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CD-Besprechung

Monteverdi's Orfeo

Paul Hindemiths "Versuch einer Rekonstruktion der ersten Aufführung"

Monteverdi’s Orfeo

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 5

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 01.09.10

Music & Arts 1237

2 CD • 1h 49min • 1954

„Wir wollen heute abend versuchen, diese Oper unter den ursprünglichen Bedingungen wieder aufzuführen“, erläuterte Paul Hindemith am 3. Juni 1954 dem Wiener Publikum, was in den nächsten rund einhundert Minuten zu erwarten sei. Und nach drei erfrischend zügig musizierten Canzonen von Giovanni Gabrieli beginnt denn auch, was man nur als einen Versuch bezeichnen kann, zugleich aber wie eine jener Sternstunden der Musikgeschichte wird bestaunen müssen, in denen sich Geist über die Zeiten hin mit Geist zu einer Begeisterung verbindet, wie sie immer im Augenblick des Erschaffens erlebt werden kann: Hinterher, Jahre, Jahrzehnte später, wenn’s auf dem Podium nicht rumpelt, als wären die ganze Zeit ein paar Möbelpacker unterwegs; wenn die Aufnahmetechnik sich nicht durch den Äther der Lang- oder Kurzwelle zu kämpfen hat; wenn die Sänger sich „keinen mehr an der Verzierung abbrechen“, sondern alle historischen Ornamente und affektuösen Wendungen bis ins letzte Winkelchen beherrschen und beispielsweise der Sänger des Caronte nicht in die höhere Oktave springen muss, weil’s für den ofenröhrigen Orkus nicht langt – dann haben wir selbstredend einen Orfeo vor uns, der allen Bedingungen des heutigen Musikfreundes gerecht wird und gegebenenfalls sogar dem strengen Blick der Wissenschaft standhält.

Indes konnte und kann keiner der damaligen Defizite den quasi schöpferischen Enthusiasmus der Wiederbelebung übertönen: Paul Hindemith läßt die ungewöhnlichsten Instrumente vorab erklingen, beschreibt in zügigen Worten die merkwürdigsten Charakteristika des „Unerhörten“ und durchstürmt die Partitur nachher in solchem Schwung und Elan, daß es sogar mir, der ich bis heute nicht vollends an die langsamen Tempi der wirklich alten Musik glauben mag, mitunter ein bißchen zu flott ist – wenn nämlich die hypnotische Einflußnahme des sagenhaften Sängers beginnt und der inwendige Rhythmus knapp verfehlt wird. Allenthalben jedoch siegt die Freude an einem Tun, das keine Laune bleiben sollte: Unter den Mitwirkenden war damals ein eben 24-jähriger Geiger mit Namen Nikolaus Harnoncourt, und für ihn hatte die Aufführung „die Wirkung eines Blitzschlages“. Was draus wurde, ist selbst längst Geschichte geworden ...

Schön wäre nun allerdings gewesen, wenn sich die Publikanten dieser Pioniertat bei der Redaktion darauf besonnen hätten, daß Booklets heute längst kein Versuch mehr sein müssen. Den eigentlichen Einführungstext nebst den gleichfalls lesenswerten Erinnerungen Paul Angerers, der seinerzeit neben Harnoncourt geigte, gibt es nur auf Deutsch, die Synopsis hingegen und ein Glossar der von Monteverdi vorgeschriebenen Instrumentation liefert man uns lediglich in englischer Sprache.

Rasmus van Rijn [01.09.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 C. Monteverdi L' Orfeo (Favola in musica; Text: Alessandro Striggio, 1607)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Gino Sinimberghi Orfeo - Altus
Patricia Brinton La Musica - Sopran
Uta Graf Eurydice - Sopran
Gertrud Schretter Speranza - Sopran
Norman Foster Caronte - Baß
Mona Paulee Proserpina - Sopran
Frederick Guthrie Plutone - Baß
Waldemar Kmentt Apollo - Bariton
Anna Maria Iriarte Messaggiera - Sopran
Auguste Schmoczer Ninfa - Sopran
Wiener Singakademie Chor
Wiener Symphoniker Orchester
Paul Hindemith Dirigent
 
1237;0017685123728

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