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CD-Besprechung

Ferenz Liszt
Hungarian Rhapsodies - original duet versions

Ferenz Liszt<br />Hungarian Rhapsodies - original duet versions

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 20.04.10

Klassik Heute
Empfehlung

Hungaroton HCD 32648

1 CD • 66min • 2009

Wer immer sich wirklich mit Franz Liszts Ungarischen Rhapsodien – samt ihrer Magyar Dallok-Vorstudien – beschäftigt hat, der wird nicht umhin kommen, diese ungarisch-zigeunerischen Stücke als virtuose, von Melancholie und Leidenschaft geprägte Geschenke für den fortgeschrittenen, für den pianistischen Einzelkämpfer zu betrachten. Dies zeigen die Orchesterbearbeitungen und in den meisten Fällen auch ihre orchestrale Umsetzung: sie wirken steif, in Fragen des Rubatos und der emotionalen Explosivität sonderbar eingeengt. Umso bemerkenswerter ist es, wenn die fünf von Liszt für Klavierduo bearbeiteten Rhapsodien unter den Duo-Händen von Monika Egri und Attila Pertis so gut wie allen Anforderungen eines begnadeten Einzeltäters à la György Cziffra genügen. Das heißt: die beiden ungarischen Pianisten verfügen über jene alliierten, aber auch individuellen Fähigkeiten, sich gleichsam über das Taktstrichkorsett, über die reine Notenstatistik hinweg zu setzen, indem sie dem inneren Pulsschlag der Werke nachspüren und im rechten Moment den dramatischen Verwegenheiten nach fusionierten Kräften zu Raum und Aroma, gelegentlich auch schonungslos zu Geräusch und Kontur verhelfen.

Bei diesen fünf Versionen für Klavier zu vier Händen handelt es sich nicht um einfache, verlegerischen Zwecken gehorchende Transkriptionen, sondern in vielen, ja selbst in entscheidenden thematischen Passagen um Neukompositionen. Liszts Verfahrensweise erinnert mich – ohne überheblich zu sein! – an jene Zeiten, da es noch keinen Computer und auch noch keine elektronische Schreibmaschine gab. Wenn ich einen Text aus älteren Tagen noch einmal verwenden konnte, ging es ans „Abtippen“. Abschreiben hieß jedoch – und da dürfte ich mit jedem Autor konform gehen – so gut wie jede Zeile zu verändern, sozusagen das Vorliegende wie zwanghaft neu interpretierend.

So ist etwa der Beginn der Ungarischen Rhapsodie Nr. 2 (in der Duo-Fassung die Nr. 4) für den Kenner der Solo-Version zunächst schockierend in der nun verknappten, kurzatmigen Formulierung des Hauptthemas. Hier und auch an anderer Stelle dieser Einspielung wird man sich bewusst, wie stark sich die Gewöhnung in unser musikalisches Gedächtnis einnistet, wie ungeduldig man zunächst reagiert, wenn dem Erwarteten – und Geliebten – nicht Genüge getan wird.

Das Verdienst des Duos Egri–Pertis ist es, diese Abweichungen so überzeugend zu gestalten, überdies mit bewundernswerter Elastizität die ornamentalen, die klangmalerischen Delikatessen so kenntnisreich, aber auch so improvisatorisch freigeistig auszukosten, dass ich nicht zögere, diese Darbietungen den wenigen überzeugenden Einspielungen der Solo-Fassungen zur Seite zu stellen.

Die Hungaroton-Edition zeichnet sich auch durch einen äußerst informativen Begleittext von Mária Eckhardt aus, der weit und tief in die kompositorische und editorische Geschichte der Ungarischen Rhapsodien führt. In jenes bedeutende Kapitel des Lisztschen Schaffens nämlich, das er selber als „ein ungarisches Nationalepos in Tönen“ verstanden wissen wollte (aufbauend auf Elementen des Verbunkos, des Csárddás, des volkstümlichen Kunstlieds und gelegentlich auch echter Volkslieder).

Vergleichsaufnahmen: Ungarische Rhapsodie Nr. 2 bzw. Nr. 4: Duo Kutrowatz (Organum OGM 980050; Edition Klavierfestival Ruhr 1999 /avi-music), Klavierduo Silvia und Alejandro Geberovich (Neiro 1992109), Bradshaw–Buono (Albany TROY 039).

Peter Cossé [20.04.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Liszt Ungarische Rhapsodie Nr. 1 f-Moll für Klavierduo – Lento, quasi marcia funebre 00:12:13
2 Ungarische Rhapsodie Nr. 2 d-Moll für Orchester – Andante moderato 00:11:07
3 Ungarische Rhapsodie Nr. 3 D-Dur für Klavierduo – Tempo giusto, quasi allegro 00:08:48
4 Ungarische Rhapsodie Nr. 4 d-Moll für Klavierduo – Andante - Andante maestoso 00:10:29
5 Ungarische Rhapsodie Nr. 5 e-Moll für Klavierduo – Molto lento, con duolo 00:10:52
6 Ungarische Rhapsodie Nr. 6 Des-Dur für Klavierduo (Pester Carneval) – Moderato 00:11:45

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Mónika Egri Klavier
Attila Pertis Klavier
 
HCD 32648;5991813264824

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