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CD-Besprechung

Schumann und die Sonate I
Florian Uhlig

Schumann und die Sonate I<br />Florian Uhlig

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 29.09.10

hänssler CLASSIC 98.603

1 CD • 67min • 2010

Nach seiner überzeugenden Einspielung von Beethoven-Variationen (Hänssler 98.599) begibt sich der aus Düsseldorf stammende Pianist Florian Uhlig auf große Robert Schumann-Reise. Das Gesamtwerk – das tatsächliche Gesamtwerk! – für Klavier soll es in einem längerfristig angelegten Projekt werden. Mit allen unbeachteten, verworfenen und wieder- bzw. neu entdeckten Passagen eines in seiner Entstehung und Rezeption nicht eben leicht zu bestimmenden Schaffens. Partner und Ideengeber ist der Musikwissenschaftler und ausgewiesene Schumann-Spezialist Joachim Draheim, der auch für die Begleittexte verantwortlich zeichnet. Seine Kenntnisse bis in die geheimsten archivarischen Faltenwürfe zahlt sich bereits für das erste Programm „Schumann und die Sonate“ aus. Im Zusammenhang mit der Sonate Nr. 3 in f-Moll op. 14, dem so genannten Concert sans Orchestre, trägt dies bereits erste Früchte. Vorstudien und gestrichene Sätze geben dem interessierten Musik- und Klavierfreund Hinweise, Auskünfte und Einblick über die Arbeit – genauer: die ästhetische Werkstatt – des Komponisten Schumann. Da findet sich ein ungedrucktes, von Draheim und Uhlig ergänztes Romanzen-Fragment, zudem ein bekanntes, von Brahms herausgegebenes Scherzo. Hinzu kommen zwei im Autograph gestrichene Variationen zum berühmten zweiten Satz – den Variationen über ein Andantino von Clara Wieck –, die erst 1984 erschienen sind. Und dann in Ersteinspielung die erste Version des Finalsatzes (Presto possibile in f-Moll) – ein ungedrucktes Fragment, das wiederum von Draheim und Uhlig ergänzt worden ist. Solche Ergänzungen – wir kennen sie aus der Schubert- und Mahler-Literatur – sind und bleiben problematisch, aber in diesen klein dimensionierten Spezialfällen sind diese akustischen Prothesen hilfreich und dienen nicht dem Zweck, große kompositorische Würfe eitel vollenden zu wollen.

Florian Uhligs Darstellung der f-Moll-Sonate gewinnt an Form und Tiefe, indem der Interpret seine makellose Technik mit intellektuellem Spürsinn, mit Feuer und Waghalsigkeit verbindet. Das von Schumann seinem Kollegen Ignaz Moscheles gewidmete Werk entsteht mithin in der dreisätzigen, 1836 erschienen Fassung als Einheit im Zeichen von unterschwelliger, fruchtbarer Gebrochenheit. In den meisten Einspielungen wirkt – für mein Empfinden – der „Prestissimo possibile“ bezeichnete Schlusssatz als Etüden-Anhängsel. Und der Variationssatz als sentimentale, vorgezogene Zugabe (als der er ja auch isoliert vom Sonatengefüge gelegentlich gegeben wird). Nichts von alle dem unter den Händen Uhligs!

Die Frage stellt sich, ob man die C-Dur-Fantasie unter der Rubrik „Schumann und die Sonate“ führen soll. Draheim weist darauf hin, dass dieses Werk „zum schwer übersehenden Komplex von Schumanns Ringen mit der Sonatenform“ gehört, „wie er sie im Werk des zutiefst verehrten Beethoven gültig geprägt vorfand“. Und ursprünglich hat Schumann die drei Franz Liszt zugedachten Sätze ja auch als Sonate bezeichnet. Uhlig meistert die gedanklich-emotionalen Hürden, das Zersprengte, das Melodisch-rezitativische des ersten Satzes, hütet sich im zweiten Teil die finalen Sprungkombinationen als Verwegenheitsbelege aufzupeppen. Im Finalsatz hält er sich zu Recht wie alle seine Kollegen nicht an Schumanns anfechtbare Vortragsbezeichnung „Langsam getragen. Durchwegs leise zu halten“. Denn in den Ballungszentren der feierlich-larmoyanten Melodie kommt es – Schumanns eigenen Anweisungen zu Folge! – mehrmals zu Verdichtungen im fortissimo-Bereich!

Ein viel versprechender Beginn mit dem Fernziel des erstmals kompletten Klavier-Schumanns! Die Werke für Klavier und Orchester sind bereits als zweite Folge angekündigt.

Vergleichsaufnahmen: Sonate op. 14: Horowitz (Sony, bzw. Great Pianists /Philips 456 838-2), Henschel (Ars musici AM 1407-2), Vorraber (Thorofon CTH 2530), Struhal (Gramola 98804), Itoh (Fontec FOCD 9328), Kauten (Sony 88697 35059 2), Lee Mi-Joo (Mit Scherzo II und 2 Variationen /MDG 604 0941-2), Pollini (DG 471 369-2), Glemser (Naxos 8.554275), Mazzola (pan classics 510091), A. Schiff (ECM 472 119-2); Andantino de Clara Wieck: Afanassiev (Denon CO-18044), Janis (Great Pianists /Philips 456 850-2), Gambaryan (TR RCD 1629 '71).

Peter Cossé [29.09.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 R. Schumann Concert sans orchestre f-Moll op. 14 00:23:25
4 Vorstudien und gestrichene Sätze (aus: Concert sans orchestre op. 14) 00:06:25
6 Zwei im Autograph gestrichene Variationen zum zweiten Satz (aus: Concert sans orchestre op. 14) 00:01:44
8 Presto possibile f-Moll 00:05:38
9 Fantasie C-Dur op. 17 00:30:01

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Florian Uhlig Klavier
 
98.603;4010276023333

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