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CD-Besprechung

G. Schjelderup

cpo 1 CD 777 348-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 10.02.10

Klassik Heute
Empfehlung

cpo 777 348-2

1 CD • 73min • 2007

Der Norweger Gerhard Rosenkrone Schjelderup, ein Jahr älter als Emil Nikolaus von Reznicek und Gustav Mahler, war konsequent. Nachdem er zunächst noch dem elterlichen Wunsche nach einer soliden akademischen Ausbildung hatte entsprechen wollen, verlagerte er seinen Studienbereich 1878 zunächst nach Paris, wo er bei Franchomme Violoncello sowie bei Savard und Massenet Kompositionsunterricht nahm. Nach einem vorübergehenden Aufenthalt in der Heimat setzte er seine Ausbildung in Karlsruhe (bei Felix Mottl) sowie in Dresden und München fort. Schon 1887 war er von einer Karlsruher Aufführung der Wagnerschen Ring-Tetralogie so gepackt worden, daß er fortan sein schöpferisches Hauptaugenmerk auf die Opernbühne richtete: Als er 1933 in Benediktbeuren starb, hinterließ er unter anderem neun Musikdramen, deren Libretti er zumeist selbst verfaßt hatte und in denen er sich – wenig an den eigentlichen Sagenwelten interessiert – vor allem um eine Darstellung seelischer Ereignisse bemühte.

Neben diesen Werken, die möglicherweise ähnliche Entdeckungen werden könnten wie die lange verpönt gewesenen Opern Franz Schrekers (es käme auf den Versuch an), hinterließ Schjelderup manches Vokale und Kammermusikalische sowie unter anderem zwei Sinfonien und die sinfonische Dichtung Brand (1908/10) nach Henrik Ibsens gleichnamigem Schauspiel – ein gut halbstündiges Stück in neun Abschnitten, das so ziemlich alles enthält, was man seinerzeit von einer tönenden Schilderung erwartete, in der es um Liebe, um die Suche nach Gott, den Wanderer im Kampf und Ringen mit den Kräften des geistigen Universums und der Natur geht. Grandios aufragende musikalische Gipfel, ein zart-zauberhaftes Portrait der liebenden „Agnes”, die öde Weite gebirgiger Gegenden, in denen der Protagonist am Ende den Heldentod nebst anschließender Verklärung erlebt: Diese Komposition ist, so vertraut uns letztlich die Programmatik anmutet, ein „starkes Stück“ im besten Sinne des Wortes. Mal beinahe prophetisch in der Nähe zu Leos Janacék, dessen lapidare Eindringlichkeit Schjelderup aus rein chronologischen Gründen gar nicht gekannt haben kann; dann wieder wie ein Blick in die Regionen des Poème de l’exstase und die flirrenden, schwirrenden, filigranen Violinsoli, die Alexander Skrjabin etwa zur selben Zeit ersinnt; finster aus Mahlers „Todtenfeier” herübermarschierende Tritte (ein-zwo-drei-vier-und-te/ein-zwo-drei-vier-und-te) – man kann sich so nach und nach in diese Komposition vergucken, keine Frage.

Bei der zweiten Sinfonie (1923/24) dürfte das ein wenig länger dauern, weil sie trotz ihrer klassischen Anlage und ihrer unüberhörbaren „Heimatklänge” – ja, nicht eigentlich weniger inspiriert, sondern insgesamt verhaltener, wehmütiger, einsamer wirkt. Für Norwegen geschrieben im freiwilligen deutschen Exil, wo sich Schjelderup seit 1922 angesichts der mäßigen heimischen Kulturszene dauerhaft aufhielt, mutet die Sinfonie wie ein Abschiedsgruß an: Die Gründung und Leitung des norwegischen Komponistenverbandes und die Mitherausgabe einer umfänglichen norwegischen Musikgeschichte waren zwischen 1917 und 1921 Versuche gewesen, an den Fjorden für eine künstlerische Springflut zu sorgen. Doch die blieb aus, und so schaute der Einsame im Herbst seines Lebens aus Bayern hinüber in die Gegend eines Edvard Grieg, Johan Severin Svendsen und Johan Halvorsen. Das tat er freilich ohne hörbaren Groll, ohne Bitterkeit: Das Meer betrachtet er noch einmal im ersten Satz, den norwegischen Frühling im Scherzo, die Weite des Fjell im wunderbar ausgeführten Adagio – und schließlich schwingt er sich wieder „auf zu den höchsten Gipfeln”, über denen am Ende Ruh’ ist. Kein Triumphgeheul, sondern stille Gewißheit ...

Das Orchester aus Trondheim klingt unter der Leitung von Elvind Aadland, als wäre es mit dieser raren Musik aufgewachsen. Hoffen wir, daß diese CD kein Einzelstück bleibt, auch wenn sie ein Solitär geworden ist.

Rasmus van Rijn [10.02.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Schjelderup Brand (Sinfonisches Drama) 00:33:38
10 Sinfonie Nr. 2 (To Norway) 00:39:14

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Trondheim Symphony Orchestra Orchester
Eivind Aadland Dirigent
 
777 348-2;0761203734825

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