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CD-Besprechung

Una hora española

Una hora española

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 24.12.09

Klassik Heute
Empfehlung

Clearaudio 43051

1 CD • 52min • 2008

Mindestens zwei der hier versammelten Stücke, nämlich das erste sowie das – dramaturgisch geschickt plaziert – abschließende, werden auch demjenigen Hörer sehr bekannt vorkommen, der nicht auf Gitarrenmusik spezialisiert ist: Sowohl Albéniz' Asturias also auch die traditionelle Romanza d'Amore sind aus verschiedenen filmmusikalischen oder sonstigen Cross-Over-Zusammenhängen bekannt. Das Kunststück dieser wunderbaren Platte von Klaus Jäckle ist, wie dieser Gitarrist von vollendetem Geschmack sämtliche der Stücke von jeglicher Genrehaftigkeit fernhält, die ja durch das Urklischee „Spanische Gitarreì eigentlich nahegelegt würde.

Jäckle jedoch spielt jede dieser Miniaturen mit äußerster Sensibilität, mit ansteckender Verve und mit größter gitarristischer Reinheit – das bedeutet viel bei einem Instrument, das gerade in einem von Hoch- und Mittelkunst gleichermaßen beanspruchten Zwischenbereich angesiedelt ist. Daran, daß er die Gitarre klassisch auslegt, läßt Jäckle jedoch keinen Zweifel. Die eigenen Bearbeitungen der berühmten, ursprünglich für Klavier geschriebenen Stücke Albéniz' werden nicht nur idiomatisch, also als sozusagen von der spanischen Sonne durchglüht, gespielt, sondern auch analytisch: in perfekter Balance von Melodie und Begleitung. Jäckle stellt, wie etwa in Albéniz' kleinem Sevilla-Porträt, auch insistierende Momente sehr feinsinnig dar, nie etwa wird der Saitenkontakt bloß physisch roh, und wenn, wie in Córdoba einmal kräftig gegriffen wird, bleibt auch das Kraftvolle noch edel; man höre etwa, wie kontrolliert und dennoch zündend die kleinen Crescendi in den Rumores de la Caleta gestaltet sind. In den heftigeren Momenten fasziniert die Erregung gerade in ihrer gefährlichen Untergründigkeit.

Der geheime Mittelpunkt dieses Albums sind Fernando Solers Variationen über ein Thema aus Mozarts Zauberflöte (nämlich „Das klinget so herrlich"): Sie stellen den Bezug zwischen der Hochkunst und dem spanischen Idiom her und demonstrieren, wie Jäckle auch den Wiener Klassischen Tonfall trifft, etwa leichte und angenehme Rubati gestattet, ohne je romantisierend, aber auch, ohne historisierend zu wirken. Stets klingt die von der Tonstudio-Legende Heinz Wildhagen wirklich spektakulär natürlich aufgenommene Gitarre auf ganz phantastische Weise aus, man höre etwa, wie unglaublich resonant die sparsam eingesetzten Flageoletts abgebildet wurden. Diese Platte zeigt exemplarisch, zu welcher Feinheit die Gitarre möglich ist – eine Empfehlung wird fällig.

Dr. Michael B. Weiß [24.12.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 I. Albéniz Asturias 00:06:55
2 Sevilla 00:05:17
3 Granada op. 47 Nr. 1 – Serenade 00:04:15
4 Cordoba 00:03:42
5 Rumores de la Caleta op. 71 Nr. 6 (aus: Recuerdos de Viaje op. 71) 00:03:42
6 G. Sanz Españoletas 00:01:51
7 Canarias 00:03:02
8 F. Sor Variationen über ein Thema von Mozart 00:09:02
9 M. Llobet El Testament de n'Amèlia (aus: Cançons Populars) 00:02:10
10 Cançó del Lladre (aus: Cançons Populars) 00:02:21
11 J. Malats Serenata Española 00:03:57
12 Anon. Romanza d'amore 00:02:44

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Klaus Jäckle Gitarre
 
43051;4015166430512

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