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CD-Besprechung

E. Tamberg

BIS 1 CD 1677

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 09.08.10

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BIS 1677

1 CD • 77min • 2007

Der Este Eino Tamberg hat im Laufe eines nunmehr achtzig Jahre währenden Lebens viel schöne Musik geschrieben. Keine klingelnden Verinnerlichungen oder avantgardistischen Kalkulationen, keine hanebüchenen Materialverdünnungen und auch keine jener Zufälligkeiten, deren Wiedererkennung nur durch die andächtig-mantrahafte Wiederholung des zugehörigen Komponistennamens möglich ist.

Tamberg, Verfasser von vier Sinfonien, zahlreichen Konzerten, Kammer- und Vokalmusiken sowie der überragenden Oper Cyrano de Bergerac, ist selbst dort mit recht beachtlichem Gewinn anhörbar, wo wir es mit einem Höhepunkt des estnischen „Modernismus“ zu tun haben, als den man gemäß der beigefügten Erläuterung das 1971 in Tallinn uraufgeführte Ballett Joanna tentata („Die Versuchung der Johanna“) ansehen soll. Lege ich die siebensätzige Suite zu Grunde, die Neeme Järvi und das Residenzorchester Den Haag hier mit viel Lust und Laune an schillernden Valeurs, Farbaufträgen und holzschnittigen Linienführungen darbietet, dann muß das Tanzstück nach Aldous Huxleys Die Teufel von Loudon zwar weit weniger provokant ausgefallen sein als die gleichnamige und -altrige Oper, mit der weiland Krzysztof Penderecki die Welt erschrecken wollte; dafür aber sind bei Tamberg die kunstvolle Verbindung archaischer Choralfiguren und -fragmente mit tatsächlich „modernen“ Klanghäufungen, die Entfesselung urtümlich-hysterischer Rhythmik und geradezu quodlibetanischer Massenmelodik („Gebete und Passionen“ heißt der vierte Satz der Suite) sowie die Kombination scheinbar harmloser Vergnügungen mit innerlichsten Momenten von einer enormen Suggestivkraft, die die Bühne geradezu entbehrlich macht.

Neben der avancierten (NB: nicht „avantgardistischen“) Musik stehen zwei frühe Erfolge Tambergs aus den fünfziger Jahren: die drei Sinfonischen Tänze op. 6 und das gern als „Welterfolg“ apostrophierte Concerto grosso op. 5 für eine neobarocke Combo aus Flöte, Klarinette, Trompete, Altsaxophon, Fagott und Klavier mit Schlagzeug, Harfe und Streichern. Beides sind erzlebendige, kesse Kompositionen, die mir völlig unabhängig von der doktrinären Bevormundung ihrer Entstehungsjahre geschrieben scheinen. Gewiß wird man darüber orakeln können, ob die geschickte Verknüpfung estnischer Originalmelodien in die Partitur der Tänze ein verstecktes Trutzgebaren à la Schostakowitsch hätte sein sollen – doch dann sieht man das pfiffige Lächeln im Gesichte des Esten und verzichtet auf eingehendere Spekulationen.

Rasmus van Rijn [09.08.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 E. Tamberg Suite op. 37a (aus dem Ballett Joanna Tentata) 00:30:00
8 Sinfonische Tänze op. 6 00:21:21
11 Concerto grosso op. 5 00:24:30

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Residentie Orchest Den Haag Orchester
Neeme Järvi Dirigent
 
1677;7318590016770

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