d-Moll (Rekonstruktion und Ergänzung von Jozef De Beenhouwer 1986) 00:06:31
2 Abegg-Variationen (Rekonstruktion der von Schumann geplanten Fassung für Klavier und Orchester von Joachim Draheim 2010) 00:10:02
3 Klavierkonzert a-Moll op. 54 00:28:47
6 Introduktion und Allegro appassionato G-Dur op. 92 00:14:12
7 Konzert-Allegro mit Einleitung d-Moll op. 134 00:14:35

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Florian Uhlig Klavier
Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern Orchester
Christoph Poppen Dirigent
 
93.264;4010276023227

Bezug über Direktlink

label_2736.jpg
→ Katalog und Neuheiten

 

Das könnte Sie auch interessieren:

 

⇑ nach oben

AGBs Impressum Kontakt Mediadaten Sitemap Datenschutz

© Klassik Heute

jpc